12. Das Anwenden von Grooves

Das Timing und Rhythmus-Feeling jedes Clips in Ihrem Set kann durch den Einsatz von Grooves geĂ€ndert werden. Die Live-Library enthĂ€lt eine große Auswahl verschiedener Grooves, die als .agr Dateien im Browser erscheinen.

GroovesBrowser.png
Groove-Dateien im Browser.

Der einfachste Weg mit Library-Grooves zu arbeiten, ist das Ziehen und Fallenlassen von ihnen aus dem Browser direkt auf die Clips in Ihrem Set. Hierbei wird die Timing-Charakteristik der Groove-Datei sofort auf den Clip ĂŒbertragen. Wenn Sie schnell verschiedene Grooves ausprobieren möchten, können Sie den Hot-Swap-Schalter aktivieren, der sich ĂŒber dem Clip-Groove-Wahlschalter (siehe 8.1.4) befindet und dann die Grooves nach und nach im Browser durchgehen, wĂ€hrend der Clip abgespielt wird.

GrooveHotswap.png
Der Hot-Swap-Schalter fĂŒr Grooves.

Grooves können sowohl mit Audio- als auch mit MIDI-Clips benutzt werden. Bei Audio-Clips funktionieren Grooves, indem sie das Warping-Verhalten (siehe 9.2) des Clips Àndern . Sie arbeiten darum nur mit Clips, bei denen die Warp-Funktion aktiviert ist.

12.1 Groove-Pool

Sobald Sie eine Groove-Datei verwendet haben, können Sie seine Wirkung durch Änderung seiner Parameter im Groove-Pool beeinflussen. Dieser lĂ€sst sich mit dem Wahlschalter unten links im Browser öffnen oder schließen.

GroovePoolSelectorButton.png
Der Wahlschalter fĂŒr den Groove-Pool.

Sie können auf Grooves im Browser auch doppelklicken, um sie direkt in den Groove-Pool einzuladen, bevor Sie sie bei einem Clip anwenden. Der Groove-Pool enthÀlt alle Grooves, die auf diese Weise geladen wurden oder die in Clips benutzt werden. "Inaktive" Grooves (alle, die nicht von einem Clip benutzt werden) erscheinen mit ihren Parametern ausgegraut.

Hinweis: In Live Intro und Lite können Grooves aus dem Browser geladen und auf Clips angewendet werden, jedoch nicht im Groove-Pool bearbeitet werden.

GroovePool.png
Der Groove-Pool.

12.1.1 Anpassung der Groove-Parameter

Die Grooves erscheinen im Groove-Pool in einer Liste und bieten eine Vielzahl von Parametern, die sich in Echtzeit Àndern lassen und die das Verhalten von allen Clips, die diese Grooves benutzen, beeinflussen. Sie können Grooves mit den Schaltern neben den Groove-Namen auch speichern und hot-swappen.

Die Parameter des Groove-Pools funktionieren folgendermaßen:

  • Basis — Der Basis-Wahlschalter bestimmt die zeitliche Auflösung, mit der die Abweichung der Noten im Groove verglichen wird. Ein Basis-Wert von 1/4 bedeutet zum Beispiel, dass die Positionen der Noten in der Groove-Datei mit denen der nĂ€chstliegenden Viertelnoten verglichen werden und alle Noten in allen Clips, die diesem Groove zugeordnet sind, proportional in Richtung der Groove-Noten-Positionen verschoben werden. Bei einer Basis von 1/8 werden die Noten des Grooves ausgehend von der nĂ€chstliegenden Achtelnote gemessen. Alle Noten, die in der Groove-Datei exakt auf dem Raster liegen, werden nicht verschoben. So werden auch die entsprechenden Noten in Ihren Clips nicht verschoben.
  • Quantize — bestimmt die StĂ€rke der angewendeten "geraden" Quantisierung, vor der Anwendung des Grooves. Bei 100% rasten die Noten in Ihrem Clip exakt auf den nĂ€chstliegenden Notenwert ein, den sie mit dem Basis-Wahlschalter gewĂ€hlt haben. Bei 0% werden die Noten in den Clips nicht von ihren Original-Positionen verschoben, bevor der Groove angewendet wird.
  • Timing — bestimmt, wie stark das Groove-Muster die Clips beeinflusst, die das Muster verwenden.
  • Zufall — stellt ein, wie stark zufĂ€llige Timing-Schwankungen auf den Clip angewendet werden, die den gewĂ€hlten Groove benutzen. Bei niedrigen Werten kann die Funktion nĂŒtzlich sein, um straff quantisierten, elektronischen Loops etwas mehr "menschliches" Feeling zu verleihen. Beachten Sie, dass die Zufalls-Funktion unterschiedliche Schwankungen fĂŒr jede Stimme in Ihrem Clip erzeugt. Noten, die ursprĂŒnglich zusammen gespielt wurden, besitzen dann einen zufĂ€lligen Zeitversatz, sowohl vom Raster als auch zueinander.
  • Velocity — bestimmt, wie stark die Velocity-Werte der Noten in den Clips von den Velocity-Informationen, die in der Groove-Datei gespeichert sind, beeinflusst werden. Beachten Sie, dass der Regler von -100 bis +100 reicht. Bei negativen Werten, kehrt sich der Velocity-Effekt des Grooves um. Laute Noten werden leise gespielt und andersherum.
  • StĂ€rke — dies ist ein globaler Parameter, der die Gesamt-IntensitĂ€t von Timing, Zufall und Velocity fĂŒr alle verfĂŒgbaren Groove-Dateien festlegt. Bei 100% werden die Parameter mit ihren eingestellten Werten angewendet. Beachten Sie, dass der StĂ€rke-Regler bis 130% reicht und somit auch extrem ĂŒbertriebene Groove-Effekte möglich werden. Werden bei den Clips in Ihrem Set Grooves verwendet, erscheint der Global-Amount-Regler auch in Lives Transportbereich.
GrooveAmountInTransport.png
Der Global-Groove-Amount-Regler im Transportbereich

12.1.2 Grooves festlegen

CommitGroove.png
Die Commit Groove-Taste.

Ein DrĂŒcken der "Commit"-Taste unter dem Clip-Groove-WahlmenĂŒ ĂŒbertrĂ€gt Ihre Groove-Parameter dauerhaft auf den Clip. Bei MIDI-Clips werden dabei die einzelnen Noten entsprechend verschoben. Bei Audio-Clips werden an den geeigneten Stellen im Clip Warp-Marker erzeugt.

Nach DrĂŒcken von "Commit" wird die Einstellung des Groove-WahlmenĂŒs beim Clip automatisch auf "None" zurĂŒckgesetzt.

12.2 Grooves bearbeiten

Die Auswirkungen, die Groove-Dateien auf Ihre Clips besitzen, basieren auf zwei Faktoren: die vorgenommenen Parametereinstellungen im Groove-Pool und die Positionen der Noten in der Groove-Datei. Um den Inhalt von Groove-Dateien unmittelbar zu bearbeiten, ziehen Sie sie aus dem Browser oder dem Groove-Pool auf eine MIDI-Spur und lassen sie fallen. Dies erzeugt einen neuen MIDI-Clip, der sich dann wie jeder andere MIDI-Clip bearbeiten lĂ€sst. Mit dem unten beschriebenen Vorgang können Sie den bearbeiteten Clip wieder zurĂŒck in einen Groove umwandeln.

12.2.1 Grooves extrahieren

Um neue Grooves zu erzeugen, können die notwendigen Timing-und LautstĂ€rke-Informationen aus beliebigen Audio- oder MIDI-Clips extrahiert werden. Ziehen Sie hierfĂŒr einfach den Clip in den Groove-Pool oder fĂŒhren den "Groove extrahieren"-Befehl im [Rechts-Klick](PC) / [CTRL-Klick](Mac)KontextmenĂŒ des Clips aus.

ExtractGroove.png
Grooves aus Audio- oder MIDI-Clips extrahieren.

Grooves, die auf diese Weise durch Extrahieren erzeugt wurden, berĂŒcksichtigen nur Material des wiedergegebenen Clip-Abschnitts.

Hinweis: Grooves können aus Clips in den Intro und Lite Editionen nicht extrahiert werden.

12.3 Tipps zu den Grooves

Dieser Abschnitt bietet Ihnen einige Tipps, um das Meiste aus der Groove-Funktion herauszuholen.

12.3.1 Angrooven einer einzelnen Stimme bzw. eines einzelnen Instruments

Um einen ĂŒberzeugenden Beat zu gestalten, verwenden Schlagzeuger oft ein unterschiedliches Timing fĂŒr einzelne Instrumente. So werden zum Beispiel Hi-Hats exakt "auf die Zeit" gespielt, die Snare-SchlĂ€ge jedoch etwas hinter den Beat gesetzt, um ein entspanntes "Laid-Back"-GefĂŒhl zu erzeugen. Weil Groove-Dateien immer auf gesamte Clips angewendet werden, sind solche SubtilitĂ€ten mit einem einzelnen Clip nur schwer zu realisieren. Unter der Voraussetzung, dass Ihr Clip ein Drum- oder Instrument-Rack benutzt, kann zur Lösung nur jeweils die Stimme aus der Kette (siehe 18.8.1) extrahiert werden, der Sie einen unabhĂ€ngigen Groove geben möchten. Im gezeigten Beispiel extrahieren wir die Snare-Kette, erzeugen einen neuen Clip und dann eine neue Spur, die nur die Snare-Noten enthĂ€lt. Danach kann bei diesem neuen Clip ein anderer Groove angewendet werden.

12.3.2 Nicht-destruktive Quantisierung

Grooves können auch dazu benutzt werden, um auf Clips eine nicht-destruktive Quantisierung in Echtzeit anzuwenden. Um dies zu machen, stellen Sie einfach die IntensitÀt der Timing-, Zufall- und Velocity-Parameter des Grooves auf 0 und passen dann die Quantize- und Basis-Parameter Ihren Vorstellungen an. Wenn Sie nur Quantize anwenden, wird der tatsÀchliche Inhalt des Grooves ignoriert, so dass diese Technik unabhÀngig von dem eingesetzten Groove funktioniert.

12.3.3 Erzeugen von Texturen durch zufÀllige Anordnungen

Sie können den Zufalls-Parameter eines Grooves auch fĂŒr das Erzeugen von realistischen Dopplungen benutzen. Diese Funktion ist besonders bei der Gestaltung von Streicher-Texturen aus einzelnen Stimmen nĂŒtzlich. Duplizieren Sie hierfĂŒr zunĂ€chst die Spur, die den Clip enthĂ€lt, den Sie "andicken" möchten. Wenden Sie dann einen Groove bei einem der Clips an und drehen den Zufalls-Parameter auf. Wenn Sie nun beide Clips zusammen abspielen, weicht die Zeitposition jeder Note minimal (und auch zufĂ€llig) von der Position Ihres "GegenstĂŒcks" auf der anderen Spur ab.

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