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11. Audio nach MIDI konvertieren

(Hinweis: Die in diesem Kapitel besprochenen Funktionen sind in den Intro- und Lite-Editionen nicht verfügbar.)

Obwohl Lives Warping einen weitaus flexibleren Umgang mit Audio-Dateien als traditionelle Audio-Software erlaubt, gibt es auch einige Werkzeuge, mit denen musikalische Informationen aus Audio-Clips extrahiert und in MIDI-Dateien umgesetzt werden können, wodurch weitere kreative Möglichkeiten entstehen.

Ist ein Audio-Clip ausgewählt, stehen im Erzeugen-Menü oder mit [Rechtsklick](PC) / [CTRL-Klick](Mac) im Kontextmenü des Clips vier Konvertierungs-Befehle zur Verfügung.

AudioToMIDICommands.png
Die Kontextmenü-Befehle für die Konvertierung von Audio zu MIDI

11.1 Auf neue MIDI-Spur slicen

Dieser Befehl unterteilt das Sample in kleine Abschnitte, die dann einzelnen MIDI-Noten zugewiesen werden. Das Slicen unterscheidet sich von den unten genannten Konvertierungs-Befehlen, da es nicht den musikalischen Kontext des Ausgangs-Samples analysiert. Stattdessen unterteilt der Befehl die Ausgangs-Datei in Zeitabschnitte, unabhängig vom musikalischen Gehalt. Das Drum-Rack (siehe 18.6) bietet eine ideale Umgebung, um mit gesliceten Dateien zu arbeiten; ein Großteil des Einrichtvorgangs erfolgt automatisch.

SlicingDialog.png
Der Dialog für das Slicen.

Wenn Sie "Auf neue MIDI-Spur slicen" wählen, erscheint eine Dialogbox Der Dialog für das Slicen bietet eine Liste mit verschiedenen Teilern sowie ein Menü mit Presets für das Slicen an. Im oberen Menü können Sie einen Notenwert oder die Transienten eines Clips oder seine Warp-Marker als Basis für das Unterteilen auswählen. Da ein Rack maximal 128 Ketten enthalten kann, erlaubt Live es Ihnen nicht fortzufahren, wenn Ihre Auswahl zu mehr als 128 Slices führt. Sie können dieses Problem lösen, indem Sie eine gröbere Auflösung für das Slicen oder einen kürzeren Abschnitt des Clips dafür wählen. Liegt Ihre Audiodatei im REX-Format (siehe 9.3.7) vor, basiert das Slicen auf den internen Timing-Informationen der Datei und das Menü wird nicht angezeigt.

Im Menü für die Slicing-Presets finden Sie ein paar Slicing-Voreinstellungen von Ableton sowie all jene Einstellungen, die Sie eventuell im Default-Presets-Ordner der Library abgelegt haben (siehe “Standard-Presets”).

Nachdem Sie Ihre Einstellungen für das Slicen gewählt und auf OK geklickt haben, passieren verschiedene Dinge:

  1. Es wird eine neue MIDI-Spur erzeugt, die einen MIDI-Clip enthält. Im Clip finden sich Noten für jede einzelne Slice, die chromatisch aufsteigend arrangiert sind.
  2. In die neue Spur wird ein Drum-Rack eingefügt, das für jede Slice eine Kette enthält. Jede Kette wird durch eine der Noten im Clip getriggert und enthält einen Simpler, der die entsprechende Audio-Slice geladen hat.
  3. Die Makro-Regler des Drum-Racks werden sinnvollen Parametern der Simpler-Instrumente zugewiesen, wobei die Einstellungen im gewählten Slicing-Preset zum Tragen kommen. In den Werks-Slicing-Presets sind grundlegende Hüllkurven-Parameter sowie Parameter zum Einstellen des Loop- und Überblendverhaltens jeder Slice zugewiesen. Wenn Sie einen dieser Makro-Parameter verändern, werden die zugewiesenen Parameter aller Simpler gleichzeitig justiert.

Hinweis: Anmerkung: Live benötigt eine gewisse Zeit, um all diese Aufgaben auszuführen.

Das Abspielen des MIDI-Clips triggert entsprechend der gewählten oder in der Audiodatei eingebetteten Timing-Information nacheinander jede Kette im Drum-Rack. Dies eröffnet viele Bearbeitungsmöglichkeiten, darunter:

11.1.1 Das Umsortieren von Slices

SlicingMIDIEditing.png
Das Umarrangieren der Slice-MIDI-Daten.

Standardmäßig bilden die Slice-MIDI-Daten ein chromatisch aufsteigendes "Treppenmuster", um die richtigen Ketten in der ursprünglichen Reihenfolge zu triggern. Sie können jedoch ganz einfach neue Abläufe erzeugen, indem Sie die MIDI-Noten bearbeiten (siehe 10.4). Den gleichen Effekt erzielen Sie, indem Sie die Pads des Drum-Racks aufeinander ziehen, um ihre Notenzuweisungen zu vertauschen.

11.1.2 Slices mit Effekten versehen

Da jede Slice in einer eigenen Kette des Drum-Racks beheimatet ist, können Sie einzelne Slices sehr einfach mit eigenen Effekten versehen. Wollen Sie mehrere Slices mit den gleichen Effekten versehen, selektieren Sie alle entsprechenden Ketten in der Kettenliste des Drum-Racks und drücken Sie CTRL - G (PC) / CMD - G (Mac), um sie als eigenes eingebettetes Rack zu gruppieren. Fügen Sie die Effekte dann nach diesem eingebetteten Rack ein.

Noch mehr kreative Möglichkeiten bietet das Einfügen von MIDI-Effekten (siehe Kapitel 23) vor dem Drum-Rack. Insbesondere die Geräte Arpeggiator und Random können hier zu interessanten Ergebnissen führen.

Das Slicen wird meist auf Drumloops angewendet, aber es gibt keinen Grund, es dabei zu belassen. Experimentieren Sie mit dem Slicen unterschiedlichen Materials, etwa von Stimmen oder Umgebungsgeräuschen. Das Umsortieren oder Nachbearbeiten kann auf alles was Sie slicen angewendet werden -- manchmal mit unerwarteten Ergebnissen.

11.2 Harmonie auf neue MIDI-Spur konvertieren

Dieser Befehl identifiziert die Tonhöhen von Noten in polyphonem Audiomaterial und setzt diese in einen Clip auf eine neue MIDI-Spur. Die neue Spur enthält ein geladenes Instrument-Rack (siehe Kapitel 18) mit einem Piano-Preset (das selbstverständlich durch ein anderes beliebiges Instrument ersetzt werden kann).

Beachten Sie, dass sich dieser Befehl und auch die anderen Konvertierungs-Befehle vom Slicing unterscheiden und zwar insofern, als dass der erzeugte MIDI-Clip nicht den ursprünglichen Sound abspielt, sondern stattdessen die Noten extrahiert und diese dann zum Abspielen eines komplett anderen Sounds nutzt.

Der Harmonie-konvertieren-Befehl funktioniert gut mit Titeln aus Ihrer Musiksammlung, Sie erhalten jedoch auch hervorragende Ergebnisse, wenn Sie MIDI aus Audioaufnahmen erzeugen, bei denen Sie selbst ein Harmonie-Instrument wie z.B. Gitarre oder Klavier gespielt haben.

11.3 Melodie auf neue MIDI-Spur konvertieren

Dieser Befehl erkennt die Tonhöhe von Noten in monophonem Audiomaterial und setzt diese in einen Clip auf eine neue MIDI-Spur.

Die neue Spur enthält ein Instrument-Rack, das einen Synthesizer-Sound spielt. Mit dem Makro “Synth to Piano” des Racks können Sie die Klangfarbe zwischen Analog-Synthie und E-Piano überblenden. Das Instrument ist vielseitig genug, um einen guten Eindruck zu erhalten, kann aber beliebig durch ein anderes Instrument ersetzt werden.

MelodyToMIDIRack.png
Das Instrument-Rack "Melody to MIDI"

Der Konvertiere-Melodie-Befehl funktioniert mit Titeln aus Ihrer Musiksammlung, ermöglicht Ihnen jedoch auch sich selbst bei SIngen, oder beim Spielen eines Solos mit der Gitarre aufzunehmen und diese Aufnahme dann zum Erzeugen der MIDI-Noten einzusetzent.

11.4 Drums auf neue MIDI-Spur konvertieren

Dieser Befehl extrahiert die Rhythmen von perkussivem Audiomaterial und setzt sie in einen Clip auf eine neue MIDI-Spur. Der Befehl probiert dabei auch Kick, Snare und Hihat getrennt zu erkennen und setzt sie so, dass sie im geladenen Drum-Rack von den entsprechenden Klängen abgespielt werden. Alle zusätzlichen Klänge (wie Becken, Toms, andere Percussion etc.) bleiben erhalten, werden jedoch zur manuellen Bearbeitung auf eine separate Notenzeile ohne Sound gesetzt.

Wie beim Konvertiere-Melodie-Befehl können Sie die Transienten-Marker im Audio-Clip vor der Konvertierung anpassen, um zu bestimmen, wohin die Noten im konvertierten MIDI-Clip hingesetzt werden.

"Konvertiere Drums" funktioniert gut mit aufgezeichneten Breakbeats, aber auch mit Ihren eigenen Aufnahmen, wie z.B. Beatboxing oder Trommeln auf einer Tischkante.

11.5 Optimierungen für bessere Konvertierungs-Qualität

Die "Konvertiere auf..."-Befehle können interessante Resultate sowohl mit bereits bestehenden Titeln aus Ihrer Musiksammlung, als auch mit ihrem eigenen aufgenommenen Material erzielen. Zum Beispiel könnten Sie sich singend, Gitarre spielend oder auch Beat-boxend aufnehmen und die Konvertierungs-Befehle zum Erzeugen von MIDI-Daten nutzen, die Sie als Ausgangsbasis für neue Musik einsetzen können.

Um ein möglichst präzises Ergebnis zu erhalten, empfehlen wir Folgendes:

  • Verwenden Sie Musik mit deutlichen Attacks. Noten, die einen Fade-In haben oder anschwellen, werden beim Konvertierungs-Vorgang eventuell nicht erkannt.
  • Arbeiten Sie mit Einzelaufnahmen von isolierten Instrumenten. Der Konvertiere-Drums-Befehl funktioniert z.B. am besten mit alleinstehenden Drums; sind in der Aufnahme anderen Instrumente, werden deren Noten ebenfalls erkannt.
  • Benutzen Sie unkomprimierte Audio-Dateien mit hoher Qualität wie .Wav oder .aiff. Verlustbehaftete Datenformate wie mp3 können zu unvorhersehbaren Ergebnissen bei der Konvertierung führen, es sei denn das die Aufnahmen in hohen Bitraten vorliegen.

Live nutzt Transienten-Marker (siehe “Transienten und Pseudo-Warp-Marker”) beim original Audio-Clip, um die Taktunterteilung der Noten im konvertierten MIDI-Clip zu bestimmen. Das bedeutet, dass Sie die Ergebnisse der Konvertierung auch "tunen" können, indem Sie Transienten-Marker im Audio-Clip hinzufügen, verschieben oder löschen, bevor Sie einen der Konvertieren-Befehle ausführen.

Obwohl jeder Befehl für eine bestimmte Art von Musikmaterial optimiert wurde, können manchmal durch Anwendung des "falschen" Befehls sehr interessante Ergebnisse entstehen. So erzeugt "Konvertiere Harmonie > MIDI" normalerweise Akkorde. Wenn Sie den Befehl mit einem monophonem Clip (z.B. eine Gesangsaufnahme) ausführen, werden oft Noten erzeugt, die im Ausgangsmaterial gar nicht vorhanden sind. Ein hervorragender Brunnen für kreative Ideen.

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