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9. Audio-Clips, Tempo und Warping

Anders als bei Musik auf Band oder in traditionellen Digital Audio Workstations, bleibt die Musik in Live immer "elastisch". Live ist in der Lage, Samples beim Abspielen von der Festplatte zeitlich zu warpen , um sie zum aktuellen Live Set-Tempo zu synchronisieren. Dies geschieht ohne Änderungen der Tonhöhe, die separat beeinflusst werden kann. Das Mischen und Kombinieren von Audiomaterial ganz unterschiedlicher Herkunft ist deswegen extrem einfach.

9.1 Tempo

9.1.1 Tempo einstellen

TempoControl.png
Das Tempo-Feld im Transportbereich.

Der Tempo-Parameter im Transportbereich erlaubt es Ihnen, das Wiedergabetempo Ihres Live Sets jederzeit in Echtzeit zu ändern. Sie können Tempoänderungen sogar automatisieren(siehe 19.5.5) um fließende oder abrupte Tempowechsel im Zeitablauf zu erzeugen. Um während einer Performance maximale Kontrolle über das Tempo zu haben, können Sie den beiden Wertefeldern links und rechts des Dezimalpunkts getrennte MIDI-Controller zuweisen(siehe Kapitel 26). Sie können das Tempo dadurch mit einem Regler grob in BPM und mit einem zweiten fein in hundertstel BPM einstellen und sich so präzise live spielenden Musikern oder anderen unsynchronisierten Quellen anpassen.

Sie können einen externen Sequenzer (oder Drumcomputer) zu Live oder Live zu einem externen Sequenzer synchronisieren. Die entsprechenden Optionen finden sich in den MIDI/Sync-Voreinstellungen. Damit Live einer externen MIDI-Clock-Quelle folgt, wird der EXT-Schalter neben dem Tempo-Parameter aktiviert. Bitte schlagen Sie im Abschnitt über Synchronisation (siehe 30.1)für nähere Informationen nach.

9.1.2 Tempo tappen

TapButton.png
Der Tap-Taster

Sie können Lives Tapping-Funktion benutzen, um das Tempo jederzeit zu ändern. Klicken Sie einmal pro Beat auf den Tap-Taster im Transportbereich und das Wiedergabetempo des Live Sets wird sich nach Ihrer Vorgabe richten.

KeyMapModeSwitch.png
Der KEY-Schalter für den Zuweisungs-Modus von Rechnertasten.

Es ist besser, den Tap-Taster einer Taste der Rechnertastatur zuweisen, statt ihn mit der Maus anzuklicken. Klicken Sie dann auf den Tap-Taster und drücken Sie die Taste auf der Rechnertastatur, die Sie zum Tappen verwenden wollen. Klicken Sie dann erneut auf den KEY-Schalter, um den Tasten-Zuweisungs-Modus wieder zu verlassen. Die Zuweisung ist danach sofort aktiv. Der Tap-Taster kann auch auf eine sehr ähnliche Weise einer MIDI-Note oder einem -Controller zugewiesen werden, zum Beispiel einem Fußpedal. Obwohl Live sofort auf Ihr Tapping reagiert, kommt eine gewisse Verzögerung zum Einsatz, um ein ruckeliges Verhalten bei der Tempo-Anpassung zu vermeiden. Je mehr Taps Live nacheinander erhält, desto präziser kann das gewünschte Tempo eingestellt werden.

Sie können die Tapping-Funktion auch zum Einzählen verwenden: Wenn Sie mit einem 4/4-Taktmaß arbeiten, startet die Wiedergabe nach vier Taps in dem gewünschten Tempo.

9.1.3 Tempo "schubsen" mit den Nudge-Tastern

TempoNudge.png
Die Nudge-Taster.

Obwohl sich Live leicht zu externen MIDI-Geräten (siehe 30.1) synchronisieren lässt, kann es Situationen geben, in denen Sie sich an Quellen anpassen müssen, die nicht an ein festes Tempo gebunden sind, etwa an Live-Musiker oder an Plattenspieler. Stimmt das Tempo Ihres Sets grundsätzlich mit dem des unsynchronisierten Materials überein, können Sie die Nudge-Taster verwenden, um Live kurzfristig etwas zu beschleunigen oder abzubremsen und sich so der Quelle anzupassen. Wie der Tap-Taster sind auch diese Taster deutlich angenehmer zu benutzen, wenn sie MIDI-Controllern zugewiesen werden.

9.2 Das Zeit-Warpen von Samples

Lives Fähigkeit, jedes Sample im Sync mit einem gewählten Tempo abzuspielen, ist eine spezielle und wichtige Funktion. Zusätzlich können Sie den rhythmischen Fluss eines Stücks "warpen" und so sein Feeling ändern oder sogar Noten auf andere Zählzeiten verschieben.

Die Warping-Eigenschaften eines Clips werden im Sample-Rähmchen (siehe 8.2) eingestellt, das Teil der Clip-Ansicht ist.

SampleBoxWarpControls.png
Die Warp-Bedienelemente im Sample-Rähmchen

Das entscheidende Bedienelement hier ist der Warp -Schalter, der das Warpen eines Clips aktiviert oder deaktiviert. Im Warp-Bereich von Lives Voreinstellungen können die Standardeinstellungen für neue Clips bestimmt werden, aber diese lassen sich jederzeit für jeden Clip hier ändern.

Wenn der Warp-Schalter ausgeschaltet ist, spielt Live das Sample mit seinem originalen, "normalen" Tempo und unbesehen des aktuellen Song-Tempos ab. Dies ist nützlich bei Samples, die keine innere rhythmische Struktur haben: Percussion-Klänge, Atmosphären, Sound-Effekte, gesprochene Wörter und Ähnliches. Schalten Sie den Warp-Schalter ein, um Samples mit rhythmischem Gehalt (wie Loops, Musikaufnahmen, ganze Musikstücke, etc.) im Sync mit dem aktuellen Song-Tempo wiederzugeben.

Auf der Record/Warp/Launch-Seite der Voreinstellungen können Sie bestimmen, welche Annahmen Live bei neuen Clips treffen soll. Wenn die "Lange Samples automatisch warpen"-Option an ist, nimmt Live an, dass lange Samples Musik enthalten, die synchron zum Tempo des Live Sets abgespielt werden soll. Wenn Sie es vorziehen, dass Live lange Samples wie sie sind abspielt, deaktivieren Sie diese Voreinstellung.

9.2.1 Tempo-Master/Slave

Alle gewarpten Clips in der Arrangement-Ansicht haben eine weitere Option: Sie können mit Ihren Master/Slave-Schaltern als Tempo-Master definiert werden. Eine beliebige Anzahl von Clips kann auf Tempo-Master geschaltet werden, aber nur einer davon kann zu einem gegebenen Zeitpunkt tatsächlich der Tempo-Master sein . Diese Rolle kommt immer dem untersten der in der Arrangement-Ansicht spielenden Clips zu.

Der als Tempo-Master fungierende Clip spielt so, als sei sein Warp-Schalter deaktiviert , aber mit einem wichtigen Unterschied -- der Rest des Live Sets wird so gewarpt, dass er synchron mit dem aktuellen Tempo-Master wiedergegeben wird.

Dies wird erreicht, indem für die Dauer des Tempo-Master-Clips eine Tempo-Automation zum Master-Track hinzugefügt wird. Sie werden bemerken, dass das Tempofeld in Lives Transportleiste währenddessen inaktiv ist; das ist deswegen so, weil die gesamte Tempo-Steuerung durch den Tempo-Master-Clip erfolgt.

Wenn der Master-Status eines Clips mit dem Master/Slave-Schalter deaktiviert oder der als Master fungierende Clip gelöscht wird, so wird die Automation aufgehoben und das richtige Tempo der Region wiederhergestellt. Wollen Sie stattdessen die erzeugte Tempo-Automation behalten , um weiter mit ihr zu arbeiten, dann öffnen Sie mit [Rechts-Klick](PC) / [CTRL-Klick](Mac) das Kontextmenü auf dem Tempofeld der Transportleiste und wählen Sie den Befehl Tempo-Automation freisetzen. Alle Clips werden dadurch auf Slave gestellt, aber die Tempo-Automation wird beibehalten.

Bitte beachten Sie: Wenn Lives externe Synchronisation mit dem EXT-Schalter aktiviert wurde (siehe 30.1.1), haben die Master/Slave-Schalter keine Funktion und erscheinen deaktiviert.

9.2.2 Warp-Marker

Stellen Sie sich ein Sample als ein Gummiband vor, das Sie mit Stecknadeln an einem (musikalischen Zeit-)Lineal befestigen wollen. In Live werden diese "Stecknadeln" als Warp Marker bezeichnet. Ein Warp-Marker verbindet einen bestimmten Punkt im Sample mit einer bestimmten Taktposition. Sie können eine beliebige Anzahl von Warp-Markern benutzen, um die gewünschten Stellen in der rhythmischen Struktur des Samples an die gewünschten musikalischen Zählzeiten des Lineals zu "pinnen".

Warp-Marker können mit Doppelklick in die Sample-Darstellung der Clip-Ansicht erzeugt werden. Warp-Marker können dann durch Ziehen oder mit den Pfeiltasten der Rechnertastatur auf eine andere Zeitpositionen bewegt werden. Gelöscht werden sie durch einen Doppelklick oder indem man sie selektiert und dann Backspace oder Delete auf der Rechnertastatur drückt.

WarpMarker.png
Doppelklick in das Sample erzeugt einen Warp Marker.

Wenn Sie mit Ihrem Sample arbeiten, können Sie Live anweisen, die Sample-Darstellung automatisch so zu scrollen, dass sie der Wiedergabeposition folgt. Verwenden Sie den Song-folgen-Schalter im Transportbereich, um diese Funktion zu aktivieren. Es kann auch hilfreich sein, die Sample-Darstellung vertikal durch Ziehen der Trennlinie zwischen Clip-Ansicht und Trackbereich der Session-Ansicht zu vergrößern.

FollowSwitch.png
Der "Darstellung folgt der Wiedergabe-Position"-Schalter

Transienten und Pseudo-Warp-Marker

Wenn Sie ein Sample zum ersten Mal in Live laden, analysiert Live automatisch die Audiodatei und findet dabei ihre Transienten . Hierbei handelt es sich um Stellen in der Audiodatei, an denen Noten oder Ereignisse starten, was sie zu optimalen Punkten für das Setzen der Warp-Marker werden lässt. Transienten erscheinen als kleine Marker oben in der Sample-Darstellung, nachdem in das Sample hinein gezoomt wurde.

Transients.png
Transienten-Marker.

Wenn Sie mit der Maus über die angezeigten Transienten gehen, erscheinen temporäre "Pseudo"-Warp-Marker. Diese besitzen die gleiche Form wie reguläre Warp-Marker, werden jedoch grau angezeigt. Das Doppelklicken oder Ziehen eines Pseudo-Warp-Markers erzeugt einen tatsächlichen Warp-Marker, oder, falls sich keine Warp-Marker später im Clip befinden, ändert es das Tempo des nachfolgenden Clip-Abschnitts. Wenn Sie die CTRL (PC) / CMD (Mac)-Taste beim Erzeugen eines Warp-Markers aus einer Transiente gedrückt halten, werden auch die direkt benachbarten Transienten links und rechts in Warp-Marker umgewandelt. Das Halten der Shift -Taste beim Ziehen eines Pseudo-Warp-Markers ermöglicht Ihnen das Verschieben der Transiente auf eine neue Stelle. Sobald ein Warp-Marker einmal erzeugt wurde, bewegt das Ziehen des Warp-Markers mit gehaltener Shift -Taste die Wellenform unter dem Marker und nicht den Marker selbst.

Sie können auch einen Zeitabschnitt auswählen und alle in diesem Zeitabschnitt enthaltenen Transienten zu Warp-Markern umwandeln, indem Sie den "Warp-Marker einsetzen"-Befehl benutzen. Sollte Ihr gewählter Zeitabschnitt keine Transienten enthalten, wird ein Warp-Marker am Ende der Auswahl erzeugt.

Obwohl Live hervorragende Arbeit beim Setzen der Transienten an die geeigneten Stellen leistet, können Sie Transienten auch selbst erzeugen oder löschen. Benutzen Sie hierfür die entsprechenden Befehle im Erzeugen-Menü.

Warp-Marker sichern

Ihre Warp-Marker werden automatisch mit dem Live Set gesichert, aber Sie werden sie möglicherweise auch direkt mit dem Sample sichern wollen, so dass sie automatisch wiederhergestellt werden, wenn Sie die Datei in Live ziehen. Klicken Sie dazu in der Clip-Ansicht auf den Save-Taster (siehe 8.2.5).

Beachten Sie, dass Auto-Warp bei einem Sample mit gesicherten Warp-Markern (siehe 5.2.2)keine Wirkung hat. In einem solchen Fall können Sie einen der mit [Rechts-Klick](PC) / [CTRL-Klick](Mac) im Kontextmenü erreichbaren und weiter oben beschriebenen Befehle zum Auslösen des Auto-Warpings nutzen.

9.2.3 Warp-Marker einsetzen

In den folgenden Abschnitten werden wir einige Anwendungen für das Zeit-Warpen von Samples betrachten. Das Warpen ist natürlich nur eine optionale Eigenschaft von Clips.

Das Synchronisieren gerader Loops

Wenn Sie ein Sample importieren, das sauber geschnittenes Musikmaterial mit einer Länge von 1,2,4, oder 8 usw. Takten Länge repräsentiert, wird Live üblicherweise das korrekte Tempo des Samples ermitteln und es synchron mit dem aktuellen Song-Tempo wiedergeben. Es werden zwei Warp-Marker erzeugt, einer am Anfang und einer am Ende des Samples.

TwoBarLoopInClipView.png
Ein zweitaktiger Loop, wie er standardmäßig in der Clip-Ansicht erscheint

In der Wertebox Seq. Tempo" ist das von Live ermittelte Tempo des Samples abzulesen; falls Sie das Tempo des Loops kennen, können Sie es hier eingeben. Manchmal wird das ermittelte Tempo fälschlicherweise dem doppelten oder halben Originaltempo entsprechen. Falls das passiert, können Sie es durch Anklicken der mit \\2 bzw. /2 beschrifteten Taster korrigieren. Wenn Sie /2 klicken, wird das Samples mit doppeltem Tempo wiedergegeben - das ist deswegen so, da Sie Lives Interpretation des Sample-Tempos korrigieren, die lediglich als Referenz zum Ermitteln des benötigten Time-Stretch-Faktors dient.

Das Synchronisieren ungeschnittener Loops

Wenn Sie einen Loop importieren, der noch nicht sauber geschnitten wurde, wird er bei der Wiedergabe mit Live aus dem Sync laufen. Nehmen wir an, dass etwas Stille vor dem ersten Beat am Anfang des Samples ist. Sie können dies sehr einfach korrigieren, indem Sie einen Warp-Marker an den tatsächlichen Anfang des Loops setzen. Ziehen Sie dann den Warp-Marker so, dass er auf einer Linie mit dem ersten Takt im Zeitlineal liegt. Auf ähnliche Weise können Sie auch Stille am Ende des Samples, also nach dem tatsächlich erklingenden Loop, entfernen.

UnCutLoopCorrected.png
Das Setzen der Warp-Marker bei einem unsauber geschnittenen Loop

Das Synchronisieren von Loops mit ungeraden Längen

Wenn Sie einen Loop mit einer Länge von sieben Takten importieren, wird Live annehmen, dass er achte Takte lang ist (oder vier Takte, das hängt von der Länge ab). Für eine korrekte Wiedergabe müsste der letzte Marker des Samples sich am Anfang von Takt Acht befinden, und nicht Takt Neun. Um das Problem zu lösen, ziehen Sie einfach den letzten Marker auf die richtige Position.

Sollte Live ursprünglich einen viertaktigen Loop angenommen haben, wird der achte Takt wahrscheinlich noch nicht angezeigt. In diesem Fall können Sie den Warp Marker in Richtung Ende nach rechts ziehen, bis die Acht sichtbar wird.

Grooves manipulieren

Sie können beliebig viele Warp-Marker erzeugen, indem Sie in das Sample oder auf die Transienten-Marker doppelklicken. Importieren Sie einen rund laufenden Loop, erzeugen Sie ein paar Warp-Marker, verschieben Sie sie und beachten Sie, was passiert. Warp-Markers haben zwei wichtige Aufgaben:

  1. eine "korrekte" Interpretation des musikalischen Zeitablaufs in einem Sample zu ermöglichen;
  2. den Zeitablauf in einem Sample nach Belieben zu verbiegen.

Sollte in einem Percussion-Loop einmal ein einzelner Schlag zu spät kommen, können Sie einfach einen Warp-Marker an der Problemstelle erzeugen und diesen dann auf die richtige Taktposition ziehen. Eventuell müssen Sie zusätzlich noch den benachbarten Schlägen Warp-Marker zuweisen, um zu vermeiden, dass diese benachbarte Abschnitte im Sample zeitlich ebenfalls beeinflusst werden.

LoopWithOffBeatCorrected.png
Den Groove mit Warp-Markern manipulieren

Das "Entfernen" des natürlichen Grooves bei einem Sample durch das Anlegen von Warp-Markern ist eine interessante kreative Methode, besonders in Verbindung mit Lives Möglichkeit, Samples in Echtzeit einen künstlichen Groove aufzuprägen (siehe Kapitel 12).

Längere Musikstücke synchronisieren

Lives Auto-Warp-Algorithmus macht längere Samples und ganze Musikstücke für den direkten Einsatz in Ihrem Projekt verfügbar. Sie können den Browser verwenden, um lange Samples oder MP3-, AAC-, Ogg-Vorbis-, Ogg-FLAC- und FLAC-Dateien zu laden. (Bitte beachten Sie, dass mit den Intro- und Lite-Editionen nicht alle dieser Formate abgespielt werden können.)

Wenn Sie eine Datei in Live ziehen, die zu lang ist um die Annahme zu rechtfertigen, es handele sich dabei um einen Loop oder ein One-Shot-Sample, wird Live den Clip standardmäßig auto-warpen (dies kann jedoch in den Record/Warp/Launch-Voreinstellungen deaktiviert werden).

Damit der Auto-Warp-Mechanismus funktionieren kann, müssen Dateien bei ihrem ersten Import in das Programm einen Analyse-Prozess durchlaufen, vor dessen Beendigung sie nicht wiedergegeben oder bearbeitet werden können.

AutoWarpedClip.png
Das Ergebnis des Auto-Warpens in der Clip-Ansicht.

Wenn die Annahmen des Auto-Warping stimmen, ist der Clip sofort bereit für die perfekt synchrone Wiedergabe im Tempo des Live Sets. Falls Auto-Warp aber nicht exakt das tut, was Sie erwarten, können Sie seine Ergebnisse kontrollieren. Im Folgenden wollen wir die verschiedenen Verfahren zur Unterstützung von Lives Auto-Warping vorstellen. Erinnern Sie sich bitte an das Metronom im Transportbereich, das Ihnen beim Warpen längerer Stücke wahrscheinlich nützlich sein wird.

Metronome.png
Der Metronom-Schalter

Es kann passieren, dass Auto-Warp zwar das Tempo korrekt ermittelt, die Eins aber nicht richtig setzt. Um das zu korrigieren, können Sie eines der folgenden Dinge tun:

  • Halten Sie die Shift -Taste beim Ziehen des ersten Warp-Markers gedrückt. Dies ermöglicht Ihnen die Position der Wellenform unter dem Warp-Marker zu ändern.
  • Zoomen Sie in die Darstellung und erzeugen einen Warp-Marker auf dem ersten Schlag im Sample. Ziehen Sie dann den Marker im Taktlineal an den Anfang von Takt 1;
  • Rufen Sie mit [Rechts-Klick](PC) / [CTRL-Klick](Mac) das Kontextmenü des Start-Markers und benutzen dann den Befehl Hier 1.1.1 setzen .
GridMarkerContextMenu.png
Das Kontextmenü zum Korrigieren von Auto-Warp verwenden.

Das Unterstützen von Auto-Warp ist auch relativ einfach, wenn Sie einen perfekt geschnittenen Loop geladen haben. Dann können Sie Auto-Warp mit dem Befehl "Als ...-Takt-Loop warpen" anweisen, entsprechend vorzugehen. Live wird eine Loop-Länge vorschlagen, die in Bezug auf das aktuelle Live Set-Tempo sinnvoll erscheint. Das Vermindern des Projekt-Tempos kann Live beispielsweise veranlassen anzunehmen, dass ein Loop 8 Takte bei 90 BPM statt 16 Takte bei 180 BPM lang ist.

Manchmal erfordert das Auto-Warping eine etwas detailliertere Kontrolle. Die beste Methode, um einen problematischen Clip zu warpen ist, in einzelnen Abschnitten von Beginn Richtung Ende vorzugehen. Sie können einen Warp-Marker setzen, indem Sie in das Sample rechts neben jedem korrekt gewarpten Abschnitt doppelklicken und diesen damit an der richtigen Stelle "festpinnen". Die Tastaturbefehle für das Arbeiten mit der Clip-Loop-Klammer und den Start/End-Markern können diesen Vorgang stark beschleunigen (siehe 8.2.2).

Sie werden es vielleicht hilfreich finden, mit der gedrückten Taste Shift oder CTRL (PC) / CMD (Mac) mehrere Warp-Marker zu selektieren, um sie gemeinsam zu bewegen.

Die vier Warpen-ab-hier-Befehle bieten verschiedene Optionen zum Setzen der Warp-Marker rechts des gerade selektierten Warp- oder Raster-Markers, wobei Warp-Marker links davon nicht angetastet werden. Diese Befehle sind auch beim Start-Marker verfügbar.

  • "Warpen ab hier" wendet den Auto-Warp-Algorithmus auf das Material rechts neben dem selektierten Marker an.
  • Warpen ab hier (beginne mit ...) weist Auto-Warp an, das Live Set-Tempo als Startpunkt für die Tempoerkennung zu verwenden. Die Vorgehensweise ist hier die Folgende:
  1. Deaktivieren Sie den Warp-Schalter für den Clip, so dass er ohne Warping erklingt;
  2. Verwenden Sie den Tap-Tempo-Taster im Transportbereich um parallel zur Clip-Wiedergabe das Live Set-Tempo so anzugeben, dass es zum Clip passt;

Schalten Sie das Warping wieder ein und verwenden Sie den Befehl "Warpen ab hier (beginne mit ...)", um Auto-Warp anzuweisen, ihr eingetapptes Tempo als Referenz zu verwenden.

  • Warpen ab hier (gerade) teilt dem Auto-Warping mit, dass der Clip keine Tempo-Variationen enthält (was bei elektronisch produziertem Material häufig der Fall ist). Das Auto-Warping setzt dann einen einzelnen Warp-Marker basierend auf seiner Einschätzung des Original-Tempos der Datei.
  • Warp ... BPM ab hier wird ebenfalls einen einzigen Warp-Marker setzen, in diesem Fall wird Auto-Warp aber gezwungen, das Stück als exakt zum aktuellen Live Set-Tempo passend zu interpretieren. Dies ist nützlich wenn Sie den exakten BPM-Wert eines elektronisch produzierten Stücks kennen und vor dem Warpen im Transportbereich angeben können.

Multi-Clip-Warping

Wenn mehrere Clips gleicher Länge selektiert sind, versieht das Setzen oder Ändern von Warp-Markern bei einem Clip alle anderen ebenfalls mit entsprechenden Warp-Markern. Das ist dann bequem, wenn mehrere Spuren den gleichen Rhythmus haben und Sie das Timing aller Aufnahmen auf die gleiche Weise verändern wollen. Ein typisches Beispiel wäre die Mehrspuraufnahme einer Band, bei der alle Musiker synchron zueinander spielen, bei der aber das Timing insgesamt noch nicht optimal ist.

9.2.4 Audio quantisieren

Im vorigen Abschnitt haben Sie gelernt, wie Sie das Timing von Ereignissen in einer Audio-Datei ändern können, indem Sie die Warp-Marker manuell entlang dem Zeitlineal "ziehen". Es ist jedoch auch möglich, das gesamte Sample auf einmal auf ein gewünschtes Raster einrasten zu lassen, indem der Quantisieren-Befehl benutzt wird. Klicken Sie hierfür in den Hintergrund des Sample-Editors und wählen den Quantisieren-Befehl aus dem Bearbeiten-Menü oder benutzen das CTRL - U (PC) / CMD - U (Mac) Tastenkürzel. Hierdurch wird die Quantisierung mit den Standardeinstellungen oder Ihren im Vorfeld gemachten Einstellungen angewendet.

Um Ihre Quantisierungs-Parameter zu ändern, öffnen Sie den Quantisierungs-Einstellungen-Dialog über das Bearbeiten-Menü.

QuantizeAudio.png
Das Quantisieren von Audio-Samples

Mit den hier gezeigten Optionen können Sie entweder die aktuelle Rastergröße (Current Grid) oder einen bestimmten Notenwert für die Quantisierung auswählen. Ferner können Sie mit dem Amount-Parameter sich einer vollständigen, exakten Quantisierung auch nur annähern, indem die Warp Marker nur um einen bestimmten Prozentwert in Richtung des eingestellten Quantisierungswerts verschoben werden.

9.3 Anpassungen für eine optimale Stretching-Qualität vornehmen

Live bietet verschiedene Verfahren für die Zeitdehnung an, um alle Arten von Audiomaterial gut bearbeiten zu können. Das Warp-Verfahren eines Clips sowie die zugehörigen Parameter werden im Sample-Rähmchen der Clip-Ansicht eingestellt.

Die verschiedenen Warp-Modi stellen unterschiedliche Varianten eines granularen Resyntheseverfahrens dar. Granulare Resynthese erzielt Zeitstauchungen und Dehnungen durch das Wiederholen beziehungsweise Überspringen von kleinen Abschnitten des Samples (den "Grains"). Die verschiedenen Warp-Modi unterscheiden sich durch die Auswahl der Grains und durch verschiedene Details der Überlappung und Überblendung der Grains.

Lassen Sie uns nun untersuchen, welcher Warp-Modus am besten für welche Art von Audiomaterial geeignet ist und wie die Warp-Parameter am besten für ein möglichst "sauberes" Dehnen und Stauchen eingestellt werden. Es kann auch sehr lohnend sein, diese Parameter "zu missbrauchen" um interessante Artefakte statt einer sauberen Zeitmanipulation zu erzielen.

9.3.1 Beats-Modus

Beats arbeitet am besten bei Material mit rhythmischer Betonung, beispielsweise bei Drumloops und den meisten Stücken elektronischer Tanzmusik. Die Granulation ist hier darauf optimiert, die Klangqualität der Transienten im Audiomaterial zu erhalten.

Benutzen Sie den Preserve -Parameter, um Unterteilungen im Sample festzulegen, an denen sich das Warpen orientiert. Für besonders präzise Ergebnisse, insbesondere mit perkussivem Material, wählen Sie Transients. Diese Einstellung verwendet die Positionen der analysierten (oder vom Anwender erzeugten) Transienten zur Bestimmung des Warping-Verhaltens. Um bestimmte Takt-Unterteilungen zu erhalten, die unabhängig vom Inhalt des Samples sind, wählen Sie einen der festen Notenwerte. Hierbei können interessante, rhythmische Artefakte entstehen, wenn z.B. große Notenwerte zusammen mit einer Transposition der Tonhöhe angewendet werden.

Der Schalter Transienten-Loop-Modus bestimmt die Loop-Eigenschaften für die Transienten eines Clips:

SamplerLoopNo.png Loop Aus -- Jedes Audio-Segment wird zwischen den Transienten bis zu seinem Ende abgespielt und stoppt dann. Die verbleibende Zeit vom Ende eines Segments bis zur folgenden Transiente enthält kein Audiomaterial und ist somit still.

SamplerLoopEnabled.png Loop Vorwärts -- Jedes Audio-Segment wird zwischen den Transienten bis zu seinem Ende abgespielt. Die Wiedergabe springt dann auf einen Nulldurchgang ungefähr in der Mitte des Segments zurück und loopt solange kontinuierlich weiter, bis im Zeitablauf die folgende Transiente auftritt.

SamplerLoopBack.png Loop Vorwärts und Rückwärts -- Jedes Audio-Segment wird zwischen den Transienten bis zu seinem Ende abgespielt. Die Wiedergabe kehrt dann um (Material wird rückwärts abgespielt) bis ein Nulldurchgang ungefähr in der Mitte des Segments erreicht wird. Dieses Muster wiederholt sich solange, bis im Zeitablauf die folgende Transiente auftritt. Mit diesem Modus kann zusammen mit einer geeigneten Einstellung des Preserve-Parameters oft eine sehr gute Klangqualität bei langsamen Tempi erzielt werden.

Der Transienten-Hüllkurven-Parameter wendet einen Lautstärke-Fade auf jedes Segment an. Bei 100 wird kein Fade ausgeführt. Bei 0 fällt die Laustärke jedes Segments sehr schnell ab. Lange Hüllkurvenzeiten können dabei helfen, die Übergänge zwischen den Segmenten zu glätten und eventuelle Klicks am Ende der Segmente in der Lautstärke zu verringern.

9.3.2 Tones-Modus

Tones arbeitet am besten beim Dehnen oder Stauchen von Material mit einer mehr oder weniger klaren Tonalität, beispielsweise bei Gesang, monophonen Instrumenten und Bass-Linien.

Grain Size bietet eine grobe Kontrolle über die durchschnittliche Größe der verwendeten Grains. Die tatsächliche Grain-Länge wird aus dem Audiomaterial abgeleitet. Bei Signalen mit einer deutlichen Tonalität klingen kleine Grain-Längen am besten. Größere Grain-Längen helfen bei undeutlicher Tonalität Artefakte zu vermeiden, können dafür aber hörbare Wiederholungen erzeugen.

9.3.3 Texture-Modus

Texture arbeitet gut bei Klangtexturen mit vieldeutiger Tonalität (beispielsweise bei polyphoner orchestraler Musik, Geräuschen, atmosphärischen Flächenklängen, etc.). Diese Variante bietet auch ein großes Potenzial für kreative Klangmanipulationen.

Grain Size bestimmt wiederum die Grain-Länge; anders als im Tone-Modus verwendet Live diese Einstellung unverändert, also ohne Berücksichtigung der Signaleigenschaften.

Fluctuation sorgt für Zufallsabweichungen bei den Grains. Je höher der Wert, desto größer die Zufallsvariationen.

9.3.4 Re-Pitch-Modus

Bei Wahl von Re-Pitch dehnt oder staucht Live die Musik nicht tatsächlich, sondern variiert die Wiedergabegeschwindigkeit, um die gewünschte Dehnung oder Stauchung zu erzielen. In anderen Worten: Um das Wiedergabetempo um den Faktor zwei zu erhöhen, wird die Musik um eine Oktave nach oben transponiert. Dies entspricht der "DJ-Stretching-Methode", bei der Plattenspieler mit variablem Abspieltempo verwendet werden, um zwei Platten zu synchronisieren.

Die Transpose- und Detune-Parameter haben im Re-Pitch-Modus keine Wirkung.

9.3.5 Complex-Modus

Complex ist ein Warping-Modus der speziell für gemischtes Material entwickelt wurde, also solches, das die durch die anderen Warp-Modi abgedeckten Eigenschaften kombiniert; es arbeitet gut bei ganzen Stücken, die üblicherweise Beats, melodisches Material und klangliche Texturen enthalten.

Complex ist ein relativ CPU-intensiver Warp-Modus, der etwa zehn mal so viel Rechenleistung wie die anderen Warp-Modi benötigt. Sie werden darum bei entsprechend gewarpten Clips von der Funktion zum Einfrieren von Tracks (siehe 31.1.3) Gebrauch machen oder das Ergebnis der Bearbeitung als neuen Clip aufnehmen (siehe Kapitel 16) wollen.

Beachten Sie bitte, dass Complex Mode in den Intro- und Lite-Editionen nicht verfügbar ist.)

9.3.6 Complex-Pro-Modus

Der Complex-Pro-Modus ist eine Variante des Complex-Algorithmus, mit dem sich abhängig vom Material noch bessere Ergebnisse erzielen lassen. Wie der Complex-Modus eignet sich Complex Pro besonders gut zum Warping von polyfonem Material oder ganzen Stücken.

Der Formants -Regler bestimmt, wie stark Änderungen an den Formanten eines Samples bei einer Transposition kompensiert werden. Bei 100% bleiben die ursprünglichen Formanten erhalten, wodurch Transpositionen mit größerem Umfang möglich werden, bei denen die Original-Klangqualität erhalten bleibt. Beachten Sie bitte, dass dieser Regler keine Wirkung zeigt, wenn das Sample untransponiert abgespielt wird.

Der Envelope -Regler beeinflusst ebenfalls die spektrale Charakteristik des Materials. Die Standardeinstellung von 128 ist für die meisten Audiosignale am besten geeignet. Für Samples, die extrem hoch transponiert sind, erzielen Sie eventuell mit kleineren Envelope-Werten bessere Ergebnisse. Ebenso kann nach unten transponiertes Material mit höheren Werten besser klingen.

Beachten Sie bitte, dass Complex Pro Mode in den Intro- und Lite-Editionen nicht verfügbar ist.)

9.3.7 REX-Modus

Der REX-Modus unterscheidet sich von den anderen Warp-Modi in mehrfacher Hinsicht. Am auffälligsten ist, dass er nicht im Sample-Rähmchen der Clip-Ansicht ausgewählt werden kann, sondern beim Laden einer Datei im REX-Format automatisch aktiviert wird. REX-Dateien sind durch das Programm ReCycle von Propellerhead Software bekannt, sie enthalten Tempo- und Timing-Informationen und synchronisieren sich zum Tempo Ihres Sets genau wie alle anderen Audiodateien.

Obwohl auch REX-Dateien Audiodateien sind, können sie mit dem Befehl Auf neue MIDI-Spur slicen (siehe 11.1)aus dem Erzeugen-Menü oder dem [Rechts-Klick](PC) / [CTRL-Klick](Mac) Kontextmenü eines Clips sehr schnell in ein spielbares Instrument verwandelt werden.

Warp-Marker/Parameter und Clip-Hüllkurven (siehe Kapitel 20) , die Warping-Eigenschaften betreffen, sowie die Clip-Nudge-Funktion (siehe 8.1.5)stehen bei REX-Dateien nicht zur Verfügung.

Beachten Sie bitte, dass REX-Dateien in den Intro- und Lite-Editionen nicht unterstützt werden.)

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