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22. Referenzteil zu Lives Audio-Effekten

Live wird mit einer Auswahl integrierter Audio-Effekte ausgeliefert. Im "Kapitel über das Arbeiten mit Instrumenten und Effekten" (siehe Kapitel 17)werden die Grundlagen bei der Arbeit mit diesen Effekten in Live besprochen.

22.1 Amp

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Der Amp-Effekt.

Amp ist ein Effekt, der den Sound und Charakter von sieben klassischen Gitarren-Verstärkern emuliert. In Zusammenarbeit mit Softube entwickelt, setzt Amp Physical-Modelling-Technologie ein, um eine Vielzahl authentischer und ansprechender Klangfarben zu bieten. Durch einen konsistenten Parametersatz ist Amp dabei äußerst einfach zu bedienen.

Die vollständige Version von Amp ist nicht in der Standardversion von Live enthalten. Amp kann zusammen mit dem Effekt Cabinet (siehe 22.5) als unabhängiges Produkt erworben werden.

Es stehen sieben verschiedene Verstärker-Modelle zur Wahl:

  • Clean basiert auf dem "Brilliant"-Kanal eines Amp-Klassikers aus den Sechzigern. Dieser Verstärker wurde häufig von Gitarristen der "British Invasion" verwendet.
  • Boost basiert auf dem "Tremolo"-Kanal des gleichen Amps und ist hervorragend für markante Rock-Riffs geeignet.
  • Blues basiert auf einem Gitarren-Amp aus den Siebzigern mit eher hellem Sound-Charakter. Dieser Amp-Klassiker ist vor allem bei Country-, Rock- und Blues-Gitarristen beliebt.
  • Rock ist nach einem klassischen 45-Watt-Amp aus den Sechzigern modelliert. Wahrscheinlich der bekannteste Rock-Amp aller Zeiten.
  • Lead basiert auf dem "Modern"-Kanal eines High-Gain-Amps, der bei vielen Metal-Gitarristen populär ist.
  • Heavy basiert auf dem "Vintage"-Kanal des gleichen Amps und eignet sich ebenfalls hervorragend für Metal und Grunge-Sounds.
  • Bass ist nach einer seltenen PA aus den Siebzigern modelliert, die wegen ihrer satten Bässe und dem "Fuzz" bei hohen Lautstärken bei vielen Bassisten beliebt wurde.

Obwohl die echten Verstärker jeweils individuelle Regler und Parameter haben, verwendet Lives Amp-Effekt einen identischen Parametersatz für alle Modelle. Hierdurch kann der Gesamt-Sound einfach und schnell geändert werden, ohne zahllose Einstellungen machen zu müssen.

Gain stellt den Eingangspegel zum Vorverstärker (Preamplifier) ein, während Volume den Pegel der Ausgangsstufe des Verstärkers regelt. Zwar arbeiten Gain und Volume zusammen und bestimmen somit gemeinsam die Gesamtlautstärke des Amps, jedoch wird die Stärke der Verzerrung primär mit Gain bestimmt. Höhere Gain-Werte ergeben entsprechend einen stärker verzerrten Klang. Bei den Amp-Modellen Blues, Heavy und Bass können jedoch auch hohe Volume-Werte dem Sound eine deutliche Verzerrung hinzufügen.

Die Parameter Bass, Middle und Treble sind EQ-Regler, mit denen die Klangfarbe angepasst werden kann. Wie bei echten Verstärkern, interagieren auch die EQ-Parameter des Amp-Effekts miteinander - wie übrigens auch alle anderen Parameter von Amp - auf nicht-lineare und manchmal sogar unvorhersehbare Weise. So kann z.B. auch das Anheben eines EQ-Pegels zu einer stärkeren Verzerrung führen.

Presence ist ein zusätzlicher Klangregler für mittlere/hohe Frequenzen in der Endstufe. Sein Klangeinfluss variiert stark, je nachdem, welches Amp-Modell verwendet wird. Mit ihm lässt sich dem Sound "Schärfe" oder "Knackigkeit" geben (oder auch wegnehmen).

Der Output-Schalter wechselt zwischen Mono-und Stereo-(Dual)-Prozessing. Beachten Sie bitte, dass Amp im Dual-Modus die doppelte CPU-Leistung verbraucht.

Der Dry/Wet-Regler bestimmt das Mischungsverhältnis zwischen dem Original- und dem Effekt-Signal.

22.1.1 Amp-Tipps

Da Amp nach echten analogen Geräten modelliert wurde, ist das genaue Effektverhalten manchmal schwer vorherzusagen. Hier nun einige Tipps, um das Meiste aus Amp herauszuholen:

Amps und Boxen (Cabinets)

Gitarrenverstärker werden oft für den Einsatz mit bestimmten zugehörigen Lautsprecher-Boxen konzipiert. Aus diesem Grund wird Amp von einem Effekt namens Cabinet (siehe 22.5) begleitet, der in einer Gerätekette nach dem Amp-Effekt eingesetzt werden sollte. Auf der Suche nach höchster Authentizität empfehlen wir diesen Signalfluss zu verwenden. Sie können jedoch auch interessante und außergewöhnliche Klänge erzielen, indem Sie Amp und Cabinet unabhängig voneinander verwenden.

Elektrizität

Die verschiedenen Schaltkreise in den Gitarren-Amps arbeiten mit stetigen und festen Strommengen. Aus diesem Grund kann das Aufdrehen eines bestimmten Parameters unbeabsichtigt die zur Verfügung stehende Energie an anderer Stelle im Amp abziehen. So reduziert z.B. ein Aufdrehen von Treble auch die Lautstärke der tiefen und mittleren Frequenzen. Es kann deswegen notwendig sein, eine Anzahl scheinbar nicht miteinander verwandter Parameter einzustellen, um den gewünschten Sound zu erzielen.

Mehr als Gitarren

Amp und Cabinet klingen nicht nur mit Gitarren hervorragend. Auch das "Füttern" mit anderen Soundquellen, wie Drums und Synthesizern liefert sehr interessante Ergebnisse. Probieren Sie z.B. Amp zusammen mit Operator (siehe 24.6) oder Analog (siehe 24.1), um Ihren digitalen Sounds etwas analogen Schmutz mitzugeben.

22.2 Auto Filter

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Der Auto-Filter-Effekt

Der Effekt Auto Filter bietet eine klassische Analogfilter-Emulation. Die Filterfrequenz kann durch einen Hüllkurvenfolger und/oder einen LFO moduliert werden, wodurch sich automatische Filtersweeps erzielen lassen. Der Hüllkurvenfolger kann entweder durch das gefilterte Signal oder durch eine externe Sidechain-Quelle gespeist werden.

Es gibt vier Filtertypen: Tiefpass, Hochpass, Bandpass und Notch (Kerbfilter). Bei jedem Typ ermöglicht das X/Y-Feld die Steuerung von Frequenz (klicken und ziehen Sie die Maus entlang der X-Achse) und Q-Faktor (auch als Resonanz bekannt; klicken und ziehen Sie die Maus entlang der Y-Achse). Nach einem Doppelklick auf die Werteanzeigen dieser beiden Parameter können Sie auch direkt exakte Werte eintippen.

Niedrige Q-Werte erzeugen weiche Filterkurven, hohe Werte führen zu einem resonanten Filterklang. Beim Bandpassfilter regelt Q die Bandbreite des durchgelassenen Signals.

Ist diese Funktion ausgeschaltet, erfolgen alle Modulationen fließend und kontinuierlich. Ist sie eingeschaltet, erfolgt die Modulation "in Treppenform", wobei die Update-Frequenz vom Master-Tempo abhängt. Der zeitliche Abstand der einzelnen Treppenstufen zueinander ist mit dem Wahlschalter wählbar, dessen Nummern Sechzehntelnoten repräsentieren. Ein Wert von 4 wird demnach die Modulation der Filterfrequenz exakt einmal pro Beat aktualisieren.

Die Envelope-Parameter bestimmen, wie die Hüllkurve die Filterfrequenz steuert. Der Amount-Parameter regelt die Intensität der Hüllkurvenmodulation, während Attack bestimmt, wie die Hüllkurve auf ein lauter werdendes Eingangssignal reagiert: Der Attack-Regler entscheidet darüber, wie schnell die Hüllkurve einer Erhöhung des Signalpegels folgt. Niedrige Werte führen zu einer schnelleren, höhere Werte zu einer trägeren Reaktion auf einen Pegelanstieg. Sie können sich vorstellen, dass hohe Attack-Werte die Reaktionen der Hüllkurve verschleifen.

Niedrige Release-Werte führen zu einer schnelleren, höhere Werte zu einer trägeren Reaktion auf einen Pegelabfall im Signal. Hohe Release-Werte sorgen also für ein längeres Ausklingen der Modulation.

Normalerweise ist das gefilterte Signal mit dem Signal identisch, das den Hüllkurvenfolger speist. Mittels Sidechaining ist es jedoch möglich, ein Signal auf der Basis des Pegels eines anderen Signals zu filtern. Klappen Sie das Filter-Fenster mit dem 26952.png Schalter in seiner Titelzeile aus, um Zugriff auf die Sidechaining-Parameter zu erhalten.

Wenn Sie diesen Bereich mit dem "Sidechain"-Schalter aktivieren, können Sie in den Menüs darunter jede andere Spur auswählen. Die so gewählte Signalquelle speist nun anstelle des tatsächlich gefilterten Signals den Hüllkurvenfolger.

Der Gain-Regler bestimmt den Pegel des externen Sidechain-Eingangssignals; der Dry/Wet-Regler ermöglicht es Ihnen, eine Kombination aus dem externen Sidechain-Eingangssignal und dem Originalsignal als Quelle für den Hüllkurvenfolger zu wählen. Steht Dry/Wet auf 100%, wird der Hüllkurvenfolger ausschließlich von der Sidechain-Signalquelle gespeist. Bei 0% wird das Sidechain-Signal gar nicht genutzt. Beachten Sie, dass ein Erhöhen von Gain nicht zu einer Erhöhung der Lautstärke des Originalsignals im Mix führt. Das Sidechain-Signal dient nur dem Speisen des Hüllkurvenfolgers und ist nie selbst hörbar.

Auto Filter besitzt auch einen Low Frequency Oscillator (LFO) für die Modulation der Filterfrequenz. Der entsprechende Amount-Parameter bestimmt, wie stark der LFO das Filter moduliert. Diese Funktion kann zusammen mit oder anstelle des Envelope Followers benutzt werden.

Der Rate-Parameter bestimmt die LFO-Geschwindigkeit. Sie kann in Hertz oder synchronisiert zum Songtempo eingestellt werden, was rhythmische Filterungen erlaubt.

Sie können zwischen den Schwingungsformen Sinus (weiche Modulationen mit runden Bergen und Tälern), Rechteck, Dreieck, Sägezahn aufwärts und abwärts und S\&H (Sample \& Hold; treppenförmige Zufallsmodulation mit positiven und negativen Werten) in mono und stereo wählen.

Es gibt zwei LFOs, je einen für jeden Stereokanal. Die Schalter Phase und Offset entscheiden über das Zusammenspiel der beiden LFOs.

Phase betreibt beide LFOs bei genau gleicher Frequenz, ermöglicht es aber, die beiden Wellenformen gegeneinander in der Phase zu verschieben, wodurch eine Stereobewegung in der Filtermodulation entsteht. Steht der Wert auf "180", sind die LFO-Wellenformen um 180 Grad zueinander verschoben, sodass der eine LFO seinen Spitzenwert erreicht, wenn der andere an seinem Minimum angekommen ist.

Spin verstimmt die beiden LFOs gegeneinander. Jeder Stereokanal wird mit einer unterschiedlichen Frequenz moduliert.

Bei Verwendung von Sample \& Hold sind die Parameter Phase und Spin nicht relevant und haben keinen Einfluss auf den Klang. Dafür bietet Auto Filter zwei verschiedene Sample-\&-Hold-Modulationen an: Der obere Sample-\&-Hold-Typ im Wahlmenü stellt unabhängige Modulationseinheiten für den linken und rechten Kanal bereit (stereo), der untere moduliert beide Kanäle mit dem gleichen Signal (mono).

22.3 Auto Pan

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Der Auto-Pan-Effekt.

(Hinweis: Der Auto-Pan--Effekt ist in der Lite-Edition nicht verfügbar.)

Auto Pan erlaubt es, die Amplitude und das Panorama des Signals mit einem LFO zu manipulieren, um automatische Panning-, Tremolo-, Amplitudenmodulations- und Beat-synchrone Zerhacker-Effekte zu erzeugen.

Der LFO von Auto Pan moduliert die Amplitude des linken und rechten Kanals eines Stereosignals mit einer Sinus-, Dreieck-, Sägezahn- oder Zufalls-Wellenform.

Der Shape-Parameter drückt die Wellenform in Richtung ihrer oberen und unteren Grenze und sorgt so für eine sättigungsähnliche Verformung der Schwingung. Die Wellenform kann "Normal" oder "Invert" (invertiert) abgespielt werden. Verwenden Sie "Invert" beispielsweise, um aus der Aufwärts-Variante des Sägezahns die Abwärts-Variante zu erzeugen.

Die Geschwindigkeit des LFOs lässt sich mit dem Rate-Regler in Hertz eingeben. Sie kann in Hertz oder synchronisiert zum Songtempo eingestellt werden.

Auch wenn beide LFOs die gleiche Frequenz haben, kann mit dem Phase-Parameter ein Stereo-Effekt erzeugt werden, indem man die Wellenformen mit seiner Hilfe gegeneinander verschiebt. Wenn Sie diesen Parameter auf "180" stellen, sind die beiden Wellenformen exakt gegenphasig (um 180 Grad verschoben), so dass die eine gerade das Maximum erreicht, wenn die andere am Minimum ist. Phase ist besonders für das Erzeugen von Vibrato-Effekten nützlich.

Der Offset-Parameter verschiebt den Startpunkt jedes LFO entlang der Wellenform.

Die Wirkung des Effekts auf das Eingangssignal wird mit dem Amount-Parameter bestimmt.

22.4 Beat Repeat

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Der Beat-Repeat-Effekt.

Der Beat-Repeat-Effekt erlaubt das Erzeugen von kontrollierten oder zufälligen Wiederholungen eines Eingangssignals.

Der Interval-Parameter bestimmt, wie oft Beat Repeat neues Material einfängt und zu wiederholen beginnt. Interval ist zum Projekt-Tempo synchronisiert und wird in entsprechenden Notenwerten eingestellt, die von "1/32" bis zu "4 Bars" reichen. Der Parameter Offset verschiebt den durch Interval definierten Startpunkt vorwärts in der Zeit. Ist Interval beispielsweise auf "1 Bar" und Offset auf "8/16" eingestellt, dann wird einmal pro Takt auf dem Beginn des dritten Beats (nach acht Sechzehnteln oder "auf halbem Wege") neues Material verarbeitet.

Chance definiert die Wahrscheinlichkeit, mit der Wiederholungen tatsächlich stattfinden, wenn sie gemäß Interval und Offset "fällig wären". Steht Chance auf 100%, findet die Wiederholung immer zu der eigestellten Interval/Offset-Zeit statt; bei einem Wert von "0%" findet sie nie statt.

Gate bestimmt die Länge aller Wiederholungen in Sechzehntelnoten. Steht Gate auf "4/16", erstrecken sich die Wiederholungen über einen Zeitraum von einem Beat, beginnend zu dem mit Interval und Offset gewählten Zeitpunkt.

Der Repeat-Schalter umgeht bei seiner Aktivierung die beschriebenen Parameter und beginnt augenblicklich mit dem Einfangen und Wiederholen des Signals, bis er wieder deaktiviert wird.

Der Grid-Parameter bestimmt die Rasterweite beziehungsweise die Größe jedes wiederholten Audioabschnitts. Ist er auf "1/16" gestellt, dann wird ein Abschnitt mit der Länge einer Sechzehntelnote eingefangen und für die eingestellte Gate-Dauer (oder bis Repeat wieder deaktiviert wird) wiederholt. Große Grid-Werte erzeugen rhythmische Loops, kleinere klangliche Artefakte. Der No-Triplets-Schalter lässt nur binäre Grid-Unterteilungen zu.

Der Grid-Wert kann zufällig mit dem Variation-Parameter verändert werden. Steht Variation auf "0", ist die Grid-Größe fixiert. Erhält Variation jedoch höhere Werte, variiert Grid um den eingestellten Wert herum. Variation bietet verschiedene Betriebsarten, die im Menü unterhalb des Parameters wählbar sind: Trigger erzeugt Grid-Variationen wenn Wiederholungen getriggert werden; 1/4, 1/8 und 1/16 triggern Variationen in regelmäßigen Abständen; Auto veranlasst Beat Repeat, eine neue Zufallsvariation nach jeder Wiederholung zu wählen -- das erzeugt die komplexesten Formen der Grid-Variation in Beat Repeat (besonders wenn auch Triolen erlaubt sind).

Die Wiederholungen von Beat Repeat können für spezielle Klangeffekte abwärts transponiert werden. Solche Pitch-Variationen werden in Beat Repeat durch Resampling erzeugt, wobei die durch das Herunterstimmen verlängerten Segmente nicht wieder gestaucht werden, um die Längenänderung zu kompensieren. Das bedeutet, dass die rhythmische Struktur bei höheren Pitch-Werten etwas undurchsichtig werden kann... Der Pitch-Decay-Parameter sorgt für einen Verlauf bei der Abwärts-Transponierung, lässt also jede Wiederholung etwas tiefer als die nächste erklingen. Warnung: Dies ist der obskurste Parameter von Beat Repeat.

Beat Repeat integriert ein kombiniertes Tiefpass- und Hochpassfilter, um den durchgelassenen Frequenzbereich des Geräts zu bestimmen. Sie können das Filter ein- und ausschalten sowie die Mittenfrequenz und Breite des durchzulassenden Bandes mit den entsprechenden Parametern einstellen.

Das Originalsignal (das am Eingang von Beat Repeat empfangen wurde) wird mit den Wiederholungen von Beat Repeat auf eine von drei möglichen Arten gemischt: Mix führt das Signal durch das Gerät und mischt es mit den erzeugten Wiederholungen; Insert schaltet das Originalsignal während der Wiederholungen stumm, lässt es sonst aber durch; Gate gibt nur die Wiederholungen, nie jedoch das Originalsignal aus. Der Gate-Modus ist besonders beim Einsatz des Effekts in einem Return-Track nützlich.

Sie können die Ausgangslautstärke des Geräts mit dem Volume-Regler bestimmen und mit Decay ein sukzessives Abklingen der Wiederholungen einstellen.

22.5 Cabinet

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Der Cabinet-Effekt.

Cabinet ist ein Effekt, der den Klang von fünf klassischen Gitarren-Boxen emuliert. In Zusammenarbeit mit Softube entwickelt, verwendet Cabinet Physical-Modelling-Technology, um eine Reihe authentischer Sounds, mit optimierter Mikrofon-Auswahl und -Positionierung zu liefern.

Die vollständige Version von Cabinet ist nicht in der Standardversion von Live enthalten. Cabinet kann zusammen mit dem Effekt Amp (siehe 22.1) als unabhängiges Produkt erworben werden.

Das Speaker-Menü ermöglicht Ihnen die Wahl aus verschiedenen Lautsprechergrößen und -kombinationen. Die Menüeinträge zeigen die Anzahl der Lautsprecher und die Lautsprechergröße in Zoll. So bedeutet z.B. "4x12", dass die Box vier 12-Zoll-Lautsprecher hat. In der realen Welt bedeuten mehr und größere Lautsprecher allgemein höhere Lautstärken.

Der Microphone-Wahlschalter ändert die Position des virtuellen Mikrofons im Verhältnis zur Lautsprecher-Box. Near-On-Axis-Mikrofonierung ergibt einen hellen, fokussierten Klang, während Near-Off-Axis resonanter und weniger hell ist. Wählen Sie die Far-Position für einen ausgewogenen Sound, der auch etwas vom Charakter des virtuellen "Raums" miteinbezieht.

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Cabinet Mikrofon-Positionen.

Mit dem Schalter unter dem Microphone-Wahlmenü kann zwischen einem Dynamischen- und einem Kondensator-Mikrofon gewechselt werden. Dynamische Mikrofone besitzen etwas mehr Biss und Charakter und werden sehr häufig beim Close-Miking von Gitarren-Boxen eingesetzt, da sie höhere Lautstärken besser bewältigen können. Kondensator-Mikrofone sind präziser und werden häufig bei größeren Aufnahmeabständen eingesetzt. Natürlich kann Cabinets virtuelles Kondensator-Mikrofon nicht durch zu hohe Lautstärken beschädigt werden, sie können also frei experimentieren.

Der Output-Schalter wechselt zwischen Mono-und Stereo-(Dual)-Prozessing. Beachten Sie bitte, dass Cabinet im Dual-Modus die doppelte CPU-Leistung verbraucht.

Der Dry/Wet-Regler bestimmt das Mischungsverhältnis zwischen dem Original- und dem Effekt-Signal.

22.5.1 Cabinet-Tipps

Hier einige Tipps für den Einsatz von Cabinet:

Amps und Boxen (Cabinets)

Gitarren-Boxen werden normalerweise von Gitarren-Verstärkern gespeist. Aus diesem Grund ist Cabinet mit dem Effekt Amp (siehe 22.1)kombiniert, da beide Effekte häufig zusammen verwendet werden. Sie können jedoch auch interessante und außergewöhnliche Klänge erzielen, indem Sie Amp und Cabinet unabhängig voneinander verwenden.

Multi-Mikrofonierung

Ein gebräuchliche Studiotechnik ist die Abnahme einer einzelnen Gitarren-Box mit mehreren Mikrofonen, deren Pegelverhältnis erst später in der Mix-Phase bestimmt wird. Diese Technik lässt sich sehr einfach mit den Audio-Effekt-Racks (siehe Kapitel 18) von Live erreichen. Gehen Sie einfach wie folgt vor:

  • konfigurieren Sie eine Instanz von Cabinet nach Belieben
  • setzen Sie diesen Cabinet-Effekt in ein Audio-Effekt-Rack
  • duplizieren Sie die Rack-Kette mit der ursprünglichen Cabinet-Instanz so oft sie wünschen
  • wählen Sie bei den neu entstandenen Ketten andere Mikrofon-Einstellungen und/oder -Typen
  • Stellen Sie die Lautstärkeverhältnisse der einzelnen Rack-Ketten mit dem Mixer des Racks ein

22.6 Chorus

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Der Chorus-Effekt

Chorus verwendet zwei modulierbare und seriell verschaltete Delays für das Erzeugen von "verdickenden" Chorus- und Flanging-Effekten.

Jedes Delay hat einen eigenen und in Millisekunden einstellbaren Parameter für die Verzögerungszeit. Delay 1 besitzt ein Hochpassfilter, mit dem auf Wunsch tiefe Frequenzanteile aus dem Signal entfernt werden können. Je höher der Highpass-Wert ist, desto weniger tiefe Frequenzen können passieren.

Delay 2 bietet drei Betriebsarten für eine Vielzahl von Effekten. Steht sein Wahlschalter auf Off, ist nur Delay 1 hörbar. In der Fix-Betriebsart wird nur die Verzögerungszeit von Delay 1 moduliert. Ist Mod aktiviert, wird Delay 2 genau wie Delay 1 moduliert.

Um beiden Delays auf die Verzögerungszeit von Delay 1 zu stellen, aktivieren Sie den Link-Schalter ("= "). Dies ist besonders nützlich, wenn Sie beide Delay gemeinsam einstellen wollen.

Das Modulation-X/Y-Feld ermöglicht es, "Bewegung" in den Klang zu bringen: Klicken und Ziehen mit der Maus entlang der X-Achse ändert die Frequenz der Delayzeit-Modulation. Klicken und Ziehen entlang der Y-Achse verändert die Intensität der Modulation.

Sie können die gewünschten Werte für diese beiden Parameter auch direkt in die entsprechenden Felder unter dem X/Y-Feld eintippen. Amount wird in Millisekunden, Frequency in Hertz angegeben.

Durch Aktivieren des Schalters *20 wird die Modulationsfrequenz zum Erzielen extremerer Klänge um diesen Faktor erhöht.

Mit dem Feedback-Regler kann der Anteil des vom Ausgang an den Eingang zurückgeführten Signals bestimmt werden. Die Polarität des rückgekoppelten Signals kann (Überraschung!) mit dem Polarity-Wahlschalter gewählt werden.

Der Dry/Wet-Regler bestimmt das Mischungsverhältnis zwischen dem Original- und dem Effekt-Signal. Stellen Sie den Wert auf 100 Prozent, wenn Sie den Chorus in einer Return-Spur verwenden.

Das Aktivieren der Option Crisp mittels [Rechts-Klick](PC) / [CTRL-Klick](Mac) kann besonders bei höheren Frequenzen den Klang verbessern. Die Option ist standardmäßig aktiviert, außer bei Sets, die Chorus verwenden und mit früheren Versionen von Live erstellt wurden.

22.7 Compressor

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Der Effekt Compressor

Ein Kompressor reduziert den Pegel von Signalen, die einen vom Anwender wählbaren Schwellenwert (Threshold) überschreiten. Die Kompression reduziert den Pegel von Signalspitzen, erhöht so den Headroom und erlaubt es in der Folge, das gesamte Signal stärker auszusteuern. Das Signal erhält so einen höheren Durchschnittspegel, was es subjektiv lauter und "druckvoller" als ein unkomprimiertes Signal wirken lässt.

Die beiden wichtigsten Parameter eines Kompressors sind der Schwellenwert (Threshold) und das Kompressionsverhältnis (Ratio):

Mit dem Threshold-Regler wird eingestellt, bei welchem Pegel die Kompression beginnt. Signale oberhalb des Threshold werden nach Maßgabe des Ratio-Parameters leiser geregelt, der das Verhältnis zwischen Ein- und Ausgangspegel bestimmt. Mit einer Ratio-Einstellung von beispielsweise 3 wird ein Signal, das 3 dB über dem Threshold liegt, am Ausgang des Kompressors nur um 1 dB lauter sein. Wird ein Signal über dem Threshold um 6 dB lauter, dann ist es am Ausgang um 2 dB lauter. Eine Ratio von 1 bedeutet, dass keine Kompression angewendet wird, und zwar unabhängig vom eingestellten Threshold.

Die orange-farbene Anzeige für Gain-Reduction zeigt an, um welchen Wert der Pegel in einem bestimmten Moment abgesenkt wird. Eine Pegelabsenkung von mehr als etwa 6 dB mag vielleicht die gewünschte Zunahme der Lautheit bewirken, wird aber auch einen deutlichen Einfluss auf den Klang haben und kann sehr leicht seine dynamische Struktur zerstören. Dies kann in späteren Produktionsschritten nicht mehr korrigiert werden. Berücksichtigen Sie es daher bitte besonders bei der Verwendung von Kompressoren, Limitern oder Lautheitsmaximierern im Master-Kanalzug. Weniger ist hier meistens mehr.

Da Kompression den Pegel von lauten Signalen vermindert und so den Headroom vergrößert, können Sie den Pegel mit dem Output-Parameter wieder soweit erhöhen, dass die Pegelspitzen den verfügbaren Headroom ausnutzen. Die Output-Anzeige zeigt den Pegel des Ausgangssignals an. Wenn Sie den Makeup-Schalter unter dem Output-Parameter aktivieren, wird der Ausgangspegel bei Änderungen der Threshold- und Ratio-Einstellungen automatisch angeglichen.

Der Dry/Wet-Regler bestimmt das Mischungsverhältnis zwischen dem komprimierten und unkomprimierten Signal. Bei 100% ist nur das komprimierte Signal zu hören, während sich das Gerät bei 0% praktisch im Bypass befindet.

Der Knee-Parameter bestimmt, wie weich oder hart die Kompression bei Erreichen des Thresholds einsetzt. Mit einer Einstellung von 0 dB erfolgt keine Kompression unterhalb des Thresholds und die volle Kompression bei allen Signalen über dem Threshold. Mit hohen Ratio-Einstellungen kann dieses so genannte "Hard Knee"-Verhalten harsch klingen. Mit höheren (oder "weicheren") Knee-Einstellungen steigt der Grad der Kompression in Richtung des Thresholds an. Mit einer Knee-Einstellung von beispielsweise 10 dB und einer Threshold-Einstellung von -20 dB beginnt bereits bei -30 dB eine sanfte Kompression, die dann weiter zunimmt, sodass Signale erst bei -10 dB vollständig komprimiert werden.

Compressors Anzeige-Modus kann mit den kleinen Schaltern in der Ecke unten der Anzeige bestimmt werden:

  • Die eingeklappte Ansicht zeigt nur die wichtigsten Parameter.
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Compressors eingeklappte Anzeige
  • Die Transferkurve zeigt den Eingangspegel auf der horizontalen Achse und den Ausgangspegel auf der vertikalen. Diese Darstellung ist sehr nützlich beim Abstimmen des Knee-Parameters, der als gepunktetes Linienpaar links und rechts vom Threshold sichtbar ist.
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Compressors Transferkurve
  • Die Activity- Anzeige zeigt den Eingangspegel hellgrau an. In diesem Modus kann mit den Schaltern oben zwischen der Darstellung der Gain-Reduktion (GR) in orange und des Ausgangspegels in dunkelgrau gewechselt werden. Die Darstellungen sind sehr nützlich, um zu sehen, was mit dem Signal im Zeitverlauf passiert.
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Im Compression-Activity-Modus werden Eingang und Ausgang angezeigt.

Die Parameter Attack und Release sind wesentlich für das Verhalten von Compressor, da sie bestimmen, wie schnell die Kompression auf Änderungen des Eingangspegels reagiert.

Attack regelt wie lange es dauert, bis nach dem Überschreiten des Thresholds die maximale Kompression wirksam wird. Release dagegen bestimmt, wie lange der Kompressor nach dem Unterschreiten des Thresholds braucht, um die Kompression wieder auf Null zu regeln. Ist Auto Release aktiviert, wird die Release-Zeit automatisch, abhängig vom Eingangssignal eingestellt.

Etwas Attackzeit (10--50 mS) erlaubt es den Pegelspitzen, den Kompressor unbearbeitet zu passieren. Das hilft die Dynamik des Signals zu bewahren, da es die Einschwingvorgänge betont. Falls diese Pegelspitzen übersteuern, können Sie versuchen, die Attackzeit zu reduzieren. Sehr kurze Attackzeiten nehmen dem Signal jedoch die "Lebendigkeit" und können zu einer verzerrungsbedingten Rauheit im Signal führen. Kurze Releasezeiten können zum "Pumpen" führen, da der Kompressor versucht herauszufinden, ob er komprimieren soll oder nicht. Das wird im Allgemeinen als unerwünschter Effekt angesehen; manche Tontechniker setzen ihn jedoch bei kompletten Drumkit-Spuren bewusst ein, um einen ungewöhnlichen "Ansaugeffekt" zu erzielen. Eine sorgfältige Einstellung der Attack- und Releasezeiten ist bei der Komprimierung rhythmischen Materials wesentlich. Wenn Sie mit Kompressoren noch keine Erfahrung besitzen, sollten Sie mal einen Drumloop komprimieren und mit verschiedenen Einstellungen für Attack, Release, Threshold und Gain experimentieren. Das kann sehr spannend sein!

Ein Kompressor kann erst auf das Eingangssignal reagieren, sobald es ihn erreicht. Da er auch noch seiner Attack- und Release-Hüllkurve folgen muss, erfolgt die Kompression immer etwas zu spät. Ein digitaler Kompressor kann dieses Problem lösen, indem der das Eingangssignal zwar gleich analysiert, aber etwas verzögert bearbeitet. Compressor bietet drei verschiedene solcher "Lookahead"-Zeiten an: null mS, eine mS und zehn mS. Das Klangresultat kann in Abhängigkeit dieser Werte stark variieren.

Compressor lässt Sie zwischen drei verschiedenen Grundbetriebsarten wählen. Ist Peak ausgewählt, reagiert Compressor auf kurze Pegelspitzen im Signal. Der Peak-Modus arbeitet aggressiver und präziser, er eignet sich darum gut für Pegelbegrenzungen, bei den Sie sicherstellen müssen, dass absolut kein Signal über dem eingestellten Threshold liegt. Im RMS-Modus verhält sich Compressor weniger empfindlich gegenüber kurzen Signalspitzen und komprimiert erst, wenn das Eingangssignal etwas länger über dem Threshold liegt. Der RMS-Modus liegt der menschlichen Wahrnehmung von Lautheit näher und wird üblicherweise als "musikalischer" empfunden.

Die Ratio kann auch auf Werte kleiner 1 gesetzt werden. In diesem Zustand verhält sich der Kompressor wie ein "Upward-Expander" und erhöht die Anhebung, wenn das Signal den Threshold überschreitet. Weitere Informationen zu den verschiedenen Arten Dynamik-Bearbeitung finden Sie im Kapitel Multiband Dynamics (siehe 22.22)).

Zusätzlich zu diesen Modi kann Compressor zwischen zwei verschiedenen Kurvenformen für den Hüllkurvenfolger umschalten, die dazu weitere Optionen anbieten, wie das Gerät Signalpegel misst und auf diese reagiert. Im Linear-Modus (Lin) werden die Reaktionszeiten des Kompressors ausschließlich vom Attack- und Release-Wert bestimmt. Im Logarithmic-Modus (Log) haben scharf komprimierte Pegelspitzen eine schnellere Release-Zeit als weniger komprimiertes Material. Hierduch kann die Kompression im Vergleich zum Lin-Modus weicher und weniger stark hörbar ausfallen. Beachten Sie, dass der Lin/Log-Schalter nicht sichtbar ist, wenn Compressors Anzeige eingeklappt ist.

22.7.1 Sidechain-Parameter

CompressorSidechain.png
Der Compressor-Effekt mit den Sidechain-Parametern.

Normalerweise ist das komprimierte Signal mit dem Eingangssignal, das die Kompression auslöst, identisch. Bei Verwendung von Sidechaining ist es jedoch möglich, ein Signal basierend auf dem Pegel eines anderen Signals oder basierend auf einem bestimmten Frequenzband zu komprimieren. Die Sidechain-Parameter erreichen Sie, indem Sie das Compressor-Fenster durch Umschalten des Tasters 27139.png in seiner Titelleiste ausklappen.

Die Sidechain-Parameter sind in zwei Bereiche unterteilt. Links finden sich die External-Parameter. Wenn Sie diesen Bereich mit dem "Sidechain"-Schalter aktivieren, können Sie jeden von Lives internen Routing-Punkten (siehe 14.6.1) aus dem Menü darunter auswählen. Die so gewählte Signalquelle arbeitet nun anstelle des tatsächlich komprimierten Signals als Auslöser für Compressor.

Der Gain-Regler bestimmt den Pegel des externen Sidechain-Eingangssignals; der Dry/Wet-Regler ermöglicht es Ihnen, eine Kombination aus dem externen Sidechain-Eingangssignal und dem Originalsignal als Auslöser für den Kompressor zu wählen. Steht Dry/Wet auf 100%, wird der Kompressor ausschließlich von der Sidechain-Signalquelle ausgelöst. Bei 0% wird das Sidechain-Signal gar nicht genutzt. Beachten Sie, dass ein Erhöhen von Gain nicht zu einer Erhöhung der Lautstärke des Originalsignals im Mix führt. Das Sidechain-Signal dient nur dem Auslösen des Kompressors und ist nie selbst hörbar.

Beachten Sie, dass die automatische Ausgangspegelanpassung (Makeup) bei Verwendung einer externen Sidechain nicht zur Verfügung stehen.

Rechts im External-Bereich finden sich die Parameter für den Sidechain-EQ. Wenn Sie diesen Bereich aktivieren, wird der Kompressor durch bestimmte Frequenzbänder und nicht durch das gesamte Signal ausgelöst. Das können entweder Frequenzen im komprimierten Signal selbst oder, bei der Kombination mit dem externen Sidechaining, Frequenzen aus dem Signal einer anderen Spur sein.

Mit dem Kopfhörerschalter zwischen dem Extern- und dem EQ-Bereich können Sie nur das Sidechain-Signal abhören und den Ausgang des Kompressors stummschalten. Da das Sidechain-Signal nicht zum Ausgang gelangt und nur als Auslöser für den Kompressor arbeitet, vereinfacht Ihnen diese temporäre Abhörmöglichkeit, die Sidechain-Parameter einzustellen und das Signal zu überprüfen, das den Kompressor arbeiten lässt.

22.7.2 Tipps zur Kompression

Dieser Abschnitt bietet Ihnen einige Tipps zum effektiven Einsatz von Compressor und insbesondere der Sidechain-Optionen.

Mischen von Voiceovers

Sidechaining wird üblicherweise für sogenannte "Ducking"-Effekte verwendet. Stellen Sie sich zum Beispiel vor, dass Sie eine Spur mit einer Sprecherstimme und eine Spur mit Hintergrundmusik haben. Sie möchten, dass die Sprecherstimme immer die lauteste Signalquelle ist, die Musik sollte also immer dann leiser werden, wenn der Sprecher zu hören ist. Um dies automatisch zu erreichen, fügen Sie einen Kompressor in die Musik-Spur ein, wählen jedoch den Ausgang der Sprecher-Spur als Quelle für das externe Sidechaining.

Sidechaining in der Dance-Musik

Sidechaining/Ducking ist für einen Dance-Musik-Produzenten eine Geheimwaffe, da es helfen kann zu gewährleisten, dass Basslinien (oder sogar ganze Mischungen) immer für die Kick-Drum Platz machen. Indem man einen Kompressor in die Bass-Spur (oder Master-Spur) einfügt und die Kick-Drum-Spur als Sidechain-Eingang nutzt, kann man problematische tiefe Frequenzen in den Griff bekommen, die sich andernfalls mit dem Einschwingen der Kick-Drum "beissen" würden.

Indem Sie den Sidechain-EQ in Kombination mit dieser Technik verwenden, können Sie solche Ducking-Effekte selbst dann erzeugen, wenn Sie nur eine komplette Drum-Spur zum Arbeiten haben (und keine isolierte Kick-Drum). In diesem Fall fügen Sie den Kompressor in die Spur ein, die Sie "ducken" wollen. Wählen Sie dann die Drum-Spur als externe Sidechain-Quelle. Aktivieren Sie den Sidechain-EQ und wählen Sie das Tiefpassfilter aus. Indem Sie nun sorgfältig die Parameter Frequency und Q justieren, sollten Sie in der Lage sein, die Kick-Drum vom Rest des Drumkits zu isolieren. Die Abhörfunktion für das Sidechain-Signal kann Ihnen beim Finden einer geeigneten EQ-Einstellung helfen.

Bitte beachten Sie, dass das Beherrschen dieser Technik zu einer merklichen Zunahme von Freigetränke-Gutscheinen, Remix-Angeboten und Verabredungen führen kann.

22.7.3 Upgrade vom Legacy-Modus

Kompressors interne Algoithmen sind mit Live 9 in Zusammenarbeit mit Dr. Joshua D. Reiss vom Centre for Digital Music der Queen Mary University of London, aktualisiert worden.

Bei Live Sets die Compressor verwenden und mit früheren Versionen von Live erzeugt wurden, erscheint in der Titelzeile jeder Compressor-Instanz ein "Upgrade-Taster", wenn das Set in Live 9 geladen wird. Drücken Sie diese Taste, um die entsprechende Compressor-Instanz auf die neuen, verbesserten Algorithmen upzugraden. Beachten Sie bitte, dass Ihr Set hierdurch anders klingen kann.

22.8 Corpus

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Der Corpus-Effekt.

Corpus ist ein Effekt, der die akustischen Eigenschaften von resonanten Klangkörpern simuliert und dabei sieben verschiedene Typen bietet. In Zusammenarbeit mit Applied Acoustics Systems entwickelt, benutzt Corpus Physical-Modeling-Technologie, um eine Vielzahl von Parametern und Modulations-Optionen zu bieten.

Die vollständige Version von Corpus ist nicht in der Standardversion von Live enthalten. Corpus kann zusammen mit dem Instrument Collision (siehe 24.2) als unabhängiges Produkt erworben werden.

Sowohl die Frequenz als auch die Abklingzeit der Resonanz lassen sich über MIDI steuern, indem der Frequency- und/oder der Off-Decay-Schalter im Sidechain-Bereich von Corpus aktiviert wird. Verwenden Sie die 27175.png Taste in der Titelzeile von Corpus, um auf die Sidechain-Parameter zuzugreifen. Mit den MIDI-From-Wahlschaltern können Sie eine MIDI-Spur auswählen und den Abgriffpunkt bestimmen, von dem aus die MIDI-Noten gesendet werden, die Corpus empfangen soll.

Wenn Frequency aktiviert ist, wird die Frequenz bzw. Tonhöhe der Resonanz von den eingehenden MIDI-Noten gesteuert. Werden mehrere Noten gleichzeitig gehalten, bestimmt der Last/Low-Schalter, ob dabei entweder die letzte oder die tiefste Note Vorrang hat. Die Transpose- und Fine-Regler ermöglichen es, eine grobe und feine Abweichung von der MIDI-modulierten Frequenz einzustellen. PB Range wählt den Pitch-Bend-Modulationsbereich in Halbtönen.

Ist Frequency deaktiviert, kann mit dem Tune-Parameter die Grundfrequenz für die Resonanz in Hertz eingestellt werden. Die entsprechende MIDI-Notennummer und die Abweichung der Feinstimmung in Cent werden darunter angezeigt.

Ist Off Decay aktiviert, wird beim Loslassen einer MIDI-Keyboardtaste (MIDI-Note-Off-Befehl) die Resonanz abgedämpft. Der Regler unter dem Schalter bestimmt das Ausmaß der von dem MIDI-Note-off-Befehl verursachten Dämpfung. Bei 0% werden Note-Offs ignoriert und die Decay-Zeit wird nur von dem eingestellten Wert des Decay-Parameters (unter dem Wahlschalter für den Resonanztyp) bestimmt. Dies entspricht dem Verhalten echter Stabspiel-Instrumente wie Marimba oder Glockenspiel. Bei 100% wird die Resonanz sofort nach einem Note-off, unabhängig von der Decay-Zeit, abgedämpft.

Sie können die Sidechain-Paramater anzeigen oder verbergen, indem Sie den 27187.png Schalter in der Titelzeile von Corpus umschalten. Dieser Schalter leuchtet auf, sobald die Sidechain aktiv ist.

Corpus besitzt einen Niederfrequenz-Oszillator (LFO), mit dem die Resonanzfrequenz moduliert werden kann. Der Amount-Parameter bestimmt, wie stark der LFO die Frequenz beeinflusst.

Der Rate-Parameter bestimmt die LFO-Geschwindigkeit. Sie kann in Hertz oder synchronisiert zum Songtempo eingestellt werden, was rhythmische Modulationen erlaubt.

Als LFO-Wellenformen stehen Sinus (erzeugt gleichmäßige Modulationen mit abgerundeten Wellenformen) , Rechteck, Dreieck, Sägezahn aufsteigend, Sägezahn absteigend und zwei Arten von Rauschen (stufenförmig und abgerundet).

Obwohl immer nur ein Satz an LFO-Parametern sichtbar ist, gibt es tatsächlich zwei LFOs, einen für jeden Stereokanal. Die Parameter Phase und Spin bestimmen die Beziehung dieser beiden LFOs zueinander.

Phase (nur vorhanden, wenn die LFOs zum Songtempo synchronisiert werden) lässt beide LFOs mit der gleichen Frequenz laufen, stellt jedoch den Phasenversatz der beiden LFO-Wellenformen zueinander ein und erzeugt somit eine Bewegung im Stereobild. Steht der Wert auf "180", sind die LFO-Wellenformen um 180 Grad zueinander verschoben, sodass der eine LFO seinen Spitzenwert erreicht, wenn der andere an seinem Minimum angekommen ist. Steht Phase auf "360" oder "0", laufen beide LFOs synchron.

Spin (nur vorhanden, wenn die LFOs im Hertz-Modus laufen) verstimmt die Geschwindigkeiten der beiden LFOs relativ zueinander. Jeder Stereokanal wird mit einer unterschiedlichen Frequenz moduliert.

Bei Benutzung der Rausch-Wellenformen zeigen die Parameter Phase und Spin keine Auswirkungen und beeinflussen somit auch nicht den Klang.

Spread verstimmt die beiden Resonatoren gegeneinander. Positive Werte heben die Tonhöhe des linken Resonators an, während die des rechten abgesenkt wird. Negative Werte verhalten sich umgekehrt.

Resonanz-Typ ermöglicht Ihnen die Auswahl aus sieben verschiedenen physikalischen Modellen resonanter Klangkörper:

  • Beam simuliert die Resonanzeigenschaften von Klangstäben aus verschiedenen Materialen und in unterschiedlichen Größen.
  • Marimba , eine Sondervariante des Beam-Modells, reproduziert die charakteristischen Obertöne von Klangstäben des Marimbaphons, die sich aufgrund der starken Schnittwölbung der Stabunterseite ergeben.
  • String simuliert den Klang, der von Saiten aus verschiedenen Materialien und mit unterschiedlichen Stärken erzeugt wird.
  • Membrane ist das Modell einer rechteckigen Membran (wie z.B ein Schlagzeugfell) mit unterschiedlicher Größe und Konstruktion.
  • Plate simuliert den Klang, der von einer rechteckigen, flachen Platte aus verschiedenen Materialien und in verschiedenen Größen erzeugt wird.
  • Pipe simuliert ein zylinderförmiges Rohr, das an einem Ende vollständig geöffnet ist und am anderen Ende eine variable Öffnung besitzt (deren Größe mit dem Opening-Parameter eingestellt wird.)
  • Tube simuliert ein zylinderförmiges Rohr, das an beiden Enden vollständig geöffnet ist.

Mit dem Wahlschalter Resonator-Qualität kann die Klangqualität des Resonator-Modells bestimmt, bzw. ein guter Kompromiss zwischen Klangqualität und CPU-Bedarf gefunden werden, indem die Anzahl der berechneten Obertöne reduziert wird. "Basic" benutzt die geringsten CPU-Ressourcen, während "Full" wesentlich komplexere Resonanzen erzeugt. Dieser Parameter wird bei den Pipe- oder Tube-Resonatoren nicht benutzt.

Der Decay-Regler bestimmt die Stärke der internen Dämpfung im Resonator und damit die Decay-Zeit.

Der Material-Regler stellt die Abweichung des Dämpfungsverhaltens bei unterschiedlichen Frequenzen ein. Bei niedrigen Werten klingen tiefe Frequenzanteile länger nach als hohe (wodurch Klangkörper simuliert werden, die aus Holz, Nylon oder Gummi sind). Bei höheren Werten klingen hohe Frequenzanteile länger nach (wodurch Klangkörper aus Glas oder Metall simuliert werden). Dieser Parameter wird bei den Pipe- oder Tube-Resonatoren nicht benutzt.

Der Radius-Parameter ist nur bei den Pipe- und Tube-Resonatoren vorhanden. Er bestimmt bei beiden Rohr-Modellen den Radius des modellierten Rohrs. Wenn der Radius zunimmt, erhöhen sich für hohe Frequenzen sowohl die Decay-Zeit als auch die Sustain-Dauer. Bei sehr großen Rohren verändert sich auch die Grundtonhöhe des Resonators.

Die Decay- und Material/Radius-Parameter lassen sich auch über das X-Y-Feld einstellen.

Ratio ist nur bei den Membrane- und Plate-Resonatoren vorhanden und bestimmt das Seitenverhältnis des Klangkörpers.

Der Brightness-Parameter bestimmt die Amplitude der unterschiedlichen Frequenzbestandteile. Bei höheren Werten sind hohe Frequenzen lauter. Dieser Parameter wird bei den Pipe- oder Tube-Resonatoren nicht benutzt.

Inharm. Der Inharmonics-Regler ändert die Stimmung der vom Resonator erzeugten Obertöne bzw. ihr Obertonverhältnis. Bei negativen Werten werden die Frequenzen zusammengepresst, wodurch die Anzahl an tiefen Teiltönen zunimmt. Bei positiven Werten werden die Teilton-Frequenzen gedehnt, wodurch die Anzahl an oberen Teiltönen zunimmt. Dieser Parameter wird bei den Pipe- oder Tube-Resonatoren nicht benutzt.

Opening ist nur bei dem Pipe-Resonator vorhanden und skaliert die Größe zwischen offenem und geschlossenem Rohr. Bei 0% ist das Rohr an einem Ende vollständig geschlossen, während bei 100% das Rohr an beiden Enden geöffnet ist.

Die Parameter Listening L und R bestimmen für den linken und rechten Resonator die Positionen, an denen die Vibrationen gemessen werden. Bei 0% werden die Resonanzen praktisch in der Mitte des Klangkörpers abgehört. Höhere Werte verschieben den Abhörpunkt näher zum Rand hin. Diese Parameter werden bei den Pipe- oder Tube-Resonatoren nicht benutzt, da bei diesen Modellen immer in der Mitte des dauerhaft geöffneten Endes gemessen wird.

Der Hit-Regler bestimmt die Stelle, an der der Klangkörper angeschlagen oder auf andere Weise zum Schwingen angeregt wird. Bei 0% wird der Klangkörper in der Mitte angeschlagen bzw. angeregt. Höhere Werte verschieben diesen Punkt näher zu den Randbereichen hin. Dieser Parameter wird bei den Pipe- oder Tube-Resonatoren nicht benutzt.

Das Effektsignal wird in eine Filterkombination aus Tiefpass und Hochpass geleitet, die über ein X-Y-Feld gesteuert werden kann. Klicken und ziehen Sie die Maus entlang der vertikalen Achse, um die Bandbreite der Filterung einzustellen. Klicken und ziehen Sie die Maus entlang der horizontalen Achse, um die Mittenfrequenz der Filterung zu bestimmen. Das Filter kann mit dem Filter-Schalter ein- oder ausgeschaltet werden.

Width stellt die Stereobreite für den linken und rechten Resonator ein. Bei 0% werden beide Signale mit gleichem Pegel jeweils der anderen Stereoseite hinzugemischt, was zu einem Mono-Ausgangssignal führt. Bei 100% wird jeder Resonator ausschließlich auf einen Kanal geleitet.

Bleed mischt dem Resonanzsignal wieder einen Teil des unbearbeiteten Signals hinzu. Bei höheren Werten ist also mehr vom Originalsignal zu hören. Die Funktion ist sehr nützlich, um hohe Frequenzen zurückzugewinnen, die oft abgedämpft werden, wenn sehr tiefe Resonator-Frequenzen (Tonhöhen) eingestellt sind oder wenn ein Modell mit einer geringeren Qualität berechnet wird. Der Parameter ist bei den Resonatoren Pipe oder Tube nicht vorhanden.

Gain verstärkt oder verringert den Pegel des bearbeiteten Signals und der Dry/Wet-Parameter bestimmt das Mischungsverhältnis zwischen dem unbearbeiteten Eingangssignal und dem Signal, das zur Bearbeitung an Corpus geschickt wird. Ein Herunterregeln von Dry/Wet schneidet die momentan erklingenden Resonanzen nicht ab, sondern verhindert die Bearbeitung von neuen Eingangssignalen.

Corpus enthält einen integrierten Limiter, der bei zu hohen Lautstärken automatisch eingeschaltet wird. Sobald der Limiter aktiv ist, leuchtet die LED in der oberen, rechten Ecke in der Anzeige von Corpus auf.

22.9 Dynamic Tube

DynamicTube.png
Der Effekt Dynamic Tube.

(Hinweis: Der Dynamic- Tube-Effekt ist in den Intro- und Lite-Editionen nicht verfügbar.)

Der Dynamic-Tube-Effekt veredelt Klänge mit den besonderen Eigenschaften der Röhren-Sättigung. Ein integrierter Envelope Follower erzeugt dynamische Klangvariationen, die vom Pegel des Eingangssignals abhängen.

Drei Röhrenmodelle A, B und C bieten verschiedene Verzerrungscharakteristiken, die von echten Verstärker-Röhren bekannt sind. Tube A produziert keine Verzerrungen, wenn Bias niedrig eingestellt ist, erzeugt aber helle Obertöne, wenn das Signal einen bestimmten Schwellenwert übersteigt. Tube C repräsentiert einen sehr schlichten Röhrenverstärker, der ständig Verzerrungen erzeugt. Die Qualität von Tube B liegt irgendwo zwischen diesen beiden Extremen.

Der Tone-Parameter bestimmt die spektrale Verteilung der Verzerrungen, indem er sie entweder in die Höhen, in das Mittenband oder darunter verschiebt.

Der Drive-Parameter bestimmt, mit welchem Pegel das Signal die Röhre erreicht; höhere Drive-Werte führen zu einem "schmutzigeren" Ausgangssignal. Die Intensität der Röhre wird mit dem Bias-Regler gewählt, der das Signal in die gefeierten Bereiche der nichtlinearen Verzerrung drückt. Bei sehr hohen Bias-Werten beginnt das Signal förmlich auseinanderzufallen.

Der Bias-Parameter kann positiv oder negativ durch einen Envelope Follower moduliert werden; die Intensität wird mit dem Envelope-Regler eingestellt. Je höher die Intensität dieser Modulation gewählt wird, desto stärker wird der Bias-Punkt durch den Pegel des Eingangssignals beeinflusst. Negative Envelope-Modulationen erzeugen Expansionseffekte, indem sie die Verzerrung bei lauten Signalen vermindern, während positive Modulationen laute Sounds noch verzerrter klingen lassen.

Attack und Release regeln, wie schnell der Envelope Follower auf Pegeländerungen im Eingangssignal reagiert. Zusammen bestimmen sie die Charakteristik der Hüllkurve und damit die dynamische Natur der Verzerrungen. Beachten Sie: Wenn Envelope auf Null gestellt ist, sind sie wirkungslos.

Das Ausgangssignal des Geräts können Sie mit dem Output-Regler verstärken oder abschwächen.

Das Aliasing kann durch Aktivieren des Hi-Quality-Modus reduziert werden, auf den Sie mittels [Rechts-Klick](PC) / [CTRL-Klick](Mac) Kontextmenü Zugriff haben. Dies verbessert die Klangqualität -- besonders im Höhenbereich -- erhöht aber auch die CPU-Last etwas.

22.10 EQ Eight

EQEight.png
Der Effekt EQ Eight.

(Hinweis: Der EQ-Eight-Effekt ist in den Intro- und Lite-Editionen nicht verfügbar.)

Der EQ-Eight-Effekt ist ein Equalizer mit bis zu acht parametrischen Filtern pro Eingangskanal, der nützlich für das Verändern des Klangs eines Eingangssignals ist.

Das Eingangssignal kann auf dreierlei Weise bearbeitet werden: Stereo, L/R und M/S. Der Stereo-Modus verwendet eine einzige Kurve, um beide Kanäle des Stereosignals identisch zu filtern. Der L/R-Modus bietet unabhängig einstellbare Filterkurven für den linken und rechten Kanal des Eingangssignals; der M/S-Modus (Mitte/Seite) bietet die gleiche Funktionalität für Signale, die mit M/S-Kodierung aufgezeichnet wurden. In allen Modi wird das Frequenzspektrum des Ausgangs hinter der Filterkurve angezeigt, wenn der Analyze-Schalter aktiviert ist.

Bei Verwendung der Modi L/R und M/S werden beide Kurven gleichzeitig als Referenz angezeigt, bearbeitet werden kann jedoch nur der aktive Kanal. Der Edit-Schalter zeigt diesen aktiven Kanal an und kann zum Umschalten zwischen den beiden Kurven verwendet werden.

Jeder Filter bietet ein Wahlmenü, das Ihnen erlaubt, zwischen acht verschiedenen Typen zu wählen, Von oben nach unten im Wahlmenü sind dies:

  • 48 oder 12 dB/Oktave Low-Cut (schneidet Frequenzen unterhalb der eingestellten ab);
  • Low-Shelf (senkt Frequenzen unterhalb der eingestellten ab oder hebt sie an);
  • Bell-Curve (senkt Frequenzen in einem bestimmten Bereich ab oder hebt sie an);
  • Notch (entfernt Frequenzen in einem schmalen Bereich);
  • High-Shelf (senkt Frequenzen oberhalb der eingestellten ab oder hebt sie an);
  • 48 oder 12 dB/Oktave HighC-ut (schneidet Frequenzen oberhalb der eingestellten ab);

Jedes Filterband kann unabhängig mit dem Aktivierungs-Schalter unter dem Wahlmenü ein oder ausgeschaltet werden . Schalten Sie nicht verwendete Bänder ab, um die CPU-Last zu senken. Um ausgesprochen drastische Filter-Effekte zu erzielen, können Sie zwei oder mehr Filter mit den gleichen Einstellungen versehen.

Die Filterkurve kann durch Anklicken und Ziehen der Punkte im Display eingestellt werden. Ziehen Sie mehrere beieinander liegende Filterpunkte gleichzeitig entweder mit der Maus oder den Pfeiltasten Ihrer Rechnertastatur. Horizontale Bewegungen stellen die Frequenz des bearbeiteten Bandes ein, vertikale die Pegelanhebung oder Pegelabsenkung. Um den Q-Wert (auch als Resonanz oder Bandbreite bezeichnet) des Filters zu ändern, halten Sie beim Ziehen mit der Maus die ALT (PC) / ALT (Mac) Taste. Beachten Sie, dass bei den Filtertypen Low-Cut, Notch und High-Cut der Gain-Wert nicht verändert werden kann. Bei diesen Typen ändert das vertikale Ziehen den Q-Wert.

Um eine noch bessere Darstellung zu erhalten, können Sie mit dem 27236.png Schalter in EQ Eights Titelzeile die Platzierung der Anzeige zwischen der Gerätekette und Lives Hauptfenster umschalten. Wird diese erweiterte Anzeige verwendet, lassen sich alle acht Filter gleichzeitig in der Geräte-Ansicht editieren.

EQEightExpandedView.png
EQ Eights Parameter mit erweiterter Anzeige.

Das Spektrum von EQ Eights Ausgangssignal ist standardmäßig in der Anzeige zu sehen. Wenn Sie lieber vollständig nach Gehör arbeiten möchten, können Sie die spektrale Darstellung mit der Analyze-Taste auch deaktivieren.

Ist Adaptive Q aktiviert, steigt der Q-Wert zusammen mit der Stärke der Anhebung/Absenkung des Bandes. Hierdurch bleibt die Ausgangslautstärke beim Einstellen der Filter konstanter. Adaptive Q basiert auf dem Verhalten von klassischen Analog-EQs.

Um ein Filter vorübergehend solo zu hören, aktivieren Sie einfach den Audition-Modus mit dem Kopfhörersymbol. Im Audition-Modus ermöglicht das Klicken und Halten eines Filterpunkts im Display nur die Auswirkungen des gewählten Filters zu hören.

Sie können ein Band auch anwählen, indem Sie auf seine Ziffer (1-8) klicken und seine Parameter dann mit den Reglern Freq, Gain, und Q einstellen. Werte können auch direkt in die Felder unter den Reglern eingetippt werden.

Da eine Anhebung von Frequenzen den Pegel des Signals erhöhen und eine Absenkung ihn vermindern wird, können Sie den Ausgangspegel mit dem Gain-Regler wieder so anpassen, dass er möglichst hoch ist, ohne zu verzerren.

Der Scale-Parameter senkt das Gain aller Filter ab, die einen Gain-Parameter besitzen (das sind alle außer High-Cut, Low-Cut und Notch).

Parameter im Kontextmenü

Einige Parameter von EQ Eight sind nur über das Kontextmenü [Rechts-Klick](PC) / [CTRL-Klick](Mac) erreichbar. Diese sind:

  • Oversampling - das Aktivieren dieser Option lässt EQ Eight die Bearbeitung intern mit der doppelten Samplingrate durchführen, wodurch die Filterkurven bei hohen Frequenzen symmetrischer verlaufen. Der Oversampling-Modus belastet die CPU etwas stärker.
  • Shelf-Scaling-Legacy-Modus - In Live 9 wurde die Form von EQ-Eights Shelving-Filtern überarbeitet und verbessert. Live Sets, die EQ Eight verwenden und mit Versionen vor Live 9 erzeugt wurden, könnten hierdurch leicht abweichend klingen. Um sicherzustellen, dass ältere Sets exakt gleich klingen, wird die Option Shelf-Scaling-Legacy-Modus standardmäßig beim Laden von alten Sets mit EQ Eight aktiviert. Sie können dieses Verhalten mit Hilfe des Eintrags im Kontextmenü [Rechtsklick](PC) / [CTRL-Klick](Mac) in EQ Eights Titelzeile deaktivieren.

Hinweis: Mit Live 9 wurde die Option “Hi-Quality” aus dem Kontextmenü [Rechtsklick](PC) / [CTRL-Klick](Mac) entfernt. EQ Eight arbeitet jetzt grundsätzlich in diesem Modus.

22.11 EQ Three

EQThree.png
Der Effekt EQ-Three

Wenn Sie mal einen guten DJ-Mixer verwendet haben, werden Sie so was kennen: Einen EQ, der das Einstellen unterschiedlicher Lautstärken für die Bässe, die Mitten und die Höhen des Signals gestattet.

Die Lautstärke jedes der drei Bänder kann mit dem entsprechenden Gain-Regler zwischen unendlicher Absenkung und einer Pegelanhebung um 6 dB variiert werden. Das bedeutet, dass Sie beispielsweise die Bassdrum und den Bass eines Tracks komplett entfernen können, ohne die anderen Frequenzen zu beeinflussen.

Sie können auch jedes Band separat mit den On/Off-Schaltern unter den Gain-Reglern ein- und ausschalten. Diese Schalter sind besonders dann praktisch, wenn sie Tasten der Rechnertastatur zugewiesen werden...

EQ Three zeigt mit Hilfe dreier LEDs an, ob in den einzelnen Frequenzbändern ein Signal vorhanden ist. Auch dann, wenn ein Band ausgeschaltet ist, gibt seine LED Aufschluss über das Vorhandensein eines Signals. Der interne Schwellenwert für die LEDs liegt bei -24 dB.

Der Frequenzbereich der drei Bänder wird durch zwei Trennfrequenz-Parameter bestimmt: FreqLo und FreqHi. Wenn FreqLo auf 500 Hz und FreqHi auf 2000 Hz gestellt ist, dann reicht das tiefe Band von 0 Hz bis 500 Hz, das mittlere von 500 Hz bis 2000 Hz und das hohe von 2000 Hz bis zur höchsten Frequenz, die mit der eingestellten Samplingrate oder Ihrer Hardware erreicht werden kann.

Sehr wichtig ist der 24dB/48dB-Umschalter. Er bestimmt, wie steilflankig die Signale der Bänder an den Trennfrequenzen durch die Filterung beschnitten werden. Der höhere Wert bewirkt eine drastischere Filterung, benötigt aber auch etwas mehr Rechenleistung.

Hinweis: Die Filter in diesem Effekt wurden so optimiert, dass sie eher dem Klang einer leistungsfähigen und guten analogen Filterkaskade als digitalen Filtern nahe kommen. Insbesondere im 48-dB-Modus gibt es keine perfekte lineare Signalübertragung, was sich selbst dann in einem leicht gefärbten Klang äußert, wenn alle Pegel auf 0.00 dB stehen. Das ist ein typisches Klangverhalten für Filter dieser Art und gehört zum speziellen Sound des EQ Three. Wenn Sie ein lineareres Klangverhalten benötigen, wählen Sie bitte den 24-dB-Modus oder den EQ Eight.

22.12 Erosion

Erosion.png
Der Erosion-Effekt

Der Erosion-Effekt bearbeitet das Eingangsignal mit Hilfe eines kurzen Delays, das durch gefiltertes Rauschen oder eine Sinuswelle moduliert wird. Dadurch entsteht "Schmutz" im Signal, der nach Aliasing/Downsampling-Verzerrungen klingt und zu einem sehr "digitalen" Sound führt.

Durch Klicken und Ziehen mit der Maus entlang der X-Achse im X/Y-Feld kann die Frequenz der Sinuswelle oder die Mittenfrequenz des Rauschbands geregelt werden. Die Y-Achse steuert die Modulationsintensität. Wird ALT (PC) / ALT (Mac) beim Klicken ins X/Y-Feld gedrückt, kontrolliert die Y-Achse die Bandbreite. Beachten Sie, dass sich die Bandbreite nicht ändern lässt, wenn Sine (Sinus) angewählt ist.

Der Frequenz-Parameter bestimmt die Art oder "Farbe" der Verzerrung. Wenn Rauschen verwendet wird, arbeitet der Frequenz-Parameter in Kombination mit dem Width-Parameter, der die Bandbreite des Rauschens bestimmt. Kleine Werte bewirken ein eng begrenztes und damit selektives Band, große Werte ein breites Band, mit dem das gesamte Signal klanglich beeinflusst wird. Bei der Sinuswelle hat Width keine Funktion.

Noise und Sine verwenden einen einzelnen Modulationsgenerator. Wide Noise besitzt dagegen unabhängige Noise-Generatoren für den linken und rechten Kanal, wodurch eine subtile Verbreiterung des Stereobildes entsteht.

22.13 External-Audio-Effekt

ExternalAudioEffect.png
Der External-Audio-Effekt.

(Hinweis: Der External-Audio-Effekt ist in den Intro- und Lite-Editionen nicht verfügbar.)

Der External-Audio-Effekt unterscheidet sich etwas von den anderen Effekt-Geräten in Live. Statt das Audiosignal selbst zu bearbeiten, erlaubt er es externe (Hardware-) Effektprozessoren in die Gerätekette einer Spur einzubinden.

Im Audio-To-Menü können Sie die Ausgänge Ihrer Audio-Hardware wählen, die zu Ihrem externen Gerät leiten; im Audio-From-Menü wählen Sie die Eingänge, die das bearbeitete Signal zurück in Live leiten. Wie bei den Eingangs/Ausgangs-Menüs der Spuren hängt die Liste der verfügbaren Eingänge und Ausgänge von den Audio-Voreinstellungen ab, die Sie mit der Option "Configure..." unten in jedem Menü erreichen können.

Unter jedem Menü befindet sich eine Spitzenpegel-Anzeige, die den höchsten registrierten Pegel anzeigt. Klicken Sie auf die Anzeige, um sie zurückzusetzen.

Die Gain-Regler neben den Menüs stellen die Pegel ein, die aus Live heraus und wieder hinein geführt werden. Sie sollten sorgfältig eingestellt werden, um Übersteuerungen zu vermeiden -- sowohl in der externen Hardware als auch bei der Rückführung des Signals in den Rechner.

Der Dry/Wet-Regler bestimmt das Mischungsverhältnis zwischen dem Original- und dem Effekt-Signal. Stellen Sie den Wert auf 100%, wenn Sie den External-Audio-Effekt in einer Return-Spur verwenden.

Der Invert-Schalter invertiert die Phase des bearbeiteten und in Live zurückgeführten Signals.

Da Hardware-Effekte zu Latenzen führen, die Live nicht automatisch erkennen kann, können Sie entstehende Verzögerungen manuell mit dem Hardware-Latenz-Regler kompensieren. Der Schalter neben diesem Regler erlaubt es Ihnen, die Kompensation wahlweise in Millisekunden oder Samples vorzunehmen. Ist Ihr externes Gerät über eine Digitalverbindung an Live angeschlossen, werden Sie die Latenz in Samples einstellen wollen, da die Anzahl der eingestellten Samples auch bei einem Wechsel der Sampling-Rate erhalten bleibt. Ist Ihr externes Gerät über eine Analogverbindung an Live angeschlossen, werden Sie die Latenz lieber in Millisekunden einstellen wollen, da bei einem Wechsel der Sampling-Rate in diesem Fall die eingestellte Zeitdauer konstant bleibt. Beachten Sie, dass die Einstellung in Samples eine feinere Justierung erlaubt. Sie werden diese daher auch beim Arbeiten mit analogen Geräten verwenden wollen, um durch "Feintuning" eine möglichst niedrige Latenz zu erzielen. In diesem Fall sollten Sie unbedingt zurück auf Millisekunden schalten, bevor Sie die Sampling-Rate ändern.

Hinweis: Ist die Option zur Latenzkompensation (siehe 17.5) im Optionen-Menü deaktiviert, ist auch der Hardware-Latenz-Regler inaktiv.

Eine Anleitung zum exakten Einstellen der Latenzkompensation für Ihre Hardware finden Sie im Kurs "Kompensation des Treiberfehlers".

22.14 Filter Delay

FilterDelay.png
Der Filter-Delay-Effekt

(Hinweis: Der Filter-Delay-Effekt ist in den Intro- und Lite-Editionen nicht verfügbar.)

Das Filter Delay bietet drei unabhängige Delays, denen jeweils eine serielle Kombination von Hoch- und Tiefpassfilter nachgeschaltet ist. Sie können durch diese Anordnung jedes Delay auf bestimmte, durch die Filtereinstellung wählbare Frequenzbereiche beschränken. Auch das Feedback von jedem Delay wird wieder durch die Filter geführt.

Jedes Delay kann separat aktiviert oder deaktiviert werden. Delay 1 ist dem linken Eingangskanal zugeordnet, Delay 2 der Summe aus linkem und rechtem Kanal und Delay 3 dem rechten Kanal. Mit den Pan-Reglern kann das Panorama für jedes Delay frei gewählt werden; in der Standardeinstellung gibt jedes Delay sein Signal auf dem Kanal aus, auf dem es auch sein Eingangssignal erhält.

Die Filterung kann in jedem Delay separat mit den On/Off-Schaltern links neben den X/Y-Feldern ein oder ausgeschaltet werden. Die X/Y-Felder steuern die Frequenzen von Hoch- und Tiefpassfilter für jedes Delay. Vertikal wird die Breite des durchgelassenen Frequenzbands eingestellt, horizontal seine Platzierung im Frequenzspektrum.

Der Wahlschalter Delay Time erlaubt es, die Delayzeit in Abhängigkeit vom Songtempo einzustellen. Die Nummern repräsentieren dabei Sechzehntelnoten. Ein Wert von "4" erzeugt demnach eine Verzögerung von vier Sechzehntelnoten, was einem Delay von einer Viertelnote entspricht. Ist der Sync-Modus aktiv, verkürzt oder verlängert das Delay-Time-Feld die Verzögerung um den gewählten Prozentsatz und erzeugt so den aus Drumcomputern bekannten und mit "Swing" bezeichneten Timing-Effekt.

Ist der Sync-Schalter deaktiviert, wird die Delayzeit in Millisekunden ausgedrückt. In diesem Fall können Sie die Delayzeit durch Ziehen der Werte mit der Maus oder durch Klicken und Eintippen eingeben.

Mit dem Feedback-Parameter kann der Anteil des vom Ausgang an den Eingang zurückgeführten Signals bestimmt werden. Hohe Werte können zu einem unendlichen Feedback führen - achten Sie auf Ihre Ohren und Lautsprecher, wenn Sie das ausprobieren!

Jeder Delay-Kanal besitzt einen eigenen Lautstärkeregler.

Mit dem Dry-Regler kann das trockene, nicht verzögerte Signal beigemischt werden. Stellen Sie diesen Regler auf Minimum, wenn Sie das Filter Delay in einer Return-Spur nutzen.

22.15 Flanger

Flanger.png
Der Flanger-Effekt.

(Hinweis: Der Flanger-Effekt ist in der Lite-Edition nicht verfügbar.)

Der Flanger-Effekt verwendet zwei parallele zeitmodulierte Verzögerungen, um Flanger-Effekte zu erzeugen.

Die Verzögerungszeit des Flangers wird mit dem Delay-Time-Parameter gewählt. Der Feedback-Parameter sendet einen Teil des Ausgangssignals zurück an den Eingang des Geräts, wobei der Polarity-Schalter ("+" oder "-") die Polarität dieses Signals bestimmt. Delay Time und Feedback können simultan mit dem X/Y-Bedienelement des Effekts eingestellt werden.

Die Verzögerungszeit kann mit einem integrierten Hüllkurvenfolger gesteuert werden. Justieren Sie die Intensität der Modulation mit dem Amount-Regler (negative Werte invertieren die Hüllkurve) und stellen Sie dann den gewünschten Hüllkurvenverlauf mit den Parametern Attack und Release ein.

Flanger besitzt auch zwei LFOs zur Modulation der Verzögerungszeit von rechtem und linkem Kanal. Sechs unterschiedliche Wellenformen stehen für diese Modulation zur Wahl: Sinus, Rechteck, Dreieck, Sägezahn aufwärts, Sägezahn abwärts und Zufall. Die Intensität, mit der der LFO die Verzögerungszeit moduliert, wird mit dem Amount-Parameter eingestellt.

Die Geschwindigkeit des LFOs lässt sich mit dem Rate-Regler in Hertz eingeben. Alternativ kann Rate auch zum Songtempo synchronisiert und in Notenwerten (zum Beispiel Sechzehntelnoten) eingestellt werden.

Der Phase-Parameter erzeugt Stereo-Effekte, indem er die Wellenformen der mit gleicher Frequenz laufenden LFOs gegeneinander verschiebt. Wenn Sie diesen Parameter auf "180" stellen, sind die beiden Wellenformen exakt gegenphasig (um 180 Grad verschoben), so dass die eine gerade das Maximum erreicht, wenn die andere am Minimum ist.

Spin verstimmt die beiden LFOs gegeneinander. Jedes Delay wird dadurch mit einer unterschiedlichen Frequenz moduliert; der Frequenzunterschied hängt vom Spin-Wert ab.

Mit dem HiPass-Regler können tiefe Frequenzen aus dem verzögerten Signal gefiltert werden.

Der Dry/Wet-Regler bestimmt das Mischungsverhältnis zwischen dem Original- und dem Effekt-Signal. Stellen Sie den Wert auf 100%, wenn Sie den Flanger in einer Return-Spur verwenden.

Der Hi-Quality-Modus kann über den Eintrag im [Rechts-Klick](PC) / [CTRL-Klick](Mac) Kontextmenü aktiviert/deaktiviert werden. Die Aktivierung von Hi-Quality führt zu einem offeneren Klangbild. Der Modus verbraucht jedoch auch etwas mehr CPU-Leistung.

22.16 Frequency Shifter

FrequencyShifter.png
Der Frequency-Shifter-Effekt.

(Hinweis: Der Frequency Shifter-Effekt ist in den Intro- und Lite-Editionen nicht verfügbar.)

Frequency Shifter verschiebt Frequenzen des eingehenden Audiosignals um einen benutzerdefinierten Wert in Hertz nach oben oder unten. Während kleine Shift-Werte zu subtilen Tremolo- oder Phasing-Effekten führen, ermöglichen große Werte die Erzeugung von dissonanten oder metallischen Klangfarben.

Die Coarse- und Fine-Regler bestimmen den Wert der Frequenzverschiebung, die auf dem Eingangssignal angewandt wird. Ist zum Beispiel das Eingangssignal eine Sinusschwingung mit 440 Hz und die Frequenzverschiebung auf 100 Hz gestellt, liegt am Ausgang eine Sinusschwingung mit 540 Hz an.

Durch Wechseln des Modus von Shift auf Ring schaltet Frequency Shifter von der klassischen Frequenzverschiebung auf Ringmodulation um. Im Ring-Modus wird der gewählte Frequenzwert dem Eingangssignal hinzugefügt und abgezogen. Ist zum Beispiel das eingehende Audiosignal (A) eine Sinusschwingung mit 440 Hz und die Frequenzverschiebung auf 100 Hz (B) gestellt, enthält das Ausgangssignal Teiltöne bei 340 Hz (A-B) und 540 Hz (A+B).

Der Drive-Schalter aktiviert/deaktiviert einen Verzerrer-Effekt, dessen Pegel (Stärke) sich mit dem darunter liegenden Parameter bestimmen lässt. Drive steht ausschließlich im Ring-Modus zur Verfügung.

Die Aktivierung des Wide-Schalters erzeugt einen Stereoeffekt, indem die Polarität des Spread-Werts für den rechten Kanal umgekehrt wird. Eine Erhöhung des Spread-Werts verschiebt die Frequenz im rechten Kanal nach unten, während sie links nach oben verschoben wird. Beachten Sie bitte, dass der Wide-Parameter bei einem Spread-Wert von 0 keine Auswirkungen hat.

Frequency Shifter besitzt auch zwei LFOs zur Modulation der Frequenzen von linkem und rechtem Kanal. Sechs unterschiedliche Wellenformen stehen für diese Modulation zur Wahl: Sinus, Rechteck, Dreieck, Sägezahn aufwärts, Sägezahn abwärts und Zufall. Die Intensität, mit der der LFO die Frequenzen moduliert, wird mit dem Amount-Regler eingestellt.

Die Geschwindigkeit des LFOs lässt sich mit dem Rate-Regler in Hertz eingeben. Alternativ kann Rate auch zum Songtempo synchronisiert und in Notenwerten (zum Beispiel Sechzehntelnoten) eingestellt werden.

Der Phase-Parameter erzeugt Stereo-Effekte, indem er die Wellenformen der mit gleicher Frequenz laufenden LFOs gegeneinander verschiebt. Wenn Sie diesen Parameter auf "180" stellen, sind die beiden Wellenformen exakt gegenphasig (um 180 Grad verschoben), so dass die eine gerade das Maximum erreicht, wenn die andere am Minimum ist.

Spin verstimmt die beiden LFOs gegeneinander. Jeder Stereokanal wird mit einer unterschiedlichen Frequenz moduliert.

Bei Benutzung der Zufalls-Wellenform zeigen die Parameter Phase und Spin keine Auswirkungen und beeinflussen somit auch nicht den Klang.

Der Dry/Wet-Regler bestimmt das Mischungsverhältnis zwischen dem Original- und dem Effekt-Signal. Beachten Sie, dass der Drive-Effekt im Signalfluss hinter dem Mix-Regler liegt. Daher können Sie Frequency Shifter auch als reinen Verzerrer-Effekt einsetzen, indem Sie Drive aktivieren und Mix auf 0% stellen.

Das Frequency-Shifting wird durch einfache Addition oder Subtraktion eines Wertes in Hertz zum/vom eingehenden Audiosignal erreicht. Dies unterscheidet es deutlich vom Pitch-Shifting , bei dem die Verhältnisse der eingehenden Frequenzen (und somit auch der Bezug ihrer Harmonischen) erhalten bleiben. Stellen Sie sich zum Beispiel ein Eingangssignal vor, das aus den Sinusschwingungen 440 Hz und 880 Hz besteht, die eine Oktave auseinander liegen. Um dieses Signal nun eine Oktave nach oben zu transponieren, multiplizieren wir diese Frequenzen mit dem Faktor 2, was zu neuen Frequenzen von 880 Hz und 1760 Hz führt.

22.16.1 Tipps zum Frequency-Shifter

Frequenzverschiebungen und Ringmodulation können sehr interessante Klangergebnisse liefern. Hier einige Tipps zum Einsatz des Frequency-Shifter-Gerätes.

Stimmen von Schlagzeugklängen

Das Stimmen von gesampeltem Akustik-Schlagzeug ist manchmal schwierig. Eine über den Tonhöhenänderungs-Parameter eines Samplers vorgenommene Stimmung verändert oft auch den Klangcharakter auf unnatürliche Weise und führt zu "gequetscht" oder "muffig" klingenden Samples. Das Frequency-Shifting kann eine nützliche Alternative sein.

Probieren Sie den Shift-Modus mit einem Dry/Wet-Wert von 100% aus. Stellen Sie dann den Wert der Fine-Frequenz nicht höher als 100 Hz nach oben oder unten ein. Hierdurch ändern sich scheinbare Größe und Stimmung des Schlagzeug-Sounds, während die Klangqualität des ursprünglichen Samples erhalten bleibt.

Phasing

Satte Phasing-Effekte können mit extrem kleinen Shift-Werten (nicht mehr als ca. 2 Hz) erzeugt werden. Beachten Sie, dass das Phasing erst durch die Interaktion von Effekt- und Originalsignal entsteht. Sie können nur dann einen Effekt wahrnehmen, wenn die Dry/Wet-Balance beide Signale hörbar macht. Das stärkste Phasing ist bei einem Dry/Wet-Mischungsverhältnis von 50% zu hören.

Tremolo

Im Ring-Modus erzeugen Frequenzen unterhalb der Hörgrenze (ca. 20 Hz) einen Tremolo-Effekt. Durch Einschalten des Wide-Parameters und den Einsatz kleiner Spread-Werte können Sie dem Tremolo eine Stereo-Panoramabewegung hinzufügen.

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Schalten Sie versuchsweise ein Spectrum -Gerät (siehe 22.31) hinter den Frequency Shifter, um sich die Auswirkungen von Parameteränderungen nicht nur anhören, sondern auch ansehen zu können. Die Auswirkungen sind besonders gut zu erkennen, wenn Sie dabei einfache, statische Sinusschwingungen als Eingangsquelle benutzen.

22.17 Gate

Gate.png
Der Gate-Effekt

(Hinweis: Der Gate-Effekt ist in der Lite-Edition nicht verfügbar.)

Der Gate-Effekt leitet nur Signale weiter, deren Pegel über einem vom Anwender gewählten Schwellenwert (Threshold) liegen. Ein Gate kann benutzt werden, um Störgeräusche (zum Beispiel Rauschen oder Brummen) zwischen Klängen zu entfernen. Man kann mit ihm einen Klang aber auch dadurch formen, dass man Threshold so einstellt, dass Hall- oder Delay-Fahnen beziehungsweise der natürliche Ausklang eines Instruments durch das Gate beschnitten werden.

Mit Live 9 wurde das interne Verhalten von Gate subtil verbessert. Obwohl das Gate nun "korrekter" arbeitet als in vorherigen Versionen von Live, könnten Live Sets, die Gate verwenden und mit Versionen vor Live 9 erzeugt wurden, eventuell leicht abweichend klingen. Um sicherzustellen, dass ältere Sets exakt gleich klingen, wird die Option Gate-Legacy-Modus standardmäßig beim Laden von alten Sets, die den Gate-Effekt einsetzen, aktiviert. Sie können dieses Verhalten mit Hilfe des Eintrags im Kontextmenü [Rechtsklick](PC) / [CTRL-Klick](Mac) in Gates Titelzeile deaktivieren.

Der Display-Bereich von Gate zeigt fortlaufend die Eingangs-Pegel in hellgrau und die Ausgangspegel in dunklerem grau mit weißer Kontur an . So können Sie jederzeit die Stärke des auftretenden Gate-Effekts sehen, was Ihnen beim Einstellen der entsprechenden Parameter hilft.

Der Threshold-Regler bestimmt die Empfindlichkeit des Gates. Der Threshold-Wert wird als horizontale orange Linie dargestellt und kann durch Ziehen der Linie geändert werden.

Return (auch unter dem Begriff "Hysteresis” bekannt) legt den Unterschied zwischen dem Pegel, der das Gate öffnet und dem Pegel, der es schließt, fest. Höhere Hysteresis-Werte reduzieren den Flatter-Effekt, der beim schnellen Öffnen und Schließen des Gates auftritt, wenn der Pegel des Eingangssignals nahe am Threshold-Pegel liegt. Der Return-Wert wird in der Anzeige von einer zusätzlichen orangefarbenen horizontalen Linie dargestellt.

Ist der Flip-Schalter aktiviert, arbeitet das Gate umgekehrt: das Signal wird nur durchgelassen, wenn sein Pegel unterhalb des Threshold ist.

Ein Gate kann erst auf das Eingangssignal reagieren, sobald es ihn erreicht. Da es auch noch seiner Attack- und Release-Hüllkurve folgen muss, reagiert es immer etwas zu spät. Ein digitales Gate kann dieses Problem lösen, indem der das Eingangssignal zwar gleich analysiert, aber etwas verzögert bearbeitet. Gate bietet drei verschiedene solcher "Lookahead"-Zeiten an: null mS, eine mS und zehn mS. Das Klangresultat kann in Abhängigkeit dieser Werte stark variieren.

Die Attackzeit bestimmt, wie schnell das Gate öffnet, wenn das Eingangssignal den Threshold-Wert überschreitet. Sehr kurze Attackzeiten können scharf klickende Sounds erzeugen, während lange Attackzeiten die Einschwingphasen der Klänge weich klingen lassen.

Wenn das Eingangssignal unter den Threshold abfällt, kommt der Hold-Time-Parameter ins Spiel. Nach Ablauf der mit Hold eingestellten Zeit schließt das Gate mit der gewählten Release-Zeit.

Der Floor-Regler bestimmt die Stärke der Pegelabsenkung, die beim Schließen des Gates angewendet wird. Mit der Einstellung -INF unterdrückt das geschlossene Gate das Eingangssignal völlig. Eine Einstellung von 0.0 bedeutet, dass das Eingangssignal selbst bei geschlossenem Gate ohne Pegelabsenkung an den Ausgang geführt wird. Einstellungen zwischen diesen beiden Extremen senken das Eingangssignal bei geschlossenem Gate mehr oder weniger im Pegel ab.

Normalerweise ist das gegatete Signal mit dem Signal identisch, das das Gate auslöst. Mittels Sidechaining ist es jedoch möglich, ein Signal auf der Basis des Pegels eines anderen Signals zu gaten. Klappen Sie das Gate-Fenster mit dem 27396.png Schalter in seiner Titelzeile aus, um Zugriff auf die Sidechaining-Parameter zu erhalten.

Wenn Sie diesen Bereich mit dem "Sidechain"-Schalter aktivieren, können Sie in den Menüs darunter jede andere Spur auswählen. Die so gewählte Signalquelle arbeitet nun anstelle des tatsächlich gegateten Signals als Auslöser für das Gate.

Der Gain-Regler bestimmt den Pegel des externen Sidechain-Eingangssignals; der Dry/Wet-Regler ermöglicht es Ihnen, eine Kombination aus dem externen Sidechain-Eingangssignal und dem Originalsignal als Auslöser für das Gate zu wählen. Steht Dry/Wet auf 100%, wird das Gate ausschließlich von der Sidechain-Signalquelle ausgelöst. Bei 0% wird das Sidechain-Signal gar nicht genutzt. Beachten Sie, dass ein Erhöhen von Gain nicht zu einer Erhöhung der Lautstärke des Originalsignals im Mix führt. Das Sidechain-Signal dient nur dem Auslösen des Gates und ist nie selbst hörbar.

Sidechain-Gating kann benutzt werden, um den Rhythmus von einer Signalquelle auf eine andere zu übertragen. So kann man zum Beispiel einen gehaltenen Flächenklang im Rhythmus eines Drumloops triggern, indem man in die Flächenklang-Spur ein Gate einfügt, für das man die Drumloop-Spur als Sidechain-Eingang wählt.

Rechts im External-Bereich finden sich die Parameter für den Sidechain-EQ. Wenn Sie diesen Bereich aktivieren, wird das Gate durch bestimmte Frequenzbänder und nicht durch das gesamte Signal ausgelöst. Das können entweder Frequenzen im zu gatenden Signal selbst oder, bei der Kombination mit dem externen Sidechaining, Frequenzen aus dem Signal einer anderen Spur sein.

Mit dem Kopfhörerschalter zwischen dem Extern- und dem EQ-Bereich können Sie nur das Sidechain-Signal abhören und den Ausgang des Gates stummschalten. Da das Sidechain-Signal nicht zum Ausgang gelangt und nur als Auslöser für das Gate arbeitet, vereinfacht Ihnen diese temporäre Abhörmöglichkeit, die Sidechain-Parameter einzustellen und das Signal zu überprüfen, das das Gate arbeiten lässt. Ist diese Taste eingeschaltet, zeigt der Display-Bereich den Eingangspegel der Sidechain in grün an.

22.18 Glue Compressor

Glue.png
Der Effekt Glue Compressor

(Hinweis: Der Glue CompressorEffekt ist in den Intro- und Lite-Editionen nicht verfügbar.)

Der Glue Compressor ist ein analog-modellierter Kompressor, der zusammen mit Cytomic entwickelt wurde. Er basiert auf dem klassischen BUS-Kompressor einer berühmten Mischkonsole aus den 80ern. Wie Lives originaler Compressor (siehe 22.7), kann auch der Glue Compressor zur Dynamik-Steuerung von Einzelspuren verwendet werden. Er ist jedoch hauptsächlich für den Einsatz in einer Master- oder Gruppen-Spur gedacht, um verschiedene Klangquellen zu einem dichteren und stimmigen Gesamt-Sound "zusammenzuschweißen".

Mit dem Threshold-Regler wird eingestellt, bei welchem Pegel die Kompression beginnt. Signale oberhalb des Threshold werden nach Maßgabe des Ratio-Parameters leiser geregelt, der das Verhältnis zwischen Ein- und Ausgangspegel bestimmt. Anders als bei Compressor bietet Glue Compressor keine regelbare Knee-Charakteristik. Stattdessen wird die Knee steiler, wenn die Ratio erhöht wird.

Attack regelt wie lange es dauert, bis nach dem Überschreiten des Thresholds die maximale Kompression wirksam wird. Der Wert des Attack-Reglers wird in Millisekunden angezeigt. Der Release-Regler bestimmt, wie lange der Kompressor benötigt, um in den Normalbetrieb zurückzukehren, nachdem der Signalpegel unter den Threshold-Wert fällt. Der Wert des Release-Reglers wird in Sekunden angezeigt. Ist Release auf A (Auto) gestellt, wird die Release-Zeit automatisch, in Abhängigkeit vom Eingangssignal eingestellt. Beim Auto Release von Glue Compressors werden sogar zwei verschiedene Zeiten eingesetzt - ein langsamer Wert für die Basiskompression und ein schneller, um auf Transienten im Signal reagieren zu können. Auto Release ist eventuell zu langsam um auf plötzliche Pegeländerungen zu reagieren. Die Funktion ist jedoch eine gute und vielseitige Lösung um Material sanft zu komprimieren.

Der Dry/Wet-Regler bestimmt das Mischungsverhältnis zwischen dem komprimierten und unkomprimierten Signal. Bei 100% ist nur das komprimierte Signal zu hören, während sich das Gerät bei 0% praktisch im Bypass befindet. Eine andere Steuerungsmöglichkeit für die Kompressionsstärke ist der Range-Parameter, der bestimmt, wie viel Kompression insgesamt auftreten kann. Werte zwischen ca. -60 und -70 dB emulieren die Original-Hardware, während Werte zwischen -40 und -15 dB eine nützliche Alternative zum Dry/Wet-Regler sein können. Bei 0 dB tritt keine Kompression auf.

Makeup hebt den Signalpegel an und ermöglicht es Ihnen, die durch Kompression verursachte Pegelabsenkung wieder auszugleichen. Ein Makeup-Wert der grob der Position der Nadel in der Anzeige entspricht sollte ungefähr zu einem Pegel führen, den Sie vor der Kompression hatten.

Der Soft-Clip-Schalter aktiviert einen fest eingestellten Waveshaper, der sehr nützlich zum Dämpfen von sehr lauten knalligen Transienten sein kann. Wird der Waveshaper aktiviert, liegt Glue Compressors maximaler Ausgangspegel bei - 0.5 dB. (Bitte beachten Sie, dass bei eingeschaltetem Oversampling vereinzelt sehr laute Pegelspitzen über 0 dB auftreten können.) Der Soft Clipper ist kein transparenter Limiter und fügt, wenn er aktiviert ist, Ihrem Signal Verzerrungen hinzu. Wir empfehlen ihn deaktiviert zu lassen, außer, wenn Sie bewusst nach solchen "färbenden" Verzerrungen suchen.

Die Nadel von Glue Compressor zeigt den Wert der Pegelabsenkung in dB. Die Clip-LED leuchtet rot, sobald der Ausgangspegel des Geräts 0 dB übersteigt. Wenn Soft Clipping aktiviert ist, wird die LED gelb und zeigt an, dass Pegelspitzen beschnitten werden.

22.18.1 Sidechain-Parameter

GlueSidechain.png
Der Glue-Compressor-Effekt mit den Sidechain-Parametern.

Normalerweise ist das komprimierte Signal mit dem Eingangssignal, das die Kompression auslöst, identisch. Bei Verwendung von Sidechaining ist es jedoch möglich, ein Signal basierend auf dem Pegel eines anderen Signals oder basierend auf einem bestimmten Frequenzband zu komprimieren. Die Sidechain-Parameter erreichen Sie, indem Sie das Glue-Compressor-Fenster durch Umschalten des Tasters 27441.png in seiner Titelleiste ausklappen.

Die Sidechain-Parameter sind in zwei Bereiche unterteilt. Links finden sich die External-Parameter. Wenn Sie diesen Bereich mit dem "Sidechain"-Schalter aktivieren, können Sie jeden von Lives internen Routing-Punkten aus dem Menü darunter auswählen. Die so gewählte Signalquelle arbeitet nun anstelle des tatsächlich komprimierten Signals als Auslöser für Glue Compressor.

Der Gain-Regler bestimmt den Pegel des externen Sidechain-Eingangssignals; der Dry/Wet-Regler ermöglicht es Ihnen, eine Kombination aus dem externen Sidechain-Eingangssignal und dem Originalsignal als Auslöser für den Kompressor zu wählen. Steht Dry/Wet auf 100%, wird Glue Compressor ausschließlich von der Sidechain-Signalquelle ausgelöst. Bei 0% wird das Sidechain-Signal gar nicht genutzt. Beachten Sie, dass ein Erhöhen von Gain nicht zu einer Erhöhung der Lautstärke des Originalsignals im Mix führt. Das Sidechain-Signal dient nur dem Auslösen von Glue Compressor und ist nie selbst hörbar.

Rechts im External-Bereich finden sich die Parameter für den Sidechain-EQ. Wenn Sie diesen Bereich aktivieren, wird Glue Compressor durch bestimmte Frequenzbänder und nicht durch das gesamte Signal ausgelöst. Das können entweder Frequenzen im komprimierten Signal selbst oder, bei Kombination mit externem Sidechaining, auch Frequenzen aus dem Signal einer anderen Spur sein.

Mit dem Kopfhörerschalter zwischen dem Extern- und dem EQ-Bereich können Sie nur das Sidechain-Signal abhören und den Ausgang von Glue Compressor stummschalten. Da das Sidechain-Signal nicht zum Ausgang gelangt und nur als Auslöser für Glue Compressor arbeitet, vereinfacht Ihnen diese temporäre Abhörmöglichkeit, die Sidechain-Parameter einzustellen und das Signal zu überprüfen, das Glue Compressor arbeiten lässt.

Parameter im Kontextmenü

Das Oversampling kann über den entsprechenden Eintrag im Kontextmenü mit [Rechtsklick](PC) / [CTRL-Klick] (Mac) aktiviert/deaktiviert werden. Das Aktivieren dieser Option lässt Glue Compressor die Bearbeitung intern mit der doppelten Samplingrate durchführen, was Aliasing und harsch klingende Transienten reduzieren kann. Der Oversampling-Modus belastet die CPU etwas stärker. Bitte beachten Sie, dass bei eingeschaltetem Oversampling der Pegel 0 dB überschreiten kann, selbst wenn Soft Clip aktiviert ist.

22.19 Grain Delay

GrainDelay.png
Der Grain-Delay-Effekt

(Hinweis: Der Grain-Delay-Effekt ist in der Lite-Edition nicht verfügbar.)

Das Grain Delay zerlegt das Eingangssignal in winzige Partikel (sogenannte "Grains"), die individuell verzögert werden. Die Grains können außerdem unabhängig vom Eingangssignal gestimmt werden. Sowohl die Tonhöhe, als auch die Delayzeit können zufällig variiert werden, wodurch sich komplexe Klang- und Rhythmus-Gebilde erzeugen lassen, die mit dem Eingangssignal nicht mehr viel zu tun haben müssen. Das kann sehr nützlich zum Erzeugen neuer Klänge und Klangtexturen sowie zum Vertreiben von ungebetenen Gästen und noch viel ungebeteneren Insekten sein (ein Scherz...).

Jeder Parameter kann der vertikalen oder horizontalen Achse des X/Y-Feldes zugewiesen werden. Verwenden Sie die Wahlschalter unter dem X/Y-Feld, um einen Parameter der X-Achse zuzuordnen. Verwenden Sie den Wahlschalter links neben dem Feld, um einen Parameter der Y-Achse zuzuordnen.

Der Wahlschalter Delay Time erlaubt es, die Delayzeit in Abhängigkeit vom Songtempo einzustellen. Die Nummern repräsentieren dabei Sechzehntelnoten. Ein Wert von "4" erzeugt demnach eine Verzögerung von vier Sechzehntelnoten, was einem Delay von einer Viertelnote entspricht. Ist der Sync-Modus aktiv, verkürzt oder verlängert das Delay-Time-Feld die Verzögerung um den gewählten Prozentsatz und erzeugt so den aus Drumcomputern bekannten und mit "Swing" bezeichneten Timing-Effekt.

Ist der Sync-Schalter deaktiviert, wird die Delayzeit in Millisekunden ausgedrückt. In diesem Fall können Sie die Delayzeit durch Ziehen der Werte mit der Maus oder durch Klicken und Eintippen eingeben.

Die Delay-Zeit lässt sich auch der horizontalen Achse des X-Y-Felds zuweisen.

Spray sorgt für zufällige Variationen bei der Delayzeit. Niedrige Werte "verschmieren" das Signal zeitlich etwas und fügen ihm dadurch eine Art Rauschanteil hinzu. Hohe Werte zerstören die zeitliche Struktur des Signals komplett und sorgen damit für mehr oder weniger viel rhythmisches Chaos - die bevorzugte Einstellung für Anarchisten. Spray sorgt für zufällige Variationen bei der Delayzeit.

Die Größe und Dauer der Grains hängt von dem Frequency-Parameter ab. Auch die klangliche Auswirkung von Pitch und Spray wird stark von diesem Parameter beeinflusst.

Die Tonhöhe der Grains kann mit dem Pitch-Parameter eingestellt werden, der wie bei einem einfachen PitchShifter funktioniert.

Random Pitch variiert die Tonhöhe mit Zufallswerten für jedes Grain. Niedrige Werte führen zu einer Art Chorus-Effekt, hohe Werte können dem Eingangssignal jegliche Tonalität rauben. Dieser Parameter kann sinnvoll mit dem Pitch-Parameter gemeinsam benutzt werden, um gleichzeitig Stimmung und Tonalität des Signals zu beeinflussen.

Mit dem Feedback-Parameter kann der Anteil des vom Ausgang an den Eingang zurückgeführten Signals bestimmt werden. Hohe Werte können zu einem unendlichen Feedback führen - achten Sie auf Ihre Ohren und Lautsprecher, wenn Sie das ausprobieren!

Das Grain-Delay besitzt auch einen Dry/Wet-Parameter; er kann der Y-Achse des X/Y-Feldes zugeordnet werden.

22.20 Limiter

Limiter.png
Der Limiter-Effekt.

(Hinweis: Der Limiter-Effekt ist in der Lite-Edition nicht verfügbar.)

Limiter ist ein Dynamikprozessor in Masteringqualität, der sicher stellt, dass das Ausgangssignal einen bestimmten Pegel nicht überschreitet. Limiter wird idealerweise auf einer Summenspur eingesetzt, um Übersteuerungen und Clipping zu vermeiden. Im Wesentlichen handelt es sich bei einem Limiter um einen Kompressor mit unendlicher Ratio. Weitere theoretische Informationen zum Thema Kompressor finden Sie im Handbucheintrag zum Compressor-Gerät (siehe 22.5).

Der Gain-Regler ermöglicht Ihnen den Pegel des Eingangssignals vor der Limiter-Bearbeitung anzuheben oder abzusenken.

Der Ceiling-Parameter bestimmt den absoluten, maximalen Ausgangspegel des Limiters. Wenn Ihr Eingangssignal keine über dem Ceiling-Wert liegenden Pegelspitzen enthält, nimmt Limiter auch keine Bearbeitung am Signal vor.

Der Stereo/L/R-Schalter legt fest, wie Limiter Pegelspitzen behandelt, die nur auf einer Seite im Stereopanorama auftreten. Im L/R-Modus arbeitet Limiter wie zwei einzelne Geräte mit unabhängigem Limiting für jeden Kanal. Im Stereo-Modus wird das Limiting auf beiden Kanälen angewendet, sobald auf einem der Kanäle Pegelspitzen auftreten, die eine Kompression erforderlich machen. Der L/R-Modus ermöglicht Limiter eine stärkere Kompression, die jedoch auch Verschiebungen im Stereobild zur Folge hat.

Das Lookahead-Wahlmenü beeinflusst die Reaktionsgeschwindigkeit des Limiters auf Pegelspitzen. Kürzere Lookahead-Zeiten erlauben eine stärkere Kompression, führen jedoch zu einem Anstieg von Verzerrungen, insbesondere im Bassbereich.

Der Release-Regler bestimmt, wie lange Limiter benötigt, um in den Normalbetrieb zurückzukehren, nachdem der Signalpegel unter den Ceiling-Wert fällt. Ist Auto aktiviert, analysiert Limiter das Eingangssignal und stellt eine geeignete Release-Zeit automatisch ein.

Die Pegelanzeige ermöglicht eine optische Kontrolle über die am Signal vorgenommene Pegelabsenkung (Gain Reduction).

Beachten Sie, dass Geräte oder Kanal-Fader, die im Signalfluss hinter Limiter liegen, weiteren Pegel hinzufügen können. Um sicherzustellen, dass Ihr abschließendes Ausgangssignal absolut keine Übersteuerung enthält, setzen Sie Limiter als letztes Gerät in die Gerätekette der Masterspur ein und stellen Ihren Masterfader auf einen Wert kleiner oder gleich 0 dB.

22.21 Looper

Looper.png
Der Looper-Effekt.

(Hinweis: Der Looper-Effekt ist in der Lite-Edition nicht verfügbar.)

Looper ist ein Audio-Effekt, der auf der klassischen Echtzeit-Looper-Hardware basiert. Er ermöglicht Ihnen die Aufnahme und Schleifenwiedergabe (Looping) von Klängen und somit das Erzeugen von endlosen Overdubs, die synchron zu Ihrem Set abgespielt werden. Wenn das Set nicht wiedergegeben wird, kann Looper das eingehende Audiomaterial analysieren und Lives Tempo anpassen. Sie können vor der Aufnahme auch eine Loop-Länge vorbestimmen, sodass Live sein Tempo automatisch anpasst und Ihr Loop somit in die angegebene Taktzahl hineinpasst. Darüberhinaus können Audiodateien in Looper importiert werden, z.B. als Basis für neues Overdub-Material. Auch lassen sich Audiodateien als neue Clips aus Looper exportieren.

In der oberen Hälfte von Loopers Oberfläche befindet sich eine große Anzeige, die Ihnen eine optimale Lesbarkeit während Ihrer Performance bietet. Bei der Aufnahme wird die gesamte Anzeige rot. Nach Abschluss der Aufnahme zeigt sie die aktuelle Position im Loop und die gesamte Looplänge in Takten und Schlägen an.

Loopers Transport-Taster arbeiten ähnlich wie die anderen Transportsteuerungen in Live. Die Aufnahme-Taste startet die Aufnahme des Eingangssignals, solange bis eine andere Taste gedrückt wird. Durch die Aufnahme werden alle momentan in Looper gespeicherten Audiodaten überschrieben. Mit Overdub werden ständig weitere Aufnahmelayer des Eingangssignals hinzugefügt, die alle die Länge des ursprünglich aufgenommenen Materials haben. Die Play-Taste gibt den momentanen Zustand von Loopers Pufferspeicher wieder, ohne neues Material aufzunehmen. Die Stop-Taste stoppt die Wiedergabe.

Das Verhalten der Transportsteuerung ändert sich abhängig davon, ob Lives Wiedergabe läuft oder nicht. Bei laufender Wiedergabe verhält sich Looper wie ein Clip und unterliegt der globalen Quantisierung, deren Wert im Quantisierungs-Wahlmenü (siehe 4.11)eingestellt werden kann. Wird die Wiedergabe in Live gestoppt, schaltet sich sofort Loopers eigene Transportsteuerung ein, unabhängig von der Quantisierungs-Einstellung.

Die Clear-Taste löscht Loopers Puffer. Wenn Sie Clear im Overdub-Modus bei laufender Wiedergabe drücken, wird nur der Inhalt des Puffers gelöscht, Tempo und Länge bleiben jedoch erhalten. Das Drücken von Clear in irgendeinem der anderen Modi löscht auch die Einstellungen für Tempo und Länge.

Die Undo-Taste löscht alle Overdubs, die seit dem letzten Drücken der Overdub-Taste gemacht wurden. Ihre ursprüngliche Aufnahme und alle in vorherigen Durchläufen gemachten Overdubs bleiben jedoch erhalten. Nach Drücken von Undo wechselt der Taster zu Redo. Der Redo-Speicher wird dann durch das Material ersetzt, das mit dem letzten Undo-Befehl gelöscht wurde.

Die große Taste unter der Transportsteuerung ist die Multi-Transport-Taste. Wie bei den normalen Transporttasten ändert sich das Verhalten dieser Taste abhängig von Loopers momentanem Wiedergabe-Status und ob bereits Material aufgezeichnet wurde oder nicht. Ist der Puffer leer, startet ein einzelner Mausklick die Aufnahme. Befindet sich Looper im Aufnahme-, Overdub- oder Stop-Modus schaltet ein einzelnes Drücken des Pedals wieder auf den Play-Modus um. Während der Wiedergabe wechselt Looper durch einmaliges Drücken in den Overdub-Modus und ermöglicht so das einfache hin und her schalten zwischen Overdub und Wiedergabe, jeweils mit einem einzigen zusätzlichen Pedaldruck.

Schnelles zweifaches Drücken der Taste stoppt Looper entweder aus dem Play- oder Overdub-Modus. Das Drücken und Halten der Taste für zwei Sekunden im Wiedergabe-Modus aktiviert Undo oder Redo. Drücken und Halten des Pedals für zwei Sekunden im Stop-Mods hingegen löscht Loopers Puffer.

27510.png
Übersicht über das Verhalten von Loopers Multi-Transport-Taste

Loopers Multi-Transport-Taste wurde für den Einsatz mit einem MIDI-Fußschalter optimiert. Um ein Pedal zuzuordnen, gehen Sie in den MIDI-Zuweisungs-Modus (siehe 26.2.1), klicken auf die Taste und drücken dann Ihr angeschlossenes Pedal. Danach verlassen Sie den MIDI-Zuweisungs-Modus.

Das Tempo-Control-Wahlmenü beeinflusst den Zusammenhang zwischen Loopers Tempo und dem globalen Tempo von Live:

  • None : Loopers internes Tempo ist vollkommen unabhängig von Lives globalem Tempo.
  • Follow song tempo : Loopers Wiedergabegeschwindigkeit wird so angepasst, dass das aufgenommene Material mit dem globalen Tempo von Live abgespielt wird.
  • Set & Follow song tempo : Hierbei wird das globale Tempo von Live an das Tempo des in Looper aufgenommenen Materials angepasst. Alle nachfolgenden Änderungen an Lives globalem Tempo ändern auch die Geschwindigkeit von Loopers Wiedergabe, so dass das aufgenommene Material mit dem neuen globalen Tempo abgespielt wird.

Mit dem Record-Length-Wahlmenü kann die Aufnahmelänge des Materials eingestellt werden. Seine Auswirkungen ändern sich abhängig davon, ob Lives globaler Transport läuft oder nicht und können auch Lives globales Tempo bestimmen, abhängig von der Einstellung im Tempo-Control-Wahlmenü, :

  • Bei laufendem Song : Wenn Loopers Record-Length-Wahlmenü auf den Standardwert "x bars" gestellt ist, nimmt Looper solange auf, bis ein anderer Transport-Taster gedrückt wird. Wenn Sie eine bestimmte Taktanzahl für die Aufnahmelänge festlegen, indem Sie eine andere Option im Wahlmenü auswählen, nimmt Looper nur diese festgelegte Taktanzahl auf und schaltet dann auf Play oder Overdub um, je nachdem, was mit dem Taster, der neben dem Wahlmenü liegt, festgelegt wurde.
  • Bei nicht laufendem Song : Wenn Loopers Record-Length-Wahlmenü auf den Standardwert "x bars" gestellt ist, versucht Looper das Tempo des aufgenommenen Materials zu schätzen, sobald Sie Overdub, Play oder Stop drücken. Dies kann jedoch dazu führen, dass das Tempo doppelt oder halb so schnell wie gewünscht ist. Wenn Sie zuerst eine feste Anzahl an Takten bestimmen, stellt Looper das Tempo so ein, dass Ihre Aufnahme genau in diese Zeitspanne hineinpasst.

Das Song-Control-Wahlmenü bestimmt, wie Loopers Transportsteuerung den globalen Transport von Live beeinflusst:

  • None bedeutet, dass Loopers Transportsteuerung keinen Einfluss auf den globalen Transport von Live besitzt.
  • Start Song startet Lives globalen Transport, sobald Looper in den Play- oder Overdub-Modus geht. Loopers Stop-Taste hat jedoch keinen Einfluss auf den globalen Transport.
  • Start & Stop Song verknüpft Lives globalen Transport fest mit der Transportsteuerung von Looper. Das Betreten des Play- oder Overdub-Modus startet Lives Transport, während das Drücken von Loopers Stop-Taste den Transport von Live stoppt.

Die "\\2"-Taste verdoppelt die Länge des Aufnahme-Puffers in Looper. Das gesamte, bereits aufgenommene Material wird einfach dupliziert. Dies ermöglicht Ihnen zum Beispiel zunächst eine Serie mit eintaktigen Ideen aufzunehmen und dann eine zweitaktige Ideenfolge darüberzulegen. Länge und Tempo von Loopers Puffer werden im Display-Bereich angezeigt.

Auf ähnliche Weise halbiert die ":2"-Taste die Länge des aktuellen Puffers. Das Material in der momentan wiedergegebenen Hälfte wird behalten, während die andere Hälfte gelöscht wird.

Der "Drag me!"-Bereich in der Anzeige ermöglicht Ihnen den Export von Loopers Pufferspeicher als neue Audiodatei. Sie können den Inhalt direkt in den Browser oder auf eine Spur ziehen und somit einen neuen Clip erzeugen. Der Warp-Modus des neu erzeugten Clips wird standardmäßig auf Re-Pitch (siehe 9.3.4) eingestellt. Sie können auch Audio-Dateien in den "Drag me!"-Bereich ziehen, wodurch die Inhalte von Loopers Puffer ersetzt werden. Dieses Material lässt sich dann beispielsweise als Basis für weitere Overdubs verwenden.

Der Speed-Regler steuert Loopers Wiedergabegeschwindigkeit (und somit auch die Tonhöhe des Material). Mit den Up- und Down-Pfeiltastern auf der linken Seite lässt sich die Tonhöhe in Oktavschritten nach oben oder unten ändern (durch Verdopplung oder Halbierung der Wiedergabegeschwindigkeit). Diese Tasten unterliegen den Einstellungen des Quantisierungs-Wahlmenüs.

Eine Aktivierung des Reverse-Tasters spielt das bereits aufgezeichnete Material rückwärts ab. Alle Overdubs, die Sie nach der Aktivierung von Reverse aufnehmen, werden dann vorwärts abgespielt. Beachten Sie bitte, dass ein nachfolgendes Deaktivieren von Reverse dieses Verhalten wieder umkehrt; das ürsprüngliche Material wird dann wieder vorwärts abgespielt, die mit aktiver Reverse-Funktion gemachten Overdubs hingegen rückwärts. Das Aktivieren der Reverse-Funktion unterliegt den Einstellungen des Quantisierungs-Wahlmenüs.

Feedback legt die Lautstärke des bereits aufgenommenen Materials fest, das beim Overdub wieder zurück in Looper geleitet wird. Steht der Wert auf 100%, wird die Lautstärke der bereits gemachten Aufnahmen nicht geändert. Bei 50% halbiert sich die Lautstärke mit jeder Wiederholung. Sämtliche Änderungen des Feedback-Werts zeigen bis zur nächsten Wiederholung keine Auswirkung. Beachten Sie, dass Feedback keinen Einfluss im Play-Modus besitzt; jede Wiederholung hat die gleiche Lautstärke.

Das Input -> Output-Wahlmenü bietet vier Optionen, um den Eingang von Looper abzuhören:

  • Always ermöglicht das Eingangssignal immer abzuhören und zwar unabhängig von Loopers Wiedergabe- oder Aufnahme-Status. Always wird normalerweise gewählt, wenn Looper als Effekt auf einer einzigen Spur eingesetzt wird.
  • Never bedeutet, dass das Eingangssignal nie zu hören ist. In der Regel wird Never gewählt, wenn Looper als Effekt auf einer Return-Spur eingesetzt wird und dabei sein Eingang von den Sends mehrerer anderer Spuren gespeist wird.
  • Rec/OVR bedeutet, dass der Eingang nur im Aufnahme- und Overdub-Modus zu hören ist, jedoch nicht, wenn Looper im Play-Modus oder gestoppt ist. Dies ist besonders nützlich, wenn das Eingangssignal auf mehrere Spuren verteilt werden muss, die jeweils einen eigenen Looper enthalten. Wird jeder dieser Looper von einem eigenen Fußpedal gesteuert, können Sie den Aufnahme- und Wiedergabe-Status umschalten, ohne sich während des Spielens um die Monitoreinstellungen kümmern zu müssen.
  • Rec/OVR/Stop ermöglicht das Abhören des Eingangs, außer wenn sich Looper im Wiedergabe-Modus befindet. Die Funktion ähnelt Beat Repeats (siehe 22.4) Insert-Modus und kann zum Aufnehmen von Material benutzt werden, das Ihr Live-Spielen plötzlich unterbricht.

22.21.1 Feedback-Routing

Looper kann sowohl Quelle als auch Ziel für das interne Routing (siehe 14.6) zu anderen Spuren sein. Hierdurch können Sie z.B. mit Looper Overdubs erzeugen, bei denen das Feedback-Signal immer wieder neu über die Effekt-Geräte anderer Spuren läuft. Um dies zu erreichen:

  1. Fügen Sie Looper auf einer Spur ein.
  2. Nehmen Sie mindestens einen Durchgang mit Audio-Material in Looper auf.
  3. Erzeugen Sie eine andere Audio-Spur.
  4. In den oberen Audio From- und Audio To-Wahlmenüs dieser neuen Spur, wählen Sie die Spur aus, die Looper enthält.
  5. In den beiden unteren Eingänge/Ausgänge-Wahlmenüs der neuen Spur, wählen Sie als Abgriffpunkt jeweils "Insert-Looper" aus.
  6. Schalten Sie den Monitor-Wahlschalter dieser Spur auf "In."
  7. Fügen Sie der Geräte-Kette dieser neuen Spur zusätzliche Effekt-Geräte hinzu.
  8. Aktivieren Sie in Looper den Overdub-Modus.

Loopers Ausgangssignal wird nun durch die Gerätekette der anderen Spur und wieder zu seinem eigenen Eingang zurück geroutet. Hierdurch steigert sich mit jedem Durchgang die Stärke der Effektbearbeitung für die Overdub-Layer.

22.22 Multiband Dynamics

MultibandDynamics.png
Der Multiband-Dynamics-Effekt.

(Hinweis: Der Multiband-Dynamics-Effekt ist in den Intro- und Lite-Editionen nicht verfügbar.)

Das Multiband-Dynamics-Gerät ist ein flexibles Werkzeug zur Änderung der Dynamik von Audiomaterial. Hauptsächlich als Mastering-Effekt konzipiert, ermöglicht Multiband Dynamics die Anwendung verschiedener Kompressions- und Expansions-Arten mit maximal drei unabhängigen Frequenzbändern, von denen jedes Band eine regelbare Übergangsfrequenz und eigene Hüllkurven-Parameter besitzt. Jeder Frequenzbereich hat sowohl einen oberen als auch unteren Threshold, was die gleichzeitige Dynamikbearbeitung mit zwei Kompressionsarten pro Band ermöglicht.

22.22.1 Dynamikbearbeitung: Theorie

Um das Multiband-Dynamics-Gerät besser zu verstehen, hilft es, die vier verschiedenen Methoden zu kennen, mit denen die Dynamik eines Signals beeinflusst werden kann.

Normalerweise ist mit dem Begriff "Kompression" das Absenken von Signalpegeln gemeint, die einen Threshold überschreiten. Auf diese Weise funktioniert Lives Compressor (siehe 22.7). Sie wird präziser auch als Downward-Kompression bezeichnet, da der Pegel von lauten Signalen verringert und der Dynamikbereich eingeschränkt wird. Es ist jedoch auch möglich, die Signaldynamik einzuschränken, indem Signalpegel, die sich unter einem Threshold befinden, angehoben werden. Diese weitaus weniger gebräuchliche Kompressionsform wird auch Upward-Kompression genannt. Wie bei dem folgenden Diagramm ersichtlich, führt die Anwendung von beiden Kompressionsarten zu einem Signal, das einen kleineren Dynamikumfang als das ursprüngliche Signal hat.

27563.png
Downward- und Upward-Kompression.

Das Gegenteil von Kompression ist Expansion. Ein typischer Expander verringert den Pegel von Signalen, die sich unter einem Threshold befinden. Nach diesem Prinzip arbeitet auch Lives Gate (siehe 22.17), was präziser auch als Downward-Expansion bezeichnet wird, da der Pegel von leisen Signalen weiter verringert und somit der Dynamikbereich erweitert wird. Es ist jedoch auch möglich, den Dynamikbereich eines Signals zu erweitern, indem Signalpegel, die über einem Threshold liegen, weiter angehoben werden. Ähnlich der Upward-Kompression wird diese Technik auch als Upward-Expansion bezeichnet und ist weitaus weniger verbreitet. Das folgende Diagramm zeigt, dass beide Expansionsarten zu einem Signal mit höherem Dynamikumfang führen.

27580.png
Downward- und Upward-Expansion.

Eine Zusammenfassung:

  • Downward-Kompression (verbreitet): macht laute Signale leiser
  • Upward-Kompression (weniger verbreitet): macht leise Signale lauter
  • Downward-Expansion (verbreitet): macht leise Signale leiser
  • Upward-Expansion (weniger verbreitet): macht laute Signale lauter

Das Multiband-Dynamics-Gerät ermöglicht die Bearbeitung mit allen vier Methoden. Da das Gerät darüberhinaus die Eingangssignale in drei Frequenzbänder aufteilen kann und jedes Band sowohl einen unteren als auch oberen Threshold besitzt, bietet eine Instanz des Multiband-Dynamics-Effekts insgesamt sechs Arten an Dynamikbearbeitung gleichzeitig.

22.22.2 Oberfläche und Parameter

Die High- und Low-Taster schalten die gleichnamigen High- und Low-Bänder ein oder aus. Sind beide Eckbänder ausgeschaltet, funktioniert das Gerät als normaler, einbandiger Kompressor. In diesem Fall beeinflussen nur die Mid-Parameter das Eingangssignal. Mit den Frequency-Reglern unter den High- und Low-Tasten können die Übergangsfrequenzen eingestellt werden, die wiederum den Frequenzbereich für jedes Band festlegen. Wenn Low-Frequency auf 500 Hz und High-Frequency auf 2000 Hz gestellt ist, dann reicht das tiefe Band von 0 Hz bis 500 Hz, das mittlere von 500 Hz bis 2000 Hz und das hohe von 2000 Hz bis zur höchsten Frequenz, die mit der eingestellten Samplingrate oder Ihrer Hardware erreicht werden kann.

Jedes Band hat einen Aktivierungs- und Solo-Schalter. Wird ein Band auf diese Weise deaktiviert, werden seine Kompressions/Expansions- und Gain-Parameter umgangen. Das Solo-Hören eines Bandes schaltet die anderen Bänder stumm. Der Input-Regler erhöht oder verringert den Eingangspegel für jedes Band getrennt, noch bevor die Dynamikbearbeitung durchgeführt wird. Die Output-Regler rechts von der Anzeige bestimmen hingegen den Ausgangspegel für die Bänder nach der Bearbeitung.

Der Anzeige-Bereich ermöglicht Ihnen nicht nur eine optische Kontrolle über Ihre Dynamikbearbeitung, sondern auch das Einstellen der relevanten Kompressions- bzw. Expansions-Parameter. Für jedes Band wird der Ausgangspegel mit den großen Balken und der Eingangspegel vor der Bearbeitung mit den kleinen gelben Balken angezeigt. Wird keine Dynamikbearbeitung ausgeführt, liegt die Eingangsanzeige auf einer Linie mit der Ausgangsanzeige. Die Skalierung im unteren Displaybereich zeigt einen dB-Wert. Wenn Sie den Pegel oder die Dynamikbearbeitung für ein Band einstellen, können Sie sehen, wie sich der Ausgangspegel im Vergleich zum Eingangspegel ändert.

Wenn Sie mit der Maus über die Anzeige gehen, ändert sich der Cursor zur Klammer, sobald er sich den Seiten rechts oder links der Blöcke nähert. Diese Blöcke repräsentieren die Signalpegel unter dem unteren (Below, kurz B) und über dem oberen (Above, kurz A) Threshold. Ein Ziehen nach links oder rechts an den Seiten dieser Blöcke stellt somit den Threshold ein. Ein Halten von Shift während des Ziehens stellt für alle Bänder den gleichen Threshold ein. Halten Sie ALT, um gleichzeitig obere und untere Thresholds für ein einzelnes Band einzustellen.

Wenn Sie mit der Maus in die Mitte eines Blocks gehen, ändert sich der Cursor zu einem Pfeilsymbol. Klicken und ziehen Sie nach oben oder unten, um das Signal innerhalb des gewählten Lautstärkebereichs lauter oder leiser zu machen. Ein Halten der Shift -Taste während des Ziehens, stellt die Lautstärke des gleichen Blocks für alle Bänder ein. Halten Sie ALT (PC) / ALT (Mac), um gleichzeitig obere und untere Thresholds für ein einzelnes Band einzustellen. Ein Doppelklick in den Bereich setzt die Lautstärke bzw. Ratio auf ihren Standardwert zurück.

Fachsprachlich entspricht eine Verkleinerung des Pegels im Block über dem Oberen Threshold (A) der Anwendung von Downward-Kompression und eine Vergrößerung der Anwendung von Upward-Expansion. Ebenso entspricht eine Verkleinerung des Pegels im Block unter dem Unteren Threshold (B) der Anwendung von Downward-Expansion, während eine Vergrößerung der Anwendung von Upward-Kompression entspricht. In allen Fällen stellen Sie in den Blöcken die Ratio des jeweiligen Kompressors oder Expanders ein.

Die Threshold- und Ratio-Parameter für alle Bänder lassen sich auch in der Spalte rechts von der Anzeige einstellen. Mit den "T", "B" und "A"-Tasten unten rechts im Anzeige-Bereich kann zwischen drei Anzeige-Modi umgeschaltet werden: Time (Attack und Release-Zeit), Below (unterer Threshold und Ratio-Wert) und Above (oberer Threshold- und Ratio-Wert), jeweils für jedes Band.

Für die oberen Thresholds (A) bestimmt Attack, wie lange für das Erreichen der maximalen Kompression oder Expansion benötigt wird, sobald der Signalpegel den Threshold überschreitet.

Release hingegegen bestimmt, wie lange das Gerät für die Rückkehr zum Normalbetrieb benötigt, nachdem der Signalpegel unter den Threshold fällt.

Ist Soft Knee aktiviert, setzt die Kompression oder Expansion eher sanft ein, sobald sich der Signalpegel dem Threshold nähert.

Der RMS/Peak-Schalter beinflusst ebenfalls wie schnell Multiband Dynamics auf Pegeländerungen reagiert. Ist Peak gewählt, reagiert das Gerät eher auf kurze Pegelspitzen im Signal. Im RMS-Modus hingegen reagiert es auf sehr kurze Pegelspitzen weniger empfindlich und die Dynamikbearbeitung startet erst, wenn der Eingangspegel den Threshold bereits für eine etwas längere Zeit überschritten hat.

Der globale Output-Regler bestimmt den Gesamt-Ausgangspegel des Geräts.

Der Time-Parameter skaliert die Zeitwerte aller Attack- und Release-Parameter. Dies ermöglicht Ihnen die Relation der Hüllkurvenzeiten zueinander zu erhalten, jedoch alle Zeiten um den gleichen Wert schneller oder langsamer einzustellen.

Der Amount-Regler bestimmt die Stärke der auf allen Bändern angewandten Kompression oder Expansion. Bei 0% besitzt jeder Kompressor/Expander eine effektive Ratio von 1, es wird also keine Bearbeitung am Signal vorgenommen.

22.22.3 Sidechain-Parameter

MultibandDynamicsSidechain.png
Der Multiband-Dynamics-Effekt mit den Sidechain-Parametern.

Normalerweise ist das komprimierte Signal mit dem Eingangssignal, das die Kompression auslöst, identisch. Bei Verwendung von Sidechaining ist es jedoch möglich, ein Signal basierend auf dem Pegel eines anderen Signals oder basierend auf einem bestimmten Frequenzband zu komprimieren. Die Sidechain-Parameter erreichen Sie, indem Sie das Multiband-Dynamics-Fenster durch Umschalten des Tasters 27618.png in seiner Titelleiste ausklappen.

Wenn Sie diesen Bereich mit dem "Sidechain"-Schalter aktivieren, können Sie jeden von Lives internen Routing-Punkten aus dem Menü darunter auswählen. Die so gewählte Signalquelle arbeitet nun anstelle des tatsächlich komprimierten Signals als Auslöser für die Kompression.

Der Gain-Regler bestimmt den Pegel des externen Sidechain-Eingangssignals; der Dry/Wet-Regler ermöglicht es Ihnen, eine Kombination aus dem externen Sidechain-Eingangssignal und dem Originalsignal als Auslöser für den Kompressor zu wählen. Steht Dry/Wet auf 100%, wird das Gerät ausschließlich von der Sidechain-Signalquelle ausgelöst. Bei 0% wird das Sidechain-Signal gar nicht genutzt. Beachten Sie, dass ein Erhöhen von Gain nicht zu einer Erhöhung der Lautstärke des Originalsignals im Mix führt. Das Sidechain-Signal dient als Auslöser für das Gerät und ist nie selbst hörbar.

Mit dem Kopfhörerschalter können Sie nur das Sidechain-Signal abhören und den Ausgang des Gates stummschalten. Da das Sidechain-Signal nicht zum Ausgang gelangt und nur als Auslöser für das Gerät arbeitet, vereinfacht Ihnen diese temporäre Abhörmöglichkeit, die Sidechain-Parameter einzustellen und das Signal zu überprüfen, das das Gerät arbeiten lässt.

22.22.4 Tipps zu den Multiband Dynamics

Multiband Dynamics ist ein mächtiges und mit umfangreichen Funktionen ausgestattetes Gerät, das gleichzeitig sechs unabhängige Bearbeitungsarten ausführen kann. Aufgrunddessen gestaltet sich der Einstieg nicht gerade leicht. Hier einige Standardanwendungen, die Ihnen das Gerät näher bringen.

Grundlagen zur Multiband-Kompression

Indem nur die oberen Thresholds benutzt werden, kann Multiband Dynamics als traditioneller "Downward"-Kompressor eingesetzt werden. Stellen Sie die Übergangsfrequenzen passend zu Ihrem Audiomaterial ein und wenden dann die Downward-Kompression an (indem Sie in den oberen Blocks im Display nach unten ziehen oder durch numerische Eingabe eines Ratio-Wertes größer 1).

De-essing

Um Ihrem Klangmaterial Schärfe zu nehmen, die durch übermäßig laute, hohe Frequenzen (wie z.B. Zischlaute) verursacht wird, aktivieren Sie nur das obere Band und stellen die Übergangsfrequenz auf ungefähr 5 kHz ein. Ändern Sie nach und nach Threshold und Ratio, um eine sanfte Downward-Kompression zu erhalten. Das Solo-Abhören des Bandes kann Ihnen helfen, Ihre Einstellungen besser einschätzen zu können. Meistens funktioniert das De-essing mit schnellen Attack- und Release-Zeiten am besten.

Dekompression

Das Steigern von Druck und Lautheit bei bereits überkomprimierten Mischungen, die fast keine verbleibenden Transienten zur Bearbeitung mehr bereitstellen, ist ein typisches Beispiel hierfür. Meistens sind diese Mischungen bereits extrem in der Lautheit maximiert, sodass kein Headroom mehr vorhanden ist. Glücklicherweise kann Upward-Expansion in solchen Situationen helfen, dem "komplett an die Wand gefahrenen" Material wieder etwas Dynamik zu geben. Um dies zu machen:

  1. Verringern Sie den Eingangspegel mit dem Input-Regler, um zusätzlichen Headroom zu gewinnen.
  2. Stellen Sie die Above-Schwellwerte der Bänder so ein, dass sie unter den höchsten Pegelspitzen liegen.
  3. Stellen Sie für jedes Band eine kleine Menge an Upward-Expansion ein. Gehen Sie dabei jedoch vorsichtig vor - extreme Upward-Expansion lässt Transienten sehr laut werden.
  4. Stellen Sie vorsichtig die Attack- und Release-Zeiten für jedes Band ein. Beachten Sie, dass im Gegensatz zur normalen Downward-Kompression, sehr schnelle Attack-Zeiten die Wahrnehmung der Transienten steigert , während langsamere Zeiten zu einem dumpferen Klang führen.

Hinweis : Wenn Sie nach Ihrer "Rettungsaktion" für die Pegelspitzen wieder einen Maximizer oder Limiter-Effekt zur Erhöhung der Lautstärke hinzufügen, kann die gewonnene Dynamik eventuell wieder verloren gehen.

22.23 Overdrive

Overdrive.png
Der Overdrive-Effekt.

(Hinweis: Der Overdrive-Effekt ist in den Intro- und Lite-Editionen nicht verfügbar.)

Overdrive ist ein Verzerrer-Effekt, der sich an den klassischen Bodeneffektpedalen orientiert, die zumeist von Gitarristen eingesetzt werden. Entgegen den meisten Verzerrer-Effekten, kann Overdrive jedoch extrem hart in die Verzerrung gefahren werden, ohne dabei die Dynamik des Signals opfern zu müssen.

Der Verzerrerstufe ist ein Bandpass-Filter vorgeschaltet, das mit einem X-Y-Feld gesteuert werden kann. Klicken und ziehen Sie die Maus entlang der vertikalen Achse, um die Bandbreite der Filterung einzustellen. Klicken und ziehen Sie die Maus entlang der horizontalen Achse, um die Mittenfrequenz der Filterung zu bestimmen. Beide Parameter lassen sich auch mit den Reglern unter dem X-Y-Feld einstellen.

Der Drive-Regler bestimmt die Stärke der Verzerrung. Beachten Sie bitte, dass auch bei einem Wert von 0% Verzerrungen vorhanden sind!

Bei Tone handelt es sich um eine Klangregelung, die dem Verzerrer nachgeschaltet ist. Bei höheren Werten werden hohe Frequenzen im Signal verstärkt, der Klang wird heller.

Der Dynamics-Regler bestimmt, wie viel Kompression angewendet wird, wenn die Verzerrung zunimmt. Bei niedrigen Werten führen stärkere Verzerrungen zu einer Zunahme der internen Kompression und der Aufholverstärkung. Bei höheren Werten wird weniger Kompression angewendet.

Der Dry/Wet-Regler bestimmt das Mischungsverhältnis zwischen dem Original- und dem Effekt-Signal. Stellen Sie den Wert auf "100%", wenn Sie Overdrive in einer Return-Spur verwenden.

22.24 Phaser

Phaser.png
Der Phaser-Effekt.

(Hinweis: Der Phaser-Effekt ist in der Lite-Edition nicht verfügbar.)

Phaser verwendet eine Reihe von All-Pass-Filtern, um eine Phasenverschiebung im Frequenzspektrum des Klangs zu erzeugen.

Der Poles-Parameter erzeugt Kerben im Frequenzspektrum. Mit dem Feedback-Parameter kann man diesen Effekt invertieren und die Kerben in Betonungen umwandeln. Die Eckfrequenz der Filter kann mit dem Frequency-Parameter bestimmt werden, der gemeinsam mit dem Feedback-Parameter auch durch das X/Y-Bedienelement des Effekts gesteuert werden kann.

Der Effekt bietet die zwei Betriebsarten Space und Earth, die die Verteilung der Kerben im Frequenzspektrum und damit die "Farbe" des Klangs bestimmen. Dieser Effekt kann mit dem Color-Parameter weiter variiert werden.

Die Filterfrequenzen können mit einem integrierten Hüllkurvenfolger gesteuert werden: Justieren Sie die Intensität der Modulation mit dem Amount-Regler (negative Werte invertieren die Hüllkurve) und stellen Sie dann den gewünschten Hüllkurvenverlauf mit den Parametern Attack und Release ein.

Phaser besitzt auch zwei LFOs zur Modulation der Filterfrequenzen von rechtem und linkem Kanal. Sechs unterschiedliche Wellenformen stehen für diese Modulation zur Wahl: Sinus, Rechteck, Dreieck, Sägezahn aufwärts, Sägezahn abwärts und Zufall. Die Intensität, mit der der LFO die Filterfrequenzen moduliert, wird mit dem Amount-Parameter eingestellt.

Die Geschwindigkeit des LFOs lässt sich mit dem Rate-Regler in Hertz eingeben. Alternativ kann Rate auch zum Songtempo synchronisiert und in Notenwerten (zum Beispiel Sechzehntelnoten) eingestellt werden.

Der Phase-Parameter erzeugt Stereo-Effekte, indem er die Wellenformen der mit gleicher Frequenz laufenden LFOs gegeneinander verschiebt. Wenn Sie diesen Parameter auf "180" stellen, sind die beiden Wellenformen exakt gegenphasig (um 180 Grad verschoben), so dass die eine gerade das Maximum erreicht, wenn die andere am Minimum ist.

Spin verstimmt die beiden LFOs gegeneinander. Die Filter jeder Seite werden dadurch mit einer unterschiedlichen LFO-Frequenz moduliert; der Frequenzunterschied hängt vom Spin-Wert ab.

Der Dry/Wet-Regler bestimmt das Mischungsverhältnis zwischen dem Original- und dem Effekt-Signal. Stellen Sie den Wert auf 100%, wenn Sie den Phaser in einer Return-Spur verwenden.

22.25 Ping Pong Delay

PingPongDelay.png
Der Ping-Pong-Delay-Effekt

(Hinweis: Der Ping-Pong-Delay-Effekt ist in der Lite-Edition nicht verfügbar.)

Der Ping-Pong-Delay-Effekt verwendet ein einzelnes Delay, um eine Echo zu erzeugen, dessen Wiederholungen abwechselnd auf dem linken und auf dem rechten Ausgang zu hören sind.

Dem Delay folgen ein Hoch- und ein Tiefpassfilter, die über ein X/Y-Feld gesteuert werden. Klicken und ziehen Sie die Maus entlang der vertikalen Achse, um die Bandbreite der Filterung einzustellen. Klicken und ziehen Sie die Maus entlang der horizontalen Achse, um die Mittenfrequenz der Filterung zu bestimmen.

Der Wahlschalter Delay Time erlaubt es, die Delayzeit in Abhängigkeit vom Songtempo einzustellen. Die Nummern repräsentieren dabei Sechzehntelnoten. Ein Wert von "4" erzeugt demnach eine Verzögerung von vier Sechzehntelnoten, was einem Delay von einer Viertelnote entspricht. Ist der Sync-Schalter deaktiviert, wird die Delayzeit in Millisekunden ausgedrückt. In diesem Fall können Sie die Delayzeit durch Ziehen der Werte mit der Maus oder durch Klicken und Eintippen eingeben.

Ist der Sync-Schalter deaktiviert, wird die Delayzeit in Millisekunden ausgedrückt. In diesem Fall können Sie die Delayzeit durch Ziehen der Werte mit der Maus oder durch Klicken und Eintippen eingeben.

Änderungen der Polarität sind besonders gut bei hohem Feedback und kurzen Delayzeiten hörbar. Mit dem Feedback-Parameter kann der Anteil des vom Ausgang an den Eingang zurückgeführten Signals bestimmt werden.

Der Freeze-Schalter mit der Beschriftung "F" wiederholt das Audiomaterial unendlich lange, das beim Betätigen des Schalters gerade im Delay-Speicher ist und ignoriert jegliches neues Eingangssignal, solange Freeze aktiviert ist.

Der Dry/Wet-Regler bestimmt das Mischungsverhältnis zwischen dem Original- und dem Effekt-Signal. Stellen Sie den Wert auf 100%, wenn Sie Ping Pong Delay in einer Return-Spur verwenden.

Wenn Sie die Delayzeit ändern, während Ping Pong Delay noch Signale bearbeitet, können beim verzögerten Signal abrupte Klangveränderungen auftreten. Im [Rechts-Klick](PC) / [CTRL-Klick](Mac) Kontextmenü der Titelzeile des Geräts können Sie aus drei Delay-Transition-Modi wählen, die das Übergangsverhalten beim Ändern der Delayzeit klanglich bestimmen:

  • Bei Repitch variiert die Tonhöhe, wenn die Delayzeit geändert wird, ähnlich dem Verhalten alter Hardware-Delay-Geräte.
  • Bei Fade wird mit einem Crossfade zwischen der alten und neuen Delayzeit übergeblendet. Wird die Delay-Zeit allmählich geändert, klingt dies ähnlich wie Time-Stretching. Der Fade-Modus ist die Standardeinstellung.
  • Bei Jump wird sofort zur neuen Delayzeit gesprungen. Beachten Sie, dass bei dieser Einstellung hörbare Klicks entstehen, wenn die Delayzeit, während die Delays noch erklingen, geändert wird. Der Jump-Modus entspricht dem Standardverhalten vor Live 8. Beim Einladen von Sets, die mit früheren Versionen erzeugt wurden, wird Jump automatisch selektiert.

22.26 Redux

Redux.png
Der Redux-Effekt

Der LoFi-Sound eines Ensoniq Mirage, Fairlight CMI oder Commodore-64 lässt Sie nostalgisch werden? Kein Problem: Der Redux-Effekt führt uns zurück in die digitale Audio-Frühzeit, indem er die Samplingrate und die Bitauflösung des Eingangssignals reduziert.

Der Downsample-Bereich hat zwei Parameter: "Downsample" und einen Mode-Schalter.

Wenn der Downsample-Parameter auf "1" steht, wird jedes einzelne Samplewort an den Ausgang geleitet, wodurch keine Klangänderung entsteht. Mit der Einstellung "2" wird nur jedes zweite Samplewort durchgelassen, wodurch der Klang schon etwas "digitaler" wird. Je höher der gewählte Wert, desto niedriger ist die resultierende Samplingrate und desto "dekonstruierter" wirkt auch der Klang. Das Reduzieren der Samplingrate wirkt wie das Anwenden eines Mosaik-Effekts auf ein Bild: Es gehen Informationen verloren und es entstehen scharfe Ecken zwischen den einzelnen Blöcken.

Der Mode-Schalter bestimmt, ob beim Reduzieren der Samplingrate in einem kleineren Bereich interpoliert ("soft," bis zu 20 Samples) oder in einem größeren Bereich nicht interpoliert wird ("hard," bis zu 200 samples).

Während die Reduzierung der Samplingrate aber eine zeitliche Rasterung des Signals bewirkt, kommt es hier zu einer Rasterung der Amplitude.

Wenn der Parameter auf 8 gestellt wird, werden die Amplitudenwerte auf 256 Stufen quantisiert (8-Bit-Auflösung). Bei einer Einstellung von 1 ist das Ergebnis äußerst brutal: jedes Samplewort hat dann entweder die volle positive oder negative Aussteuerung, dazwischen gibt es nichts.

Die Reduzierung der Bitauflösung definiert ein Eingangssignal von 0dB als 16 Bit. Signale über 0dB werden abgeschnitten, in einem solchen Fall leuchtet die rote LED.

Das Ausschalten der Bit Reduction vermindert etwas die CPU-Last.

22.27 Die Tuning-Parameter eines Resonators

Resonators.png
Der Resonator-Effekt

(Hinweis: Der Resonator-Effekt ist in den Intro- und Lite-Editionen nicht verfügbar.)

Dieser Effekt besteht aus fünf parallelen Resonatoren, die dem Eingangssignal einen tonalen Charakter aufprägen. Er kann eine Vielzahl an Klängen erzeugen, von gezupften Saiten bis zu Vocoder-artigen Effekten. Die Resonatoren werden in Halbtönen gestimmt, was eine musikalische Herangehensweise an ihre Einstellung erlaubt. Der erste Resonator bestimmt die Grundtonhöhe, während die anderen vier relativ dazu in musikalischen Intervallen gestimmt werden.

Das Eingangssignal passiert zuerst ein Filter und wird dann in die Resonatoren eingespeist. Beim Filter für das Eingangssignal stehen vier verschiedene Filtertypen zur Wahl: Tiefpass, Bandpass, Hochpass und Notch. Die Eckfrequenz kann mit dem Frequency-Parameter eingestellt werden.

Der erste Resonator wird mit dem kombinierten Signal des linken und des rechten Kanals gespeist, der zweite und vierte mit dem Signal des linken und der dritte und fünfte mit dem des rechten Kanals.

Der Note-Parameter bestimmt die Grundtonhöhe aller Resonatoren im Bereich von C-1 bis C5. Mit dem Fine-Parameter kann auch eine Feinstimmung in Schritten von hundertstel Halbtönen vorgenommen werden. Der Decay-Parameter entscheidet darüber, wie lange die Resonatoren nach dem Zuführen eines Eingangsignal nachklingen. Je länger die Decayzeit ist, desto tonaler wird der das Ergebnis sein, ähnlich wie bei einer ungedämpften Klaviersaite. Wie bei einer echten Saite hängt die Abklingzeit von der Tonhöhe ab; bei hohen Noten ist sie kürzer als bei tiefen. Mit dem Const-Schalter kann dieses Verhalten deaktiviert werden, die Resonatoren klingen dann unabhängig von der Tonhöhe immer gleich lang aus.

Der Resonator-Effekt bietet zwei verschiedene Betriebsarten: Mode A bietet eine realistischere Resonanz, während Mode B einen Effekt erzeugt, der besonders bei niedrigen Einstellungen des Note-Parameters von Resonator I interessant klingt.

Der Obertongehalt des Klangs kann mit dem Color-Parameter bestimmt werden.

Alle Resonatoren besitzen einen On/Off-Schalter und einen Gain-Parameter. Ein ausgeschalteter Resonator benötigt keine Rechenleistung. Das Ausschalten des ersten Resonators beeinflusst nicht die anderen Resonatoren.

Die Resonatoren II bis V folgen dem für Resonator I eingestellten Note-Wert, können aber mit den Pitch-Parametern individuell um +/- 24 Halbtöne transponiert und mit den Detune-Parametern in Cents feingestimmt werden.

Im Ausgangsbereich findet sich der obligatorische Dry/Wet-Parameter sowie ein Width-Regler, der die Stereobreite des Effektsignals beeinflusst und bei einem Wert von Null die linke und die rechte Seite zu einem Monosignal zusammenmischt.

22.28 Reverb

Reverb.png
Der Reverb-Effekt

22.28.1 Bearbeitung des Eingangssignals

Das Eingangssignal passiert zuerst ein Tiefpass- und ein Hochpassfilter. Ein X/Y-Bedienelement erlaubt das Einstellen der Filtereckfrequenz (X-Achse) und der Bandbreite (Y-Achse). Um die CPU-Last zu vermindern, kann jedes Filter abgeschaltet werden, falls es nicht gebraucht wird.

Pre-Delay bestimmt die Verzögerung bis zum Erklingen der Erstreflektionen (in Millisekunden) und damit auch des gesamten Halls gegenüber dem Eingangssignal. Der Eindruck von der Größe eines echten Raums hängt zum Teil von dieser Verzögerung ab. Typische Werte für "echte" Räume liegen im Bereich von 1ms bis 25 ms.

22.28.2 Erstreflektionen

Dies sind die ersten hörbaren Rückwürfe von den Wänden eines Raums, bevor sich die diffuse Hall-"Fahne" aufbaut. Die Amplitude und Verteilung der Erstreflektionen gibt einen Eindruck von der Beschaffenheit des Raums.

Der Shape-Parameter "formt" die Betonung der frühen Reflektionen und ihre Überlappung mit der diffusen Hallfahne. Kleinere Werte führen dazu, dass die Erstreflektionen langsamer ausklingen und die diffuse Hallfahne früher einsetzt, wodurch es zu einer längeren Überlappung dieser beiden Komponenten kommt. Größere Werte lassen die Erstreflektionen schneller abklingen und die Hallfahne später einsetzen. Höhere Werte verbessern manchmal die Verständlichkeit des Signals, während kleinere Werte ein sanfteres Ausklingen bewirken können.

Der Spin-Parameter moduliert die Erstreflektionen. Mit dem X/Y-Feld wird die Intensität und Frequenz der Modulation eingestellt. Eine stärkere Modulation neigt dazu, ein verfärbungsärmeres (spektral neutraleres) Ausklingen zu bewirken. Wenn die Modulationsfrequenz zu hoch ist, treten Dopplereffekte beim Eingangssignal auf, zusammen mit surrealen Panning-Effekten. Spin kann mit dem dazugehörigen Schalter deaktiviert werden, um die CPU-Last etwas zu vermindern.

22.28.3 Globale Einstellungen

In dem Quality-Flipmenü kann ein Kompromiss zwischen Hallqualität und Leistungshunger des Effekts gewählt werden: Die Eco-Option belastet die CPU am wenigsten, die High-Einstellung liefert den besten Hall. Die Economy-Option (Eco) belastet die CPU am wenigsten, die First-Class-Einstellung "High" liefert den besten Hall.

Der Size-Parameter hat einen maßgeblichen Einfluss auf die Wahrnehmung der Raumgröße. Eine extrem große Raumeinstellung verleiht dem Hall einen etwas verwaschenen, diffusen Delay-Charakter. Eine extrem kleine Raumgröße führt hingegen zu starken metallischen Klangfärbungen.

Der Stereo-Image-Parameter bestimmt die Stereobreite des Ausgangssignals. Bei der Maximaleinstellung von 120 Grad erhält jedes Ohr die Informationen eines individuellen Hallkanals, der nichts mit dem anderen Kanal zu tun hat. (Dies ist auch eine Eigenschaft der Diffusion in echten Räumen.)

22.28.4 Das Diffusions-Netz

Das Diffusions-Netzwerk erzeugt die Hallfahne, die auf die Erstreflektionen folgt. Die Decayzeit bestimmt, wie lange es dauert, bis die Hallfahne auf ein 1/1000stel (-60 dB) ihrer ursprünglichen Amplitude abgeklungen ist.

Die Kuhschwanzfilter für Höhen und Bässe ermöglichen ein frequenzabhängiges Abklingverhalten des Halls. Das Absenken der Höhen ahmt die Absorption höherer Frequenzen nach, die in echten Räumen durch Luft, Wände, Menschen, Teppiche und so weiter verursacht wird. Das Absenken der Bässe führt zu einem dünner werdenden Klang während des Ausklingens. Jedes Filter kann separat ausgeschaltet werden, um die CPU-Last zu reduzieren.

Der Freeze-Schalter unterbindet auf Wunsch das Abklingen der Hallfahne. Ist er aktiviert, klingt der Hall annähernd ewig aus. Der Cut-Schalter modifiziert diesen Effekt, indem er verhindert, dass das Eingangssignal weiter zu der eingefrorenen Hallfahne addiert wird; ist er ausgeschaltet, wird es weiterhin in den Hall eingespeist. Der Flat-Schalter umgeht auf Wunsch bei aktiver Freeze-Funktion die beiden Kuhschwanzfilter für das frequenzabhängige Abklingen. Ist Flat ausgeschaltet, verliert die Hallfahne nach Maßgabe der beiden Filtereinstellungen Energie.

Die Parameter Echo Density und Scale bieten weitere Möglichkeiten, die Dichte und Rauheit des diffusen Hallanteils zu kontrollieren. Sie haben besonders bei sehr kleinen Raumgrößen einen starken Einfluss auf die klangliche Färbung während des Abklingens.

Die Chorus-Abteilung versieht die diffuse Hallfahne mit etwas zusätzlicher Modulation und Bewegung. Wie beim Spin-Effekt, können Sie die Frequenz und die Amplitude der Modulation einstellen und den Effekt gegebenenfalls ausschalten.

22.28.5 Ausgang

Mit den letzten drei Parametern des Reverbs können Sie das Mischungsverhältnis zwischen Eingangssignal und Hall (Dry/Wet) sowie die Lautstärken der Erstreflektionen (Reflect Level) und der diffusen Hallfahne (Diffuse Level) bestimmen.

22.29 Saturator

Saturator.png
Der Saturator-Effekt.

(Hinweis: Der Saturator-Effekt ist in der Lite-Edition nicht verfügbar.)

Saturator ist ein Waveshaping-Effekt, der Ihren Sounds die fehlende Portion Schmutz, Druck oder Wärme geben kann. Er kann Eingangssignale sanft anzerren oder sie in viele unterschiedliche Arten der Verzerrung fahren.

Eine XY-Anzeige visualisiert Saturators Shaping-Funktion. Die Eingangs- und Ausgangswerte des Shapers sind der X- beziehungsweise Y-Achse zugeordnet. Die Transferfunktion wird durch die Kurve definiert; sie zeigt, wie stark die Ausgangswerte im Verhältnis zu den Eingangswerten verändert werden. Da dies üblicherweise ein nicht-linearer Prozess ist, wird das Eingangssignal in jedem Moment in Abhängigkeit seines Pegels mehr oder weniger stark verformt.

Das Eingangssignal wird zunächst nach Maßgabe des mit Drive eingestellten dB-Werts geclippt. Die Pegelanzeige auf der rechten Seite des Displays zeigt, wie stark Saturator das Signal beeinflusst.

Für das Clippen des Signals gibt es sechs feststehende Modi: Analog Clip, Soft Sine, Medium Curve, Hard Curve, Sinusoid Fold und Digital Clip. Zusätzlich gibt es einen flexiblen Waveshaper-Modus mit sechs automatisierbaren Waveshaping-Parametern.

Die Modi Analog Clip und Digital Clip clippen das Signal komplett und sofort. Die Modi Soft Sine, Medium Curve und Hard Curve lassen das Clipping in unterschiedlichen Stufen sanfter wirksam werden. Der Modus Sinusoid Fold kann sich für spezielle Effekte lohnen.

Die drastischsten Effekte können mit der Waveshaper-Kurve erzeugt werden, die ein eigenes Set an Parametern bietet. Diese sechs Parameter erreichen Sie, indem das Saturator-Fenster mit dem 27757.png Schalter in seiner Titelleiste ausklappen.

Die sechs zusätzlichen Parameter des Waveshaper-Modus' sind: Drive, Lin, Curve, Damp, Depth und Period.

  • Drive bestimmt, wie stark das Signal durch die Waveshaper-Parameter beeinflusst wird. Steht Drive auf Null, ist kein Effekt wirksam.
  • Lin arbeitet zusammen mit den Parametern Curve und Depth und verändert den linearen Anteil der Kurve.
  • Curve addiert vor allem Harmonische dritter Ordnung zum Eingangssignal.
  • Damp senkt jegliches Signal in der Nähe des Ursprungs der Darstellung ab. Das funktioniert wie ein ultra-schnelles Noise Gate.
  • Depth kontrolliert die Amplitude einer Sinuskurve, die der Verzerrungskurve übergestülpt wird.
  • Period bestimmt die Anzahl der Wellen in der übergestülpten Sinuskurve.

Der DC-Schalter aktiviert ein Gleichsspanungsfilter in Saturators Eingangsstufe. Dies ist vor allem nützlich, um eventuell im Signal enthaltene Gleichspannungsanteile (DC Offsets) zu entfernen.

Mit dem Color-Schalter werden zwei Filter aktiviert. Der erste, der mit dem Base-Regler gesteuert wird, bestimmt wie stark der Effekt für sehr tiefe Frequenzen reduziert oder verstärkt wird. Das zweite Filter, im Wesentlichen ein Equalizer, wird für die Kontrolle der höheren Frequenzen genutzt. Seine Wirkung wird mit den Parametern Freq (Eckfrequenz), Width (Weite) und Depth (Intensität) geformt.

Der Pegel am Eingang wird mit dem Haupt-Drive-Parameter angepasst. Der Output-Parameter reduziert den Pegel am Ausgang des Geräts. ist der Soft-Clip-Schalter aktiviert, wendet Saturator eine Instanz seiner "Analog Clip"-Kurve auf den Ausgang an.

Der Dry/Wet-Regler bestimmt das Mischungsverhältnis zwischen dem Original- und dem Effekt-Signal. Stellen Sie den Wert auf 100%, wenn Sie den Saturator in einer Return-Spur verwenden.

Das Aliasing kann durch Aktivieren des Hi-Quality-Modus reduziert werden, auf den Sie mittels [Rechts-Klick](PC) / [CTRL-Klick](Mac) Kontextmenü Zugriff haben. Dies verbessert die Klangqualität -- besonders im Höhenbereich -- erhöht aber auch die CPU-Last etwas.

22.30 Simple Delay

SimpleDelay.png
Der Simple-Delay-Effekt

Das Simple Delay bietet zwei unabhängige Verzögerungsleitungen, eine für den linken und eine für den rechten Kanal.

Ist Link eingeschaltet, werden die Delay-Parameter des rechten Kanals deaktiviert und die Einstellungen für den linken Kanal auf beiden Seiten angewendet.

Der Wahlschalter Delay Time erlaubt es, die Delayzeit in Abhängigkeit vom Songtempo einzustellen. Die Nummern repräsentieren dabei Sechzehntelnoten. Ein Wert von "4" erzeugt demnach eine Verzögerung von vier Sechzehntelnoten, was einem Delay von einer Viertelnote entspricht.

Ist der Sync-Schalter deaktiviert, wird die Delayzeit in Millisekunden ausgedrückt. In diesem Fall können Sie die Delayzeit durch Ziehen der Werte mit der Maus oder durch Klicken und Eintippen eingeben.

Mit dem Feedback-Parameter kann der Anteil des vom Ausgang an den Eingang zurückgeführten Signals bestimmt werden. Intern arbeitet dieses Delay mit zwei unabhängigen Feedbackschleifen, so dass ein Signal auf dem linken Kanal nicht in den rechten eingespeist wird und umgekehrt.

Der Dry/Wet-Regler bestimmt das Mischungsverhältnis zwischen dem Original- und dem Effekt-Signal. Stellen Sie den Wert auf 100%, wenn Sie Simple Delay in einer Return-Spur verwenden.

Wenn Sie die Delayzeit ändern, während Simple Delay noch Signale bearbeitet, können beim verzögerten Signal abrupte Klangveränderungen auftreten. Im [Rechts-Klick](PC) / [CTRL-Klick](Mac) Kontextmenü der Titelzeile des Geräts können Sie aus drei Delay-Transition-Modi wählen, die das Übergangsverhalten beim Ändern der Delayzeit klanglich bestimmen:

  • Bei Repitch variiert die Tonhöhe, wenn die Delayzeit geändert wird, ähnlich dem Verhalten alter Hardware-Delay-Geräte.
  • Bei Fade wird mit einem Crossfade zwischen der alten und neuen Delayzeit übergeblendet. Wird die Delay-Zeit allmählich geändert, klingt dies ähnlich wie Time-Stretching. Der Fade-Modus ist die Standardeinstellung.
  • Bei Jump wird sofort zur neuen Delayzeit gesprungen. Beachten Sie, dass bei dieser Einstellung hörbare Klicks entstehen, wenn die Delayzeit, während die Delays noch erklingen, geändert wird. Der Jump-Modus entspricht dem Standardverhalten vor Live 8. Beim Einladen von Sets, die mit früheren Versionen erzeugt wurden, wird Jump automatisch selektiert.

22.31 Spectrum

Spectrum.png
Das Gerät Spectrum.

(Hinweis: Das Spectrum-Gerät ist in den Intro- und Lite-Editionen nicht verfügbar.)

Spectrum ermöglicht eine Echtzeit-Frequenzanalyse des Eingangssignals. Die Ergebnisse werden in einer Grafik dargestellt, deren vertikale Achse dB und deren horizontale Achse Frequenz/Tonhöhe anzeigt. Die Spitzenpegel in der Anzeige werden solange gehalten, bis der Song neu gestartet wird. Beachten Sie, dass Spectrum kein Audio-Effekt, sondern ein Messgerät ist - es verändert das durchgeleitete Signal in keiner Weise.

Im Block-Menü kann gewählt werden, wie viele Samples in einem Messdurchgang analysiert werden sollen. Höhere Werte führen zu höherer Genauigkeit, belasten aber auch die CPU stärker.

Channel bestimmt, welcher Kanal analysiert werden soll - Links, Rechts oder beide.

Der Refresh-Parameter gibt vor, wie oft Spectrum eine Analyse ausführen soll. Genau wie beim Block-Parameter gilt es auch hier, zwischen Genauigkeit und CPU-Last abzuwägen. Ein schnelleres Ansprechen ist genauer, belastet aber auch die CPU stärker.

Mit dem Avg-Parameter wählen Sie, wie viele Sample-Blöcke für jedes Auffrischen der Anzeige gemittelt werden sollen. Mit einer Einstellung von Eins wird jeder Block angezeigt. Dies führt zu mehr Aktivität in der Anzeige, was beim Finden kurzer Pegelspitzen im Spektrum hilfreich sein kann. Wird der Avg-Wert erhöht, erfolgt das Auffrischen der Anzeige weicher, sie zeigt dann den Durchschnitt des Spektrums im Zeitverlauf an. Dies entspricht eher der Art und Weise wie wir wirklich hören.

Der Graph-Schalter wechselt bei der Anzeige des Spektrums zwischen einer einzelnen interpolierten Linie und mehreren separaten Frequenzanzeigen.

Max schaltet die Anzeige auf den akkumuliert maximalen Amplitudenwert um. Ist Max aktiviert, können Sie die maximale Amplitude mit Klick ins Display zurücksetzen.

Der Scale-X-Schalter erlaubt es Ihnen, die Skalierung der Frequenzanzeige zwischen linear, logarithmisch und Halbtönen umzuschalten. Beachten Sie, dass sich logarithmisch und in Halbtönen eigentlich entsprechen, dass hier aber die Beschriftung oben in der Anzeige zwischen Hertz und Notennamen umgeschaltet wird. Die lineare Skalierung ist besonders für eine detaillierte Analyse der höheren Frequenzen gut geeignet.

Wenn Sie die Maus über Spectrums Anzeige bewegen, erscheint eine Infobox, mit der die Amplitude, die Frequenz und der Notennamen an der aktuellen Mausposition angezeigt wird. Mit den Schaltern Range/Auto unten links in Spektrums Oberfläche können Sie wählen, ob der angezeigte Dynamikumfang manuell eingestellt werden kann, oder ob er automatisch ermittelt werden soll. Ist Range gewählt, können Sie die Amplitudendarstellung scrollen und zoomen, indem Sie die Maus in der Legende an der linken Seite der Anzeige ziehen. Ziehen Sie vertikal zum Scrollen und horizontal zum Zoomen. Alternativ können Sie auch die Range-Wertefelder ändern, um jeweils den höchsten und niedrigsten angezeigten Amplitudenwert zu bestimmen. Ist hingegen Auto gewählt, skaliert sich die Anzeige automatisch, abhängig vom eingehenden Audio-Pegel. Beachten Sie bitte, dass im Auto-Modus die Range-Wertefelder und das Zooming deaktiviert sind.

Um eine noch bessere Darstellung zu erhalten, können Sie mit dem Schalter 27808.png in Spectrums Titelzeile die Platzierung der Anzeige zwischen der Gerätekette und Lives Hauptfenster umschalten.

22.32 Utility

Utility.png
Der Utility-Effekt

Der Utility-Effekt kann gerade in Verbindung mit anderen Geräten einige sehr nützliche Aufgaben erfüllen.

Der Mute-Schalter schaltet das Eingangssignal stumm, wenn er betätigt wird. Hinweis: Der Mute-Schalter eines Tracks wirkt immer ganz am Ende des Signalwegs beziehungsweise der Effektkette. Da sich der Utility-Effekt an einer beliebigen Stelle der Effektkette einsetzen lässt, können Sie seinen Mute-Schalter beispielsweise nutzen, um das Eingangssignal für ein Delay oder einen Reverb stumm zu schalten, ohne das Ausgangssignal des Effekts ebenfalls stumm zu schalten.

Der DC-Schalter filtert Gleichspannungsversätze (DC-Offsets) und extrem niedrige Frequenzen, die weit unter dem Hörbereich liegen, heraus. Er zeigt nur dann klangliche Auswirkungen, wenn das Signal solche Frequenzen enthält und es nach dem Utility-Effekt mit nichtlinearen Effekten wie Kompressoren oder Waveshapern weiter bearbeitet wird.

Der Gain-Parameter passt den Pegel des Eingangssignals im Bereich von +/- 35 dB an.

Der Kanal-Modus-Schalter erlaubt es wahlweise nur den rechten oder linken Kanal eines Stereosignals zu bearbeiten. Wenn beispielsweise Links ausgewählt ist, wird der rechte Kanal ignoriert und der linke Kanal an beide Ausgänge geleitet. Das ist sehr nützlich, wenn Sie in einer Stereo-Datei links und rechts unterschiedliche Signale haben, von denen Sie nur eines benutzen wollen.

Der Panorama-Parameter platziert das Signal im Stereofeld.

Der Width-Parameter variiert den Ausgang stufenlos zwischen mono und stereo, wenn er von 0 auf 100 Prozent geregelt wird. Jenseits von 100 Prozent beginnt der Ausgang in sich selbst "eingefaltet" zu werden. Bei 200 Prozent enthält das Ausgangssignal nur noch die Differenz zwischen dem linken und dem rechten Kanal. Ist entweder der Left- oder der Right-Schalter aktiviert, hat der Width-Parameter keine Funktion und ist deshalb inaktiv.

Ganz unten sehen Sie für jeden Kanal einen Phasenschalter. Wie der Name annehmen lässt, dienen sie zum Invertieren der Phase des jeweiligen Kanals.

22.33 Vinyl Distortion

VinylDistortion.png
Der Vinyl-Distortion-Effekt

(Hinweis: Der Vinyl-Distortion-Effekt ist in den Intro- und Lite-Editionen nicht verfügbar.)

Der Effekt Vinyl Distortion emuliert einige der typischen Verzerrungen, die bei der Wiedergabe von Vinyl-Schallplatten entstehen. Sie sind durch das geometrische Verhältnis von Nadel und Rille verursacht. Der Effekt bietet auch einen Crackle-Generator für Schallplatten-typische Knister-Effekte.

"Tracing Model" fügt dem Signal durch Verzerrung geradzahlige Harmonische hinzu. Die Intensität der Verzerrung wird mit Drive oder durch vertikales Verschieben des Punkts im Tracing-Model-X/Y-Feld bestimmt. Die Frequenz oder "Farbe" der Verzerrung kann durch horizontale Bewegung im X/Y-Feld oder im Freq-Feld bestimmt werden. Die Bandbreite wird mit gehaltener ALT (PC) / ALT (Mac) Taste durch vertikale Mausbewegung im X/Y-Feld eingestellt.

Pinch fügt dem Signal durch Verzerrung ungeradzahlige Harmonische hinzu. Diese Verzerrungen sind um 180 Grad in der Phase verschoben und erzeugen so ein verbreitertes Stereobild. Der Pinch-Effekt hat die gleichen Parameter wie der Tracing-Model-Effekt, klingt aber ziemlich anders.

Der Drive-Parameter bestimmt den Anteil der Verzerrungen, der durch Tracing Model und Pinch erzeugt wird.

Es gibt zwei verschiedene Verzerrungsvarianten: Soft und Hard. Soft ahmt den typischen Dub-Plate-Sound nach, Hard klingt mehr nach einer normalen Vinyl-Platte.

Der Stereo/Mono-Schalter bestimmt, ob der Pinch-Distortion-Effekt in Stereo oder Mono ist. Für eine realistische Simulation von Schallplattenknistern stellen Sie den Parameter auf Stereo.

Mit den Crackle-Parametern lässt sich Plattenknistern beimischen: Density bestimmt die Dichte des Knisterns, Der Volume-Parameter bestimmt seine Lautstärke.

22.34 Vocoder

Vocoder.png
Der Vocoder-Effekt.

(Hinweis: Der Vocoder-Effekt ist in den Intro- und Lite-Editionen nicht verfügbar.)

Ein Vocoder ist ein Effekt, der die Frequenzinformationen eines Audiosignals (genannt Carrier ) mit der Amplituden-Hüllkurve eines anderen Audiosignals (genannt Modulator ) verknüpft. Als Modulationsquelle dient allgemein ein Klang mit deutlich rhythmischem Charakter wie z.B. Sprache oder Schlagzeug, während es sich beim Carrier normalerweise um einen harmonisch reichhaltigen Synthesizerklang wie z.B. Streicher oder Pad handelt. Die bekannteste Vocoder-Anwendung ist das Erzeugen von "sprechenden Synthesizern" oder roboterhaften Stimmeffekten.

Vocoder arbeiten folgendermaßen: zunächst werden sowohl das Carrier- als auch das Modulator-Signal durch jeweils eine Filterbank mit Bandpassfiltern bearbeitet. Der Ausgangspegel jedes einzelnen Modulator-Filterbandes wird analysiert und der resultierende Pegelwert zur Steuerung des entsprechenden Filterbandes beim Carrier-Signal benutzt.

Lives Vocoder sollte auf eine Spur mit Audiomaterial eingefügt werden, das Sie als Modulator benutzen möchten. Das Carrier-Wahlmenü bietet dann eine Vielzahl von Optionen für das Carrier-Signal:

  • Noise benutzt Vocoders internen Rauschgenerator als Carrier-Quelle. Bei Auswahl dieser Option können Sie mit dem erscheinenden X-Y-Feld den Klangcharakter des Rauschens einstellen. Die horizontale Achse steuert den Downsampling-Wert. Klicken und ziehen Sie nach links, um die Samplingrate des Carrier-Ausgangs zu verringern. Die vertikale Achse stellt die Dichte des Rauschens ein. Klicken und ziehen Sie nach unten, um die Dichte zu verringern.
  • External ermöglicht Ihnen, jeden vorhandenen Abgriff für das interne Routing mit dem erscheinenden Wahlmenü darunter zuzuweisen. Diese Option eignet sich zum Erzeugen von klassischen "Roboter-Stimmen".
  • Modulator benutzt das Modulatorsignal selbst als Carrier. Hauptsächlich wird hierdurch eine resynthetisierte Version des Modulatorsignals ausgegeben, bei der Sie alle Vocoder-Parameter zur Klangformung einsetzen können.
  • Pitch Tracking aktiviert einen monophonen Oszillator, dessen eigene Stimmung der Tonhöhe des Modulators folgt. Die High- und Low-Parameter grenzen den Frequenzbereich ein, in dem der Oszillator versucht die Tonhöhe zu erkennen. Sie können eine Sägezahnwelle oder eine von drei Pulswellenformen wählen und die grobe Stimmung des Oszillators mit dem Pitch-Parameter einstellen. Die Tonhöhenerkennung gelingt besonders gut bei monophonen Modulatorquellen, wie z.B. melodischen Instrumenten oder Stimmen. Beachten Sie, dass der Oszillator seine Frequenz nur aktualisiert, wenn er eine klare Tonhöhe erkennt. Diese Tonhöhe wird dann solange beibehalten, bis eine neue erkannt wird. Dies bedeutet, dass Parameter-Änderungen des Oszillators oder ein Zurücksetzen der Parameter (zum Beispiel beim Integrieren der Vocoder-Spur in eine Gruppe (siehe 15.3) ) zu unerwarteten Klangveränderungen führen kann. Bei polyphonem Material oder Schlagzeug ist das Ergebnis des Pitch-Trackings eher unvorhersehbar (aber manchmal auch sehr interessant).

Insbesondere beim Einsatz von externen Carrier-Quellen kann das Ausgangssignal eines Vocoders manchmal zu viele Höhen verlieren. Die Aktivierung der Enhance-Taste sorgt für ein helleres Klangbild, indem Spektrum und Dynamik des Carriers normalisiert werden.

Der Unvoiced-Regler bestimmt die Lautstärke eines zusätzlichen Rauschgenerators, der zur Resynthese von stimmlosen Klanganteilen des Modulatorsignals benutzt wird, wie z.B. "f" und "s"-Lauten.

Sens. stellt die Empfindlichkeit des Erkennungs-Algorithmus von Unvoiced ein. Bei 100% ist der Unvoiced-Rauschgenerator immer zugeschaltet. Bei 0% wird ausschließlich die Carrier-Quelle benutzt. Der Fast/Slow-Schalter bestimmt, wie schnell Vocoder zwischen Unvoiced und Voiced-Erkennung umschaltet.

Das große, in der Mitte liegende Display von Vocoder zeigt die Pegel der einzelnen Bandpass-Filter an. Ein Klicken oder Ziehen bei gehaltener Maustaste innnerhalb des Anzeigefelds ermöglicht Ihnen die Pegelwerte einzuzeichnen.

Der Bands-Parameter bestimmt die Anzahl der benutzten Filterbänder. Je mehr Bänder eingestellt werden, um so genauer wird die Analyse des Frequenzinhalts für den Modulator ausgeführt, was jedoch auch eine höhere CPU-Leistung erfordert.

Die beiden Range-Parameter bestimmen den Frequenzbereich in dem die Bandpass-Filter arbeiten. Für die meisten Quellen ist eher ein großer Bereich geeignet. Wenn der Klang jedoch zu schneidend oder basslastig wird, können die äußeren Grenzfrequenzen angepasst werden. Der BW-Parameter bestimmt die Bandbreite der Filter. Bei niedrigen Prozentwerten behandelt jeder Filter eine einzelne Frequenz. Mit Erhöhung der Bandbreite, steigern Sie auch die Überlappung der einzelnen Filterbänder. Eine Bandbreite von 100% besitzt die höchste Präzision, jedoch können größere oder kleinere Werte zu interessanten Klangeffekten führen.

Der Precise/Retro-Parameter ermöglicht das Umschalten zwischen zwei unterschiedlichen Filterverhalten. Im Precise-Modus besitzen alle Filter die gleiche Lautstärke und Bandbreite. Im Retro-Modus werden die Bänder mit höherer Frequenz zunehmend enger und lauter.

Gate bestimmt den Threshold für die Filterbank. Alle Bänder, deren Pegel sich unter dem Threshold-Wert befinden, werden stumm geschaltet.

Der Level-Parameter erhöht oder verringert den Ausgangspegel von Vocoder.

Der Depth-Regler bestimmt die Stärke, mit der die Amplituden-Hüllkurve des Modulators auf das Carrier-Signal übertragen wird. Bei 0% wird die Hüllkurve des Modulators nicht berücksichtigt. Bei 200% werden nur hohe Amplitudenspitzen benutzt. Ein Wert von 100% führt zum "klassischen" Vocoder-Effekt.

Die Attack- und Release-Regler bestimmen, wie schnell Vocoder auf Amplitudenveränderungen im Modulator-Signal reagiert. Bei sehr schnellen Zeiten bleiben die Transienten des Modulators erhalten, es können jedoch Verzerrungs-Artefakte entstehen.

Der Mono/Stereo-Schalter legt die Anzahl der benutzten Carrier- und Modulator-Kanäle fest. Im Mono-Modus werden sowohl Carrier als auch Modulator als Mono-Quellen behandelt. Stereo benutzt einen Mono-Modulator, bearbeitet das Carrier-Signal jedoch in Stereo. Die L/R-Einstellung bearbeitet sowohl das Carrier- als auch das Modulator-Signal in Stereo.

Die Frequenzen der Carrier-Filterbank können mit dem Formant-Regler nach oben oder unten verschoben werden. Wird zum Beispiel eine Stimme als Modulator benutzt, führen kleine Formant-Änderungen zu einer scheinbaren Änderung des Geschlechts (männlich <-> weiblich) beim Ursprungsmaterial.

Der Dry/Wet-Regler bestimmt das Mischungsverhältnis zwischen dem Original- und dem Effekt-Signal.

22.34.1 Tipps zum Vocoder

Dieser Abschnitt erklärt die gängigsten Anwendungen eines Vocoders.

Singender Synthesizer

Die klassische Vocoder-Anwendung überhaupt ist der "singende Synthesizer." Um dies mit Live zu erreichen:

  1. Setzen Sie Vocoder in eine Spur ein, die eine Aufnahme mit Ihrer Stimme enthält. Sie können entweder einen Clip mit bereits aufgenommenem Stimm-Material benutzen, oder ein live eingesprochenes Stimmsignal bearbeiten. Verbinden Sie hierzu ein Mikrofon mit einem Eingangskanal Ihrer Audio-Hardware und benutzen dann diesen Kanal als Eingangsquelle (siehe 14.2) für die Spur.
  2. Setzen Sie einen Synthesizer wie z.B. Analog (siehe 24.1) in eine zweite Spur ein. Auch hier können Sie wahlweise einen MIDI-Clip erzeugen, um den Synthesizer anzusteuern oder ihn live spielen.
  3. Wählen Sie im Carrier-Menü von Vocoder die Einstellung External.
  4. Wählen Sie die Synthesizer-Spur als Quelle im Audio From-Menü von Vocoder. (Die besten Ergebnisse liefert die Einstellung Post FX im unteren Menü.)
  5. Wenn Sie Synthesizer-Material und Stimme live in Echtzeit erzeugen, stellen Sie sicher, dass beide Spuren mit den Schaltern zur Aktivierung der Aufnahmebereitschaft scharf geschaltet sind.
  6. Spielen Sie den Synthesizer und sprechen gleichzeitig in Ihr Mikrofon. Sie hören jetzt den Rhythmus Ihrer Sprache, jedoch mit der Klangfarbe und den Frequenzen des Synthesizers. Um nur das Vocoder-Signal zu hören, benutzen Sie die Solo-Funktion der Vocal-Spur, sodass die "normale" Synthesizer-Spur stumm geschaltet wird.

Hinweis: Allgemein erzielen Sie die besten Ergebnisse mit hellen und harmonisch reichhaltigen Synthesizerklängen. Versuchen Sie z.B. zur Verbesserung der Sprachverständlichkeit Sägezahn-basierte Klänge zu benutzen. Um einen noch helleren oder durchsichtigeren Klang zu erhalten, probieren Sie andere Einstellungen des Unvoiced-Reglers aus und/oder aktivieren Sie die Enhance-Funktion.

Formant-Shifter

Ist Vocoder so eingestellt, dass der Modulator gleichzeitig auch als eigener Carrier benutzt wird, kann das Gerät als leistungsfähiger Formant-Shifter verwendet werden. Um dies zu machen:

  1. Stellen Sie das Carrier-Wahlmenü auf Modulator.
  2. Stellen Sie Depth auf 100%.
  3. Aktivieren Sie Enhance.

Experimentieren Sie mit verschiedenen Einstellungen des Formant-Reglers, um den Klangcharakter der Quelle zu verändern. Für noch weiter reichende Möglichkeiten zur Klangformung, probieren Sie auch andere Einstellungen der verschiedenen Filterbank-Parametern aus.

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