Sounds

Novachord

von Soniccouture

Der erste, in Röhrentechnik gebaute, polyfone Synthesizer hieß „Novachord“ und hatte 72 Tasten, mehrere Oszillatoren, Filter, VCAs, Hüllkurvengeneratoren und sogar Frequenzteiler. Wir haben jede der 72 Noten dieses Monsters vielfach gesampelt — jedes Mal mit einer anderen Einstellung.

Details

Der erste Synthesizer

Was nur wenige wissen: Der erste auf dem Markt erhältliche Synthesizer wurde 1938 von der Hammond Organ Company gebaut und bis 1942 produziert. Der riesige, in Röhrentechnik gebaute, polyfone Synthesizer hieß „Novachord“ und hatte 72 Tasten, mehrere Oszillatoren, Filter, VCAs, Hüllkurvengeneratoren und sogar Frequenzteiler. Das erste fertiggestellte Exemplar wurde am 30. Januar 1940 als Geburtstagsgeschenk an Präsident Franklin D. Roosevelt geliefert: ein vielversprechender Beginn. Der kommerzielle Erfolg blieb dem 230 kg schweren Klangerzeuger allerdings versagt.

Die Geister-Sounds von Hollywood

Weder Klavier noch Orgel: Der Novachord war ein missverstandenes Instrument und hatte nicht den Erfolg, der vielleicht möglich gewesen wäre. Dazu kamen Probleme hinsichtlich der Stabilität, die nicht zuletzt durch den Zweiten Weltkrieg und seine Auswirkungen auf die Herstellung und Lieferung von Bauteilen verursacht wurden. Trotzdem fand der gespenstische, ätherische Klang des Novachord offene Ohren und wurde zum tragenden Element für die Film- und TV-Musikproduktion. „Vom Winde verweht“, „Der Malteser Falke“, „Rebecca“, „Frankensteins Haus“, „The Outer Limits“ und „Twilight Zone“ sind nur einige Filmklassiker, in deren Soundtrack der Novachord zu hören ist.

1942 musste die Produktion gestoppt werden, da bestimmte Bauteile knapp geworden waren. Mangelnde Nachfrage führte dazu, dass der Novachord nach dem Krieg nicht mehr hergestellt wurde. Heute gibt es weltweit noch geschätzte 200 Exemplare, von denen vermutlich nur noch wenige funktionstüchtig sind.

Als wir zum ersten Mal etwas über den Novachord-Synthesizer lasen, wussten wir sofort, dass wir ihn sampeln wollten. Die Vorstellung von 163 Röhren, die jede Taste in einen eigenständigen Synthesizer verwandeln, der kultige Sound — teils Horror-Orgel, teils Analog-Synthie — und die großen Schalter aus Bakelit: Alles an diesem Instrument hat einen einzigartigen Charakter, der es verdient, eingefangen und für eine neue Generation von Musikern verfügbar gemacht zu werden.

Wer weiß — vielleicht ist der Sound des Novachord ja bald wieder in irgendwelchen Horror-Filmen zu hören?

Soniccouture Novachord

Wir haben jede der 72 Noten dieses Monsters vielfach gesampelt — jedes Mal mit einer anderen Einstellung. Das Novachord-Live-Pack liefert eine große Palette von Texturen und Klangfarben, ist komplett in Ableton Live integriert und hat mit sterilen und effektheischerischen modernen Synthies nichts gemein: Novachord liefert auf Knopfdruck einen runden, lebendigen und vielschichtigen Analog-Sound, und jeder Patch sprüht vor Originalität.

Die Novachord-Restaurierung

Wenn man Phil Ciroccos Bericht über die komplette Instandsetzung des Novachord 1256 liest, fragt man sich vielleicht zuerst: „Wer würde so etwas tun?“. Und denkt sich dann: „Wer das versuchen würde, bräuchte dafür mindestens zehn Jahre“. Dass Phil es in einem einzigen Jahr geschafft hat, ist nur einer von vielen unglaublichen Aspekten dieses Projekts und Zeugnis einer großen Hingabe und technischen Meisterschaft. Auf Phils Webseite können Sie seinen Bericht lesen und alles über den Novachord erfahren. Phil Cirocco ist ein renommierter Elektroniker und Synthesizer-Konstrukteur („Cirocco Modular Synthesizers“) aus Georgia, USA. Er hat mit vielen bekannten Künstlern und Synth-Designern zusammengearbeitet und ist ein ausgewiesener ARP-2600-Spezialist: Falls Sie einen ARP 2600 besitzen und ihn reparieren oder modifizieren lassen wollen, sollten Sie auf jeden Fall eine Reise nach Georgia in Betracht ziehen.

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