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Mendelssohn Effektorium: So leitet man ein Orchester (mit Live)

Dirigieren Sie das Effektorium im Mendelssohn-Bartholdy Museum

Dirigieren Sie das Effektorium im Mendelssohn-Bartholdy Museum

Die Ausbildung zum Dirigenten ist ein eher langer und beschwerlicher Weg, auf dem über Jahre hinweg nicht nur äußerste Hingabe und Disziplin gefragt sind. Sie erfordert vor allem die Aneignung unfassbar viel musikalischen Wissens. Doch was dann kommt, bleibt den meisten Musik-Enthusiasten ein Leben lang verborgen. Wie fühlt es sich an, ein riesiges Orchester selbst zu leiten? Wie ist es, wenn die persönlichen musikalischen Vorlieben von echten Virtuosen unter eigener Regie gespielt werden? Das Nachspüren solcher Empfindungen endete bisher in der ersten Reihe des Konzertsaals.

Doch jetzt geht es den entscheidenden Schritt weiter – dank modernster Technologie und der Berliner Kollaboration aus Aconica, WHITEvoid und Bertron Schwarz Frey. Das Trio schuf eine interaktive audiovisuelle Installation, mit der es dem Betrachter möglich ist, ein virtuelles Orchester im Großen wie im Kleinen zu manipulieren. Dirigieren lässt sich dieses Effektorium im Leipziger Mendelssohn-Bartholdy Museum. Sehen Sie im nachfolgenden Video, wie Besucher mithilfe von Taktstock und digitaler Partitur selbst zum Dirigenten werden und das virtuelle Orchester – einem Maestro gleich – durch die Werke Mendelssohns führen.

Das Effektorium in Aktion – im Mendelssohn-Bartholdy Museum in Leipzig

Doch wie funktioniert das eigentlich? Im Hintergrund arbeiten zwei Rechner, die über ein Ethernetkabel miteinander verbunden sind und via OSC-Nachrichten kommunizieren. Auf einem der beiden Computer befindet sich LEAP Motion, eine Bewegungserkennungssoftware, die physikalische Bewegungen aufzeichnet und die Informationen in digitale Signale übersetzt. Hinzu gesellen sich ein Touchscreen und spezielle Lautsprecher. Der zweite Computer nutzt Ableton Live für die Audiodateien und eine Palette von Convolution Reverb Plug-Ins, um die Stücke dem Tempo des Dirigenten anzupassen. Auf dem selben Rechner läuft außerdem ein komplexer Max for Live Patch, der alle Komponenten jederzeit synchron hält. Eine Berührung des Touchscreens sendet OSC-Daten an den Max-Patch und erlaubt dem Dirigenten, innerhalb des Scores zu springen – ohne Latenz und ohne Jitter.

Die Bedienoberfläche des Effektoriums

Die Bedienoberfläche des Effektoriums

Mit der LEAP-Software wird die Bewegungsgeschwindigkeit des Dirigenten eingefangen, analysiert und das Tempo entsprechend angepasst. Über den Touchscreen hingegen lassen sich unzählige Variationen vornehmen: die Lautstärke von Holzbläsern, Blech, Streichern, Chören oder Perkussion; der Charakter des Raumes oder die Position des Orchesters innerhalb der Partitur. Selbst die Stimmung des Ensembles lässt sich vom historischen zum modernen Standard hin verändern. Dies entspricht übrigens einer Stimmung des Kammertons A auf 430Hz bzw. 443Hz.

Eine der Kameras des Effektoriums zur Bewegungserkennung

Eine der Kameras des Effektoriums zur Bewegungserkennung

Der Dirigent kann auch die optische Stimmung der Installation beeinflussen. Die LED-Lichter in den modifizierten Lautsprechern verändern per Befehl Farbe und Intensität. Außerdem tönen die unterschiedlichen Instrumentengruppen aus individuellen Boxen, so dass der Benutzer einzelne Elemente der Komposition isoliert behandeln kann.

Mehr über das Projekt erfahren Sie auf der Aconica Website. Die Installation befindet sich derzeit im Mendelssohn-Bartholdy Museum in Leipzig.

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