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Input/Output: Dizz1

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Der in Melbourne beheimatete Turntablist, Produzent, Schlagzeuger und Lehrer Dave Norris (aka Dizz1) hat mit jedem seiner Tracks und Beat für Beat ein stückweit mehr an seiner Reputation gefeilt. Gerade eben erschien seine Everyday Grind EP auf dem britischen Tru Thoughts Label. Illustre Gäste wie Aloe Blacc, Om’Mas Keith und Warrior Queen leisten darauf gekonnt ihren Beitrag zu Dizz1s dichten und texturierten Instrumentals. In dieser Ausgabe unserer Input/Output-Reihe begeben wir uns ohne Umschweife in den Track ‘We Go Ridin’ (über ein kostenloses Live Set) und sprechen mit Dizz1 über die Zutaten, mit denen das Stück gemacht wurde.

Erzähl' uns bitte ein bisschen was über Deinen Werdegang. Wie bist Du im Allgemeinen zur Musik gestoßen und wie im Besonderen zur Produktion? Hast Du gleich auf Software gesetzt?

Ich bin irgendwann mit Rap in Berührung gekommen und habe mich sofort in diesen Scratch-Sound verliebt. Als ich ungefähr 15 war, habe ich angefangen Platten zu sammeln. Und ein paar Jahre später besaß ich dann meine ersten beiden riemengetriebenen Plattenspieler. Mit 19 lebte ich in Japan. Meine Kumpels dort hatten alle MPCs und dadurch fing ich an, mir grundsätzlich Gedanken über Musikproduktion zu machen. Ich legte mir eine MPC 2000 und einen DPS12 Hard-Disc-Recorder zu und machte ein paar Mixtapes im Scratch-Style, die mit eigenen Beats unterfüttert waren. Software habe ich das erste Mal bei meinem Stiefbruder und seiner Crew in Form von Cubase, Logic und Reason zu Gesicht bekommen. Da war gar nicht mal lange nach dem Erscheinen von Live. Wenn ich ehrlich sein soll, habe ich oft an Software gedacht, aber nie wirklichen Zugang gefunden. Das änderte sich jedoch 2003, als ich mir das Genick anbrach und eine Ewigkeit (unter starken Schmerzmitteln) in der Reha verbrachte. Dadurch hatte ich aber die Chance, mich intensiv mit Ableton zu beschäftigen und seitdem möchte ich nicht mehr zurück.

Laden Sie sich das Live Set zu ‘We Go Ridin’ herunter (benötigt Live 9 Standard oder Suite).

Bei den Drums in „We Go Ridin” klingt es so, als würde die Kick auch den Bass besorgen. Wie hast Du diesen Effekt hinbekommen?

Für gewöhnlich verwende ich zwei Kick-Drums in meinen Tracks – eine für den Ton und eine für den Charakter. Abhängig vom Stil kommt noch ein Sub-Synthie für mehr Tiefe dazu. In diesem Fall brachte die 808 das gewisse Etwas, sie erzeugte interessante Resonanzen zur Tonart des Song. Es ist also ein Sample der 808, das Du da hörst, und eine zusätzliche Kick. Aber erst die Mischung macht's – selbst wenn der Click-Anteil des 808-Samples eigentlich ausreichend wäre, wirkt sich der Mix auf das Gesamtbild aus.

Auch das Zusammenkopieren von Snare-Drums erscheint für mich sinnvoll. Hier sind es zwei. Eine davon ist natürlichen Ursprungs und die wuchtige stammt aus der 808. Dazu kommt noch ein separater Clap. Das Verdichten meiner Drums ist für mich von großer Bedeutung. Damit erreiche ich einen Sound, der so klingt, als würde er aus nur einer Quelle stammen. Es vereinfacht das Handling ungemein. Es lässt sich viel einfacher im Mix unterbringen und ich muss nicht mit einer ganzen Latte an Sounds hantieren, die ich dann auch noch per EQ chirurgisch aufeinander abstimmen darf.

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Im Live Set zu „We Go Ridin’ feat. Om’Mas Keith” sind der Gesang und die Backing Vocals bereits gebounct und gemastert. Hast Du diesen Track mit den Acapellas begonnen und die Produktion drum herum gebaut? Und wie war eigentlich die Kooperation mit Om’Mas Keith?

Ich traf auf Om'Mas als ich 2008 die RBMA in Barcelona besuchte. Wir hatten dort einen Jam, die bis in die frühen Morgenstunden dauerte. Als ich ihn am Tag darauf wieder traf, spielte ich ihm einen Track vor, an dem ich gerade werkelte. Worauf er sagte: „Hau' mir den Scheiss in mein ProTools!”. Der Vocal-Part war so gut, dass er zum Lackmus-Test für meine Arrangements wurde. Diese Version war auf Anhieb clubtauglicher als das, was ich mit dem Stück ursprünglich für die „Everyday Grind” EP im Sinn hatte.

Es gibt eine Gruppenspur namens „White Breath”, in der sich analoge Geräusche und Klänge aus einem natürlichen Umfeld vermischen. Das Ganze ist sehr subtil und mit extremer Sidechain-Kompression versehen. Welche Rolle spielen die Geräusche in diesem Track?

Das bin tatsächlich ich, wie ich mit meinem Mund Becken-Geräusche nachahme. Direkt in das Mikro meines Macbooks. Die Umgebungsgeräusche flossen dabei mit ein. Ich mag es, mit ein paar echten Sounds den Groove aufzubrechen und sie ein wenig zu bewegen (Betrachten Sie die subtilen Schwenks des langsamen LFO im Auto Filter). Außerdem hört man mich in der „Word Up"-Gruppe, wenn man die Samples runterpitcht, mit kerniger Stimme „Word Up" sagen. Ich lege grundsätzlich einen Pilotspur über den Beat und singe dabei gewisse Dinge als Marker ein, um die Stellen später mit Fills komplettieren zu können. Normalerweise lösche ich die Sachen danach, aber dieses Mal habe ich mich entschieden, sie drin zu lassen.

Erfahren Sie mehr über Dizz1 und hören Sie die Everyday Grind EP in voller Länge.