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A.Squared: Extend the Voice

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Bei A-capella-Musik steht nur die menschliche Stimme im Mittelpunkt. Instrumentenhafte und synthesizerähnliche  Sounds verlassen die Stimmbänder mal gänzlich roh und mal als übereinander geschichtete üppige Harmonien. Die Studenten der Yale-Universität, die sich zur A-capella-Gruppe A.Squared zusammen geschlossen haben, folgen den gängigen Paradigmen, bewegen sie aber in eine experimentelle Richtung: Sämtliche Sounds entstammen zwar der menschlichen Stimme; bei den Aufführungen kommen aber auch Push, Live und Max for Live für Effekt-Bearbeitungen und Loop-Layering in Echtzeit zum Einsatz. Hören Sie das grandiose Cover zu James Blakes' “Retrograde” und lesen Sie danach die Ausführungen zur Arbeitsweise der Gruppe von Mitglied Jacob Reske:

Wie läuft die Zusammenarbeit von A.Squared ab? Welche Rolle spielen die Sänger und wie werden die Stimmen bearbeitet?

Wir sehen uns als sechsköpfige "Electronic Vocal"-Gruppe: Fünf Sänger mit mir als Beatboxer/Produzent plus Push. Ich mache die Arrangements und kümmere mich um die Produktion. Und ich schreibe oft an den Songs der Sänger mit. Das Konzept, auf dem alles beruht, sieht folgendermaßen aus: Mit Ableton Live wird die menschliche Stimme weiter angereichert. Grundlage ist immer die Live-Performance des gesamten Ensembles.

Wir agieren also wie eine typische sechsköpfige Vokal-Gruppe, mit dem Unterschied, dass jedes Mitglied des Ensembles seine Stimme individuell loopen und mit Effekten belegen kann. Der Reiz besteht für uns darin, die Grauzone zwischen Vokal- und Instrumentalmusik auszuloten. Dabei hilft uns die Verwendung von Software. Trotzdem wollen wir dabei die A-capella-Tradition wahren. Schließlich fühlen sich unsere Sänger und ein Großteil unseres Publikums diesem Stil verbunden. Wir erlegen uns also die selben Einschränkungen auf, die A-capella-Musiker im Allgemeinen haben: Erstens wird nur mit der Stimme gearbeitet und zweitens wird alles live vorgetragen.

Live dient uns als Plattform zur Ideenfindung, für den Produktionsprozess, für Proben und für die Aufführungen. Viele meiner Freunde, die elektronische Musik machen, müssen schmunzeln, wenn ich ihnen erzähle, dass wir eine A-capella-Gruppe haben, die vollständig mit Ableton Live arbeitet. Aber das ist genau das, was wir tun – Live erleichtert jede einzelne Arbeitsphase. Es ist viel flexibler als ein Haufen Loop-Pedale und Gitarren-Effekte. Und man bekommt eine Menge abgefahrener Sounds zustande, nur allein mit der Stimme und DSP, sogar ohne sonstige Instrumente.

Weil am Ende alles live über die Bühne gehen muss, konstruieren wir unser Live-Set schon im Vorfeld und haben damit eine Marschroute für das Arrangement. So haben wir die richtigen Effekte und Loops an jeder Stelle eines Songs parat und bleiben dem Live-Paradigma treu.

Das Großartige am Workflow ist der extrem flexible Performance-Aspekt – Entweder steuert eine Person das gesamte Arrangement oder sie gibt die Kontrolle individuell an einzelne Sänger ab. In Live ist so viel los, da kann es für die Sänger bestärkend sein, wenn sie es selbst in der Hand haben, Loops oder Effekte zu setzen. Außerdem können dadurch sehr coole kreative Variationen entstehen.

Letzten Endes performen die Sänger ihre Songs aber nicht anders als sonst, außer dass sie einen Click-Track im Ohr haben, mit dem sie synchron zu Live bleiben. Und sie müssen natürlich genau darauf achten, wann ein Loop gesetzt ist und wann nicht.

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Wie setzt ihr Push live bei A.Squared ein?

Wir nutzen Push schon ziemlich intensiv, sowohl in der Kreations- und Improvisationsphase als auch bei den Proben und Aufführungen. Für die größeren und komplexeren Stücke triggere ich mit Push Szenen, die vorab programmiert wurden und dann das Gerüst für ein Arrangement bilden.

Wir sind wirklich sehr darauf bedacht, dass bei den Aufführungen alles live ist – oder anders gesagt: wir verwenden kein bereits aufgenommenes Material. Wenn wir beginnen, haben wir nicht einen aktiven Audio-Clip im Live-Set. Aber es gibt schon eine umfassende Struktur. Unsere Arrangements sind so angelegt, dass Szenen genau zwei Dinge antriggern: 1. Slots für Audiomaterial, dass über die Live-Mikrofone der Sänger aufgenommen wird, und 2. Dummy-Clips, die Effektketten anwählen, die mit Automation auf die jeweiligen Stimmen gelegt werden. Auf diese Weise kann eine Person die Loops und Effekte für fünf Sänger verwalten. Und Push fungiert dabei als Schaltzentrale, von der aus alles in unseren Arrangements kontrolliert werden kann.

Es ist natürlich prima, die Loops und Effekte für jeden Sänger zentral steuern zu können. Aber manchmal macht es noch mehr Spaß, den Sängern die Kontrolle zu überlassen und zu sehen, was dabei rauskommt. Bei einigen Stücken benutzen sie iPads mit TouchAble. Über dieses Programm können sie ihren Part innerhalb der Session selbst beeinflussen. Wenn Improvisation angesagt ist, kann das sehr unterhaltsam und spaßig sein. Auch zum Entwickeln neuer Ideen funktioniert diese Methode für die Gruppe übrigens ganz hervorragend.

In einigen anderen Songs nutzen wir Push als Instrument, um die in Echtzeit aufgenommene Stimmen-Samples abzuspulen – etwa jene, die wir mit Granulators Live-Modus aufzeichnen. Außerdem nutze ich es regelmäßig, um bestimmte Sachen bei den Proben zu manipulieren oder den Master-Track zu remixen, wenn wir den Beat ein bisschen runterbrechen wollen.  

Welche Max for Live Anwendungen nutzt Ihr mit A.Squared?

Da unser Material ja ausschließlich aus Live-Vocals besteht, geht es uns eher um Effekte. Aber zwei große Sachen fallen mir ein: Granulator und Buffer Shuffler sind bei uns gesetzt. Mit Granulators Live-Modus samplen wir Stimmen in Echtzeit und verwandeln sie in ein Instrument, auf dem wir die Stimme spielen können. Das fordert zwar ordentlich den Prozessor, aber das ist es definitiv wert! Buffer Shuffer ist die große Nummer in 'Holocene', und er ist unglaublich flexibel. Oft ziehe ich ihn auf ein Arrangement, das wir remixen wollen und sehe, wohin mich die Parameter treiben. Ein weiterer Favorit ist Multimap. Den habe ich erst vor einigen Monaten entdeckt, aber er hat mir schon jetzt so unendlich viel Zeit erspart. Mit nur einem Dummy-Track Effekt-Automationen für sechs unabhängige Sänger zu mappen, ist wirklich sehr sehr nützlich.

Einige unserer Max for Live Patches sind handgestrickt, da wir sie für sehr spezifische Aufgaben benötigen. Wir haben einen, mit dem wir transponieren können und aktuell bastle ich an einem vierteiligen diatonischen Vokal-Harmonizer. Für eine Vokal-Gruppe ist das quasi der Heilige Gral. Ein einzelner Sänger kann sich durch Akkordwechsel manövrieren und erschreckend echt nach Synthesizern und elektrischen Gitarren klingen. Außerdem macht das Spielen mit Harmonizern enorm viel Spaß.

Ich würde gern noch ein paar weniger bekannte Standardeffekte aus Live nennen wollen, die wir intensiv nutzen. Corpus zum Beispiel ist für uns essentiell. Damit machen wir bestimmt die Hälfte unserer Kickdrum-Sounds. Vocoder nutzen wir viel für Verschiebungen im Resonanzspektrum. Und Saturator, als Schweizer Armeemesser unter den Distorsion-Plug-Ins. Aber das weiß natürlich jeder.

In your performance of “Holocene”, how are you processing the voices to get the electronic-sound pitch shift effects on the loops?

A closely-guarded secret ;) JK, that one was fun to make, and I honestly just stumbled upon that sound one day. In the second verse, I record the voices individually to separate (muted) tracks, and then I have effects on those tracks that push the vocals to some extremes. It's a combination of the transposition M4L patch, Antares' "Throat" plug-in, and a healthy dose of auto-tune. From there, the vocals get mixed down and thrown into Buffer Shuffler, which creates that new, shuffled-around sample, just in time for the chorus. It's all pre-programmed and automated so that the processing happens live, but the singers REALLY have to be on their mark to get it to sound right!

When I'm working on producing the arrangements, I'll often have the singers come in one by one and lay down scratch takes of vocal parts. Then, I'll pull in one of several effects chains that I have onto the set and start seeing how far I can stretch things using just the voices. If you plan everything right, though, the performance can sound as produced as it does in the studio, except all the material is live in the latter case.

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